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Abhören auf die andere Art : Achtung, die Chipstüte hört zu!

  • -Aktualisiert am

Mittels einer herumliegenden Chipstüte rekonstruierten Forscher des MIT ein stummes Video. Bild: picture alliance / Foodcollectio

Lippenlesen ist von gestern, wer heute Gespräche abhören möchte, braucht nur noch eine Chipstüte. Wie das gehen soll, haben Forscher des Massachusetts Institute of Technology untersucht.

          Eines darf in einem guten Krimi nicht fehlen – die Wanze. Wollen Ermittler einen Verdächtigen aushorchen, versuchen sie, in seiner Wohnung oder am Körper das winzige Abhörgerät anzubringen. Der Verdächtige selbst wiederum tastet seinen Körper nach der Wanze ab und stellt auf der Suche nach ihr oft auch seine gesamte Wohnung auf den Kopf.

          Die Zukunft des Abhörens könnte aber schon bald ganz anders aussehen. Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge haben es geschafft, aus einem stummen Video die Tonspur zu rekonstruieren. Dafür nutzten sie eine Kamera, einige Algorithmen – und eine Chipstüte. Alexei Efros, Professor an der Berkley-Universität in Kalifornien, erklärt in einer Pressemitteilung des MIT: „Wir dachten bislang bei Filmen wie James Bond: Das ist Hollywood-Theater, völlig unmöglich. Nun können wir plötzlich genau so etwas.“

          Phänomen des akustischen Mitschwingens

          Sobald Schallwellen auf Gegenstände treffen, fangen diese an, sich hin und her zu bewegen. Das menschliche Auge kann diese Schwingungen nicht sehen, hochauflösende Kameras können die Bewegungen aber tatsächlich aufzeichnen – und das, obwohl sie nicht einmal mikrometergroß sind. Für ihr Experiment ließen die Forscher des MIT eine Frau ein Kinderlied singen, ein paar Meter entfernt lag eine Chipstüte auf dem Boden. Im Nebenraum stellten die Wissenschaftler eine Kamera auf, die die Chipstüte filmte. Anschließend konnten sie das Kinderlied nur durch die Bilder der vibrierenden Tüte rekonstruieren. Die gesamten Ergebnisse des Experiments sollen Ende 2014 vorgestellt werden.

          Abe Davis, der die Studie des MIT leitete, nennt als Zweck  der Experimente zwar die reine Materialforschung, dennoch kann er aber nicht widerlegen, dass die Forschung  neue Möglichkeiten der Überwachung liefern. Ein Zimmer abzufilmen ist um einiges leichter, als es in detaillierter Kleinstarbeit zu verwanzen. Dafür  müssen Überwachende nicht einmal auf ein Fenster hoffen. Sie müssten sich lediglich Zugriff zu Kameras in Smartphones oder Notebooks verschaffen und könnten sofort mit der Überwachung beginnen – auch, wenn das Mikrofon ausgeschaltet ist.

          Auch im Alltag könnte das Abhören durch die Chipstüte bald funktionieren. Die Software des MIT funktioniert auch mit einfachen Kameras, wie sie beispielsweise in Smartphones verbaut sind. Zwar konnten die Forscher damit noch nicht die gesamte Tonspur entschlüsseln, doch immerhin konnten sie angeben, wie viele Menschen gerade in einem Raum sprachen.

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