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Grüne Woche : Die Milchkanne der Ministerin

Bauernwirtschaft im süddeutschen Langenenslingen-Wilflingen. Bild: dpa

So eine zerbeulte Milchkanne ist mehr als ein Schmuckstück. Von ihr führt eine gedachte Linie zur allerschönsten Kleinbauernkultur. Das freut die Landwirtschaftsministerin. Alle anderen dürfen knuspern. Über Exotik auf der Grünen Woche.

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          Zu was die Milchkanne gut ist, muss man nicht groß erklären. Der bäuerliche Urinstinkt ist noch intakt, da ist sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sicher, auch wenn er ihr inzwischen zu oft übers Ziel hinausschießt. Zum Auftakt der Grünen Woche teilte sie mit, dass in Deutschland nicht nur achtzig Millionen Bundestrainer lebten, sondern inzwischen auch achtzig Millionen Hobby-Agrarwissenschaftler, die allesamt glaubten, einem gelernten Landwirt sagen zu können, was er zu tun habe. Diese Hobby-Agrarier sollten jetzt genau hinhören.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Denn am Wochenende turnte Frau Klöckner in Berlin-Mitte vor dem Auswärtigen Amt eine ganze Zeitlang auf einer umgedrehten großen Alumilchkanne herum. Damit erhob sie sich über die vielen Köpfe der „Wir haben es satt“-Demonstranten, um sie lautstark über ihre Vorstellungen von „Fairplay“-Agrarpolitik ins Bild zu setzen.

          Die Milchkanne wurde ihr sodann, nach sparsamem Applaus und unüberhörbarem Murren, als Geschenk von der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Kleinbetriebe überreicht. Biobauern wissen Geschenke zu machen, befreundet sein muss man mit ihnen dafür nicht. Es war jedenfalls eine bemerkenswerte Geste, und auch wenn es nicht die allerletzte Milchkanne im Land war, die zweckentfremdet wird, so war diese Milchkanne doch plötzlich ein mächtiges Symbol. Frau Klöckner nahm ihr Geschenk mit in die große Agrarministerrunde, um ihre Seelenverwandtschaft zur kleinbäuerlichen Kultur zu untermauern, während das liebe Vieh am anderen Ende der Stadt in der Messehalle des deutschen Entwicklungsministeriums einen harten Verdrängungswettbewerb zu bestehen hatte.

          „Eine Welt – unsere Verantwortung“ stand da in großen Lettern, und an den Ständen wimmelte es von getrockneten Käfern, Heuschrecken, Raupen und Schnabelkerfen. Die Kuh war bloß noch Buhmann. Das Insekt, so war die Infotafel zu deuten, wird am Ende die letzte Konkurrenz für die vegane Wurst sein. Die Kuh ist wohl bald raus aus dem Rennen. Gemessen an einem Kilo Fleisch, braucht die Kuh siebzehnmal mehr Fläche als Insekten, zehnmal mehr Wasser, zwölfmal so viel Futter und produziert 46 Mal so viele Treibhausgase. Und nicht nur das: Insekten sind reicher an Vitaminen, an ungesättigten Fettsäuren, und die Schwarze Soldatenfliege kann sogar organische Abfälle locker in hochwertige Proteine umwandeln. Wer braucht da noch die Milch als Proteinquelle? Mit der zerbeulten Minister-Milchkanne immerhin kann Frau Klöckner langfristig planen. Da lassen sich jede Menge geröstete Käfer geschmacksneutral einlagern.

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