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Erstmals Embryos erzeugt : Nashörner aus der Retorte

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Das Nördliche Breitmaulnashorn: Nur noch zwei Tiere dieser Art gibt es. Beide sind weiblich und unfruchtbar. Bild: AFP

Von Wilderern an den Rand des Aussterbens gebracht, von Berliner Veterinären gerettet? Der Kampf um das Nördliche Breitmaulnashorn geht auf die Zielgerade. Die ersten künstlich erzeugten Nashorn-Embryonen lassen hoffen.

          Mit jeder Tierart, die ausstirbt, wird der Protest gegen den mangelnden Artenschutz lauter. Wirklich ändern tut sich jedoch nur wenig. Zu rentabel ist das Geschäft mit den Tierprodukten, zu bequem das Leben im Luxus, für das Arten und Ökosysteme auf der ganzen Welt herhalten müssen.

          Auch die Stunden des Nördlichen Breitmaulnashorns sind gezählt. „Sudan“, das letzte männliche Exemplar dieser ursprünglich in Zentral- und Ostafrika beheimateten Unterart, ist am 19. März diesen Jahres gestorben. Übrig sind weltweit nur noch zwei Nördliche Breitmaulnashörner in einem afrikanischen Park  – beide weiblich und unfruchtbar. Dass diese Art überleben kann, ist damit unter normalen biologischen Bedingungen ausgeschlossen. Dafür verantwortlich ist hauptsächlich die Wilderei, die trotz starker staatlicher Reglementierung und inzwischen auch schwerster Bewachung vom enormen Wert der Hörner etwa für Vertreter der chinesischen Medizin angetrieben wird. Schuld sind also wir Menschen.

          Im Frühjahr starb „Sudan“, das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn, in Kenia.

          Was aber wäre, wenn wir die quasi-ausgestorbene Tierarten retten oder ausgestorbene zurückholen und unsere Fehler so, wenigstens teilweise, rückgängig machen könnten? Genau das versucht eine deutsch-italienisch-amerikanische  Forschergruppe um Thomas Hildebrandt vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung seit Jahren. Ihre wichtigsten Ergebnisse stellt die Gruppe nun im Fachmagazin „Nature Communcations“ vor.

          Tatsächlich haben die Wissenschaftler nicht nur geschafft, durch künstliche Befruchtung erstmals befruchtungsfähige Embryonen von Nashörnern in der Petrischale zu erzeugen, sie haben auch einen Plan, wie möglicherweise das Erbgut des Nördlichen Breitmaulnashorns für die künftige Wiederherstellung der Population genutzt werden könnte. 

          Das Erbgut retten

          In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben Forscher immer wieder probiert, den Breitmaulnashorn-Bestand durch künstliche Befruchtung innerhalb der vorhandenen Population zu erweitern – ohne Erfolg. Die Wissenschaftler um Hildebrandt gehen deshalb noch einen anderen Weg: Sie konzentrieren sich darauf, nicht nur die Technik der künstlichen Befruchtung zu verbessern, sondern auch das das Erbgut der vom Aussterben bedrohten Art dauerhaft zu retten.

          Sie züchteten im Labor Hybrid-Embryos aus Eizellen einer nah verwandten Unterart, dem Südlichen Breitmaulnashorn, mit zuvor konservierten Samen des Nördlichen Breitmaulnashorns. Schon die Erzeugung solcher Hybrid-Embryonen ist ein ungewöhnlicher Schritt. Das Ziel dabei: Durch die Kreuzung sollte zumindest ein Teil des Erbguts der nördlichen Spezies erhalten werden. Und tatsächlich gelang dem Forscherteam auf diese Weise die künstliche Erzeugung teilungsfreudiger Nashorn-Embryonen zumindest bis zum Blastozystenstadium. Das sind „Keimbläschen“, die aus hundert bis zweihundert Zellen bestehen und kryokonserviert werden können. Noch bleiben  diese frühen Hybrid-Embryonen allerdings eingefroren. Ob sie wirklich lebensfähige Nachkommen bilden, kann erst das Übertragen und Austragen der Embryonen in Ammen-Nashörnern – Weibchen der häufigen südlichen Unterart – zeigen.

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