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Ende des Moratoriums : Mit Killerviren darf wieder geforscht werden

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Bei umstrittenen Experimenten statteten Forscher vergangenes Jahr den Erreger der Vogelgrippe mit gefährlicheren Eigenschaften aus Bild: ddp

Schon nächste Woche könnten die vor einem Jahr gestoppten Versuche mit Vogelgrippe-Erregern wieder aufgenommen werden. Der Risikoforscher Peter Sandman warnt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vor Laborunfällen. Virologen halten dagegen, dass der gesellschaftliche Nutzen überwiege.

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          Die vor einem Jahr gestoppten Versuche, den Erreger der Vogelgrippe im Labor mit gefährlicheren Eigenschaften auszustatten, die in der Natur bisher nicht vorkommen, können in Kürze wieder aufgenommen werden. Das Ende eines entsprechenden Moratorium soll nach Auskunft mehrerer Experten schon kommende Woche verkündet werden, berichtet die Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.). Es war auf Drängen amerikanischer Sicherheitsbehörden zustande gekommen. Sie fürchteten, dass Forschungserkenntnisse in die Hände von Terroristen fallen könnten. Mehr als drei Dutzend führende Influenzaforscher unterzeichneten das Moratorium.

          Bei den umstrittenen Experimenten hatten Forscher der Universität Rotterdam um den Virologen Ron Fouchier mit Frettchen gearbeitet, die so lange infiziert wurden, bis sich der H5N1-Erreger über die Luft in die Atemwege verbreitete; Frettchen reagieren ähnlich wie der Mensch auf Influenzaviren. In weiteren Versuchen an der University of Wisconsin in Madison waren Teile des hoch ansteckenden Keims der Schweinegrippe mit dem Erbgut des Vogelgrippe-Virus kombiniert worden, das zwar hoch letal ist, aber bislang nicht von Mensch zu Mensch übertragen wurde. Trotz vieler Bedenken wurden die experimentellen Details im Juni vergangenen Jahres veröffentlicht.

          Ist der gesellschaftliche Nutzen größer als die Risiken?

          Eine echte Debatte mit den Kritikern sei weder geführt noch angestrebt worden, kritisierte der amerikanische Risikoforscher und Kommunikationsexperte Peter Sandman in der F.A.S. Laborunfälle kämen in den Biowissenschaften häufig vor; die meisten blieben geheim. Beinahe-Unfälle würden weder gemeldet noch katalogisiert und ausgewertet, um aus Fehlern zu lernen. Auch der amerikanische Molekularbiologe Richard Ebright hält es für unverantwortlich, die Experimente fortzuführen, ehe strikte und international verbindliche Richtlinien für den Umgang mit solchen Erregern in Kraft getreten sind. Als Vorbild könne das Beispiel der Pocken gelten, mit denen nur noch in zwei hochgesicherten Labors in den Vereinigten Staaten und in Russland gearbeitet werden dürfe, sagte er der F.A.S.

          Die deutsche Gesellschaft für Virologie begrüßte dagegen das Ende des Moratoriums und die weitgehende Aufhebung der Restriktionen. Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn und der gesellschaftliche Nutzen von Experimenten mit Vogelgrippeviren seien unter Einhaltung der nötigen Sicherheitsvorkehrungen größer als die möglichen Risiken, teilte sie der F.A.S. mit. Der Direktor des Bonner Instituts für Virologie Christian Drosten, Mitentdecker des vor zehn Jahren grassierenden Sars-Virus, hält die Laborsicherheit in allen westlichen Ländern und insbesondere in Deutschland für so weit entwickelt, dass keine Gefahr durch Experimente wie in Rotterdam drohe. Die Weltgesundheitsorganisation WHO müsse aber darauf drängen, dass ähnliche Standards weltweit eingehalten würden, sagte er der F.A.S.

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