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Geheimunterricht bei Apple : Was lehrt die Apple University?

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Es gibt sie wieder, die besten Dinge: Im Apple Store vor dem Hauptquartier von Apple in Cupertino, genannt „Apple Campus 2“, steht ein Modell des von Norman Foster entworfenen Gebäudes. Bild: Jens Gyarmaty

Das interne Bildungsprogramm des Konzerns aus Kalifornien ist so geheim wie das nächste iPhone. Kürzlich konnte man jedoch zwei Vorlesungen aus dem philosophischen Curriculum per Livestream verfolgen.

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          Im Büro von Steve Jobs, dem Gründer von Apple, hing ein Poster mit dem Slogan „Loose Lips Sink Ships“. Es stammte aus dem Zweiten Weltkrieg und mahnte zu absoluter Verschwiegenheit. Bis heute verfolgt der Konzern eine Politik strenger Geheimhaltung, nicht nur in Sachen künftiger Produkte, sondern auch hinsichtlich des firmeninternen Weiterbildungsprogramms, das den Namen Apple University trägt. Die Geheimniskrämerei macht neugierig und regt zur Spekulation an: Welches arkane Wissen mag bei Apple gelehrt werden? Kommen innovative Lehrmethoden zum Einsatz? Mit der Zeit sind eine Reihe von Informationen nach außen gedrungen, die sich zu einem Bild der exklusiven Lehranstalt zusammenfügen.

          Die Apple University wurde 2008 von Steve Jobs persönlich ins Leben gerufen, wie sein Biograph Walter Isaacson berichtet. Der an Krebs erkrankte Konzernchef wollte sicherstellen, dass die von ihm entwickelte Firmenkultur auch nach seinem Tod in den Unternehmensstrukturen verankert bleibt. Jobs übertrug Joel Podolny, damals Dekan der Yale School of Management, die Leitung der neuen Einrichtung, eine Aufgabe, die Podolny nach wie vor ausübt.

          Sein erster Auftrag bestand darin, Fallstudien über wichtige Entscheidungen aus der Geschichte des Unternehmens zusammenzustellen, darunter den Wechsel zu Intel-Prozessoren oder die Eröffnung firmeneigener Läden. Zudem nahm Podolny eine Reihe angesehener Wissenschaftler unter Vertrag, beispielsweise den Wirtschaftshistoriker Richard Tedlow von der Harvard Business School und den Managementtheoretiker Morten Hansen von der University of California, Berkeley.

          Picassos Stier wird bei den lithographischen Hörnern gepackt

          2014 gelang es der „New York Times“, drei anonyme Konzernmitarbeiter zur Auskunft über die Apple University zu bewegen. Wie nicht anders zu erwarten, sollen die Räumlichkeiten und Präsentationen der Einrichtung ebenso makellos gestaltet sein wie die Produkte des Konzerns. Die Teilnahme am Lehrprogramm beruhe auf Freiwilligkeit; das Lehrprogramm werde individuell auf die Angestellten zugeschnitten. So biete man Mitarbeitern aufgekaufter Start-ups Kurse zur Einführung in die Unternehmenskultur von Apple an. Zu diesem Zweck unterrichte etwa der ehemalige Pixar-Manager Randy Nelson Seminare mit Titeln wie „What Makes Apple, Apple“ und „Communicating at Apple“.

          Interessant ist nun freilich, dass die Mitarbeiterschulungen nicht nur organisatorisches Wissen vermitteln, wie es an Business Schools üblich ist, sondern ebenso und vor allem kulturelles. Die Grundidee von Jobs, dass Apple seine Produkte an der Schnittstelle von Technologie und Humanwissenschaften entwickele, findet Niederschlag im Curriculum. Beispielsweise illustriert Nelson das Designprinzip der Vereinfachung anhand einer Serie von Stierlithographien Picassos, und der Philosoph Joshua Cohen erörtert Fallstudien kultureller Exzellenz unter dem Titel „Die besten Dinge“.

          War es Cohen noch im April von seinem Arbeitgeber untersagt worden, dem Magazin „Quartz“ Auskunft über seine Arbeit zu geben, so gelang es dem Podcaster Philip Elmer-DeWitt wenige Monate später, den Philosophen zu interviewen. Zudem hielt Cohen auf Einladung der Glenn Gould Foundation in Toronto zwei öffentliche Vorlesungen aus seinem Lehrangebot, die nach Angaben des Redners exakt mit jenen übereinstimmten, die er unternehmensintern anbietet. Gegen eine Gebühr von zehn Dollar waren die Vorträge vorübergehend per Videostream allgemein zugänglich.

          Von John Rawls zu Steve Jobs

          Cohens überraschender Auftritt erlaubt bislang unbekannte Einblicke in Apples internes Bildungsprogramm. Der zuvor am MIT und in Stanford tätige Schüler von John Rawls zeichnete zunächst einmal das Bild einer ganz normalen Universität mit Seminaren, Gastvorlesungen, kleineren Forschungsprojekten und gelegentlicher Beteiligung an der Produktentwicklung. An seinen Lehrveranstaltungen nähmen durchschnittlich etwa fünfzehn Personen teil, gelegentlich spreche er aber auch vor einem Auditorium von 500 Hörern.

          Interessanter ist Cohens didaktische Methodik. Anstatt Fallstudien aus der Firmengeschichte zu analysieren, wählt er einen indirekten Ansatz, dessen Grundidee wiederum auf Steve Jobs zurückgeht. Dieser hatte seinen Angestellten in einem Interview empfohlen, sich mit den „besten Dingen“ zu beschäftigen, welche die Menschheit hervorgebracht hat, und die daraus gewonnenen Einsichten in die eigenen Produkte einzubringen. Entsprechend präsentieren Cohens Vorlesungen herausragende wissenschaftliche und kulturelle Leistungen wie die Entdeckung des Higgs-Bosons in der Elementarteilchenphysik, die zweimalige Einspielung von Bachs Goldberg-Variationen durch Glenn Gould oder die Anlegung des Central Parks in Manhattan.

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