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Europäische Krise : Nobelpreisträger sehen Spitzenforschung in Gefahr

42 Nobelpreisträger und fünf Träger der Fields-Medaille fürchten um die Spitzenforschung in Europa. Mit einem offenen Brief greifen sie in die Finanzverhandlungen der EU ein.

          Die Finanzkrise in Europa lässt offenbar viele führende Wissenschaftler am Willen zum Ausbau der europäischen Forschung zweifeln. In einem offenen Brief an die Staats- und Regierungschefs haben 42 europäische Nobelpreisträger appelliert, sich in der Krise nicht zu Budgetkürzungen zulasten der Wissenschaft zu entschließen. Für sie geht es darum, die wissenschaftliche Spitzenposition Europas zusammen gleichauf mit den Vereinigten Staaten und Japan auszubauen und im globalen Wettbewerb der Wissenschaftsstandorte nicht gegen schnell aufstrebende Forschungsnationen wie China, Brasilien, Südafrika oder Korea Boden zu verlieren.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Konkret geht es um die Beratungen der europäischen Mitgliedsstaaten am 22. und 23. November über den Finanzplan von 2014 bis 2020, insbesondere um das Forschungsprogramm „Horizon 2020“.
          Das Forschungsprogramm, das dem siebten Forschungsrahmenprogramm folgt, ist schon seit Jahren in Vorbereitung, um mit einem Ausbau der Forschungsinfrastruktur „neue Stellen und Wachstum zu schaffen“. 80 Milliarden Euro wurden bisher dafür veranschlagt – das wären satte 30 Milliarden mehr als bisher. Profitiert hätten davon nicht zuletzt der Europäische Forschungsrat ERC, der sich innerhalb weniger Jahre zu einem der finanziell mächtigsten Instrumente der Spitzenforschung in Europa gemausert hat. Sein Budget sollte mit „Horizon 2020“ von 7,5 Milliarden Euro auf 13 Milliarden fast verdoppelt werden.

          Den Plan der Expansion exzellenter europäischer Grundlagenforschung vor allem auch in den neuen EU-Staaten sieht man nun offenbar bedroht. Deshalb haben die österreichische  Präsidentin des ERC, Helga Nowotny, sowie die Tübinger Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard  und der britische Nobelpreisträger Tim Hunt den offenen Brief verfasst.

          Das ERC verteilt seine Gelder nicht nach regionalpolitischen Gesichtspunkten oder Bedürftigkeit, sondern  rein nach Qualitätskriterien der Wissenschaften. Bis zum Ende des aktuellen Forschungsprogramms in zwei Jahren werden gut viertausend Förderungen vergeben und 24.000 Wissenschaftler unterstützt – darunter sechstausend Doktoranden und achttausend Postdocs. Seit 2007 haben sich rund 31.000 Wissenschaftler um Fördergelder des ERC beworben. Mehr als 6500 Artikel zur so geförderten Forschung sind bisher in Wissenschaftsjournalen publiziert worden – eine Bilanz, die sich auch in dem aufsteigenden Ranking europäischer Forscher niederschlägt.

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