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Leopoldina wählt Gerald Haug : Klimaforscher wird die Nationalakademie führen

Nationalakademie Leopoldina in Halle in Sachsen-Anhalt. Bild: dpa

Die wichtigste Akademie des Landes hat ihren künftigen Präsidenten gewählt: Der erst 51 Jahre alte Geologe Gerald Haug ist nicht nur als Gelehrter aufgefallen – er hat sich als engagierter Klimaforscher auch politisch in Stellung gebracht.

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          In einer geheimen Wahl hat die Nationalakademie Leopoldina ihren neuen Präsidenten gewählt. Man könnte ihn, den 51jährigen Klimaforscher Gerald Haug, so vorstellen: Seit diesem Mittwoch weht mit ihm als künftigen Präsidenten einer der weltweit ältesten Akademien der Welt ein frischer Wind. Darin ist allerdings nur die Nationalakademie Leopoldina richtig beschrieben, denn mehr historische Wucht und Tradition ist in Europa in der Tat kaum denkbar, allenfalls noch vergleichbar mit der britischen Royal Society.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Der frische Wind allerdings ist in zweifacher Hinsicht ein schräges Bild: Denn erstens hat der turnusgemäß scheidende Leopoldina-Präsident, der seit 2010 amtierende Mikrobiologe Jörg Hacker, die altehrwürdige Gelehrtengesellschaft in Halle schon seinerseits konsequent in eine modernere, offene und auch für die Politikberatung nützliche Versammlung umgewandelt. Und zweitens muss man sich seinen jüngeren Nachfolger nicht als frische Brise im Akademiebetrieb vorstellen, eher schon als aufziehenden Starksturm.

          Tatsächlich hat der in Karlsruhe geborene Meeresgeologe, Paläontologe und Ozeanograph die Klimaforschung im Sturm erobert. Als Direktor des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz und als ordentlicher Professor für Klimageochemie an der ETH in Zürich beschäftigt sich Haug seit Jahren mit der Dynamik des Weltklimas.

          Meeresgeologe und Klimaforscher Gerald Haug.

          Und schon in dieser Position stand es für ihn außer Frage, dass die wissenschaftlichen Befunde über die Beschleunigung des menschengemachten Klimawandels, vor allem aber auch die Suche nach Lösungen, höchstmöglichen politischen Rang einnehmen müssten.

          Er füllt die Rolle des hochengagierten Grundlagenforschers, der nicht nur der Forschungsgelder wegen politischen Einfluss sucht, perfekt aus. Seine klimawissenschaftliche Karriere führte ihn von der Universität Karlsruhe über das „Geomar-Zentrum“ in Geesthacht zu herausragenden Instituten in die Vereinigten Staaten, in die Schweiz, zum Geoforschungszentrum in Potsdam und schließlich nach Mainz und Zürich. Im Jahr 2012, vier Jahre nach der Gründung der deutschen Nationalen Akademie, wurde er in die Leopoldina berufen. Auch damals schon gehörte er zu den Jüngsten der nun aufgefrischten und für die Geistes– und Sozialwissenschaften geöffneten Hallenser Akademie. Als Nationalakademie, die eng mit den Länderakademien und der Technikakademie Acatech vertritt sie die deutsche Wissenschaft in internationalen Gremien, unter anderem bei der wissenschaftsbasierten Beratung der Politik auf den G7- und G20-Gipfeln.

          Mit gut 1600 Mitgliedern aus mehr als 30 Ländern vereinigt sie heute aus nahezu allen Wissenschaftsbereichen. Als Haug im Juli diesen Jahres als Vorsitzender der entsprechenden Leopoldina-Arbeitsgruppe eine Stellungnahme veröffentlichte, war das nichts weniger als ein Mahnschreiben an die Klimapolitik, viel entschlossener als bisher vorzugehen. Da hatte sich der Sturm schon angekündigt.

          Haug dürfte die Rolle der Wissenschaft nicht nur im akademischen Milieu, auch in der Beziehung zur Politik neu definieren. Vom 1. März 2020 an wird Haug sein Amt in Halle übernehmen.

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