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Kinderpornographie : Die Pixel verraten den Täter

  • -Aktualisiert am

Hier muss kein Ermittler eingreifen: Eine gestellte Aufnahme unter Verwendung eines strafrechtlich irrelevanten Bildes Bild: Waldner, Amadeus

Wie findet man Kinderpornographie? Informatiker arbeiten an automatischen Suchverfahren, Google und andere Firmen setzen sie bereits ein.

          Vor einigen Tagen machte in Amerika wieder ein Fall von Kinderpornographie Schlagzeilen. In Texas wurde ein Mann festgenommen, nachdem er einschlägige Bilder per E-Mail verschickt hatte.

          Das ist an sich noch nichts Besonderes. Allein in Deutschland zählte die Polizei letztes Jahr mehr als 4000 ähnliche Verbrechen. Doch diesmal kam der Tipp, der zur Festnahme des Mannes führte, vom Betreiber des E-Mail-Dienstes selbst – von Google. Der Konzern schickte die Daten des Mannes an die amerikanische Kinderschutzorganisation „National Center for Missing and Exploited Children“ (NCMEC). Diese informierte die Polizei.

          Einige Tage später berichtete die BBC von einem ähnlichen Fall im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania. Diesmal war der E-Mail-Dienst von Microsoft betroffen. Auch der Software-Konzern meldete den Fund an das NCMEC. Beide Fälle zeigen: Internetfirmen kämpfen dagegen an, dass Kinderpornographie über ihre Infrastruktur verbreitet wird. Um das illegale Material zu finden, arbeiten sie mit Kinderschutzorganisationen, Ermittlern und Forschern zusammen.

          115 Millionen kinderpornographische Bilder ausgewertet

          Die Wissenschaftler entwickeln dabei Maschinen, die Kinderpornographie erkennen. „Da gibt es eine ganze Reihe von Technologien, von einfachen und lange etablierten bis hin zu quasi Science-Fiction“, sagt Martin Steinebach, der am Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie in Darmstadt forscht. Die einfachsten Methoden zur Suche nach Kinderpornographie heißen „kryptographische Hashverfahren“. Sie basieren auf dem sogenannten Hash. Algorithmen bestimmen ihn aus den Bits, also den Einsen und Nullen einer Datei, die er auf diese Weise repräsentiert wie ein Fingerabdruck einen Menschen. Um zu erfahren, ob zwei Dateien gleich sind, reicht es, deren Hashs zu vergleichen.

          Hier kommen die Kinderschutzorganisationen mit ihren Datenbanken kinderpornographischen Materials ins Spiel: Allein das NCMEC hat in den vergangenen zwölf Jahren 115 Millionen solcher Bilder ausgewertet. Die Hashs stellt es der Polizei zur und den Internetkonzernen zur Verfügung, die ihre Datenströme nach bekanntem Material scannen können. Erkannt werden so allerdings nur exakte Kopien bekannter Aufnahmen. Wenn die Täter sie verzerren, die Farben verändern oder sonst irgendwie manipulieren, bleibt das Material unentdeckt.

          „Deswegen wurde das Konzept der robusten Hashverfahren entwickelt“, sagt Steinebach. Sie kommen auch mit leicht veränderten Bildern zurecht, weil die robusten Hashs auf der Helligkeit einzelner Bildpunkte basieren. „Im einfachsten Fall skaliert man das Bild auf eine Größe von 16 mal 16 Graustufen-Pixeln runter und vergleicht, welche davon heller und welche dunkler sind“, sagt Steinebach. Diese Informationen bilden wieder einen Hash. Mit ihm lassen sich nicht nur exakt gleiche, sondern auch optisch sehr ähnliche Bilder erkennen.

          Wird das Kind sexuell missbraucht?

          Eines dieser Verfahren hat Steinebach entwickelt. Die Idee kam ihm auf einer Konferenz zum Thema Internetkriminalität im amerikanischen Bundesstaat New York. Dort erfuhr er, dass sich die Polizei fast nur noch mit der Bekämpfung von Kinderpornographie beschäftige, weil der Aufwand so hoch sei. Und „dass die Polizei noch auf kryptographische Hashverfahren setzte“, sagt Steinebach, der daraufhin das System „Forbild“ erfand. Der Name steht für „Forensische Bilderkennung“.

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