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Anja Karliczek im Interview : „Stürzt euch in den Meinungsstreit“

Bundesminiserin Anja Karliczek Bild: obs

Wehrhafte Wissenschaft und die Lehren aus Amerika: Unter den neuen Bedingungen der Mediendemokratie können sich Forscher nicht länger aufs Informieren, Empfehlen und Vermarkten versteifen, meint Bundesministerin Anja Karliczek.

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          Die Öffentlichkeit hat in der Teil-Lockdown-Entscheidung der Exekutive noch einmal hautnah erlebt, wie zentral einerseits die Wissenschaft für die Politik ist und wie kontrovers es andererseits in ihr zugehen kann. Forschung wird dabei auch politisiert. Trotzdem gibt es noch ein Miteinander hierzulande. Anders in Washington, D.C., von wo aus die Wissenschaftsmacht Nummer eins regiert wird. Die Präsidentenwahl dort war für gebildete Amerikaner auch ein Votum darüber, wie irrational in der Politik mit Realitäten umgegangen werden darf. Vier Jahre lang war zu beobachten, wie unabhängige Wissenschaftler und auch solche in maßgeblichen Behörden von höchster politischer Stelle aus mit Erlassen und mit sozialen Medien systematisch zermürbt und wie wissenschaftlich mühsam erarbeitete, gesicherte Positionen ideologisch zerrieben werden. Einige Wissenschaftler wehren sich, indem sie selbst mehr kommunizieren. Welche Rolle spielt künftig das Wort für eine freie und erfolgreiche Wissenschaft – auch in Deutschland?

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Frau Ministerin, Wissenschaftler müssen endlich besser kommunizieren, sagen Sie schon länger. Sind kommunizierende Wissenschaftler auch das Antiserum gegen Desinformation und wissenschaftsfeindlichen Populismus, denn beides haben die Amerikaner ja keineswegs exklusiv, wie die Corona-Krise zeigt?

          Viele neue politische Entwicklungen haben wir schon in der Vergangenheit zuerst in den Vereinigten Staaten beobachten können, ehe sie sich dann auch in Europa gezeigt haben. Auch unsere Debatten leiden zunehmend unter Falschinformationen – die zum Teil ganz gezielt verbreitet werden. Aber noch haben wir eine gute Chance, dem entgegenzuwirken. Und hier erhoffe ich mir, dass gerade die Wissenschaft zunehmend ihre Stimme der Öffentlichkeit erhebt, um Falschbehauptungen den Boden zu entziehen.

          Glauben Sie, das Vertrauen der Leute in die Wissenschaft ist dafür groß genug? Dass sie die Unsicherheit auch aushalten, die es etwa in der Corona-Krise auszuhalten gilt?

          Das Vertrauen gegenüber der Wissenschaft war in letzter Zeit schon vergleichsweise hoch. Wegen der Bedeutung der Wissenschaft hätte es aber noch besser sein können. Es war immer mein Ziel, das Vertrauen der Menschen in die Wissenschaft weiter zu stärken. Vertrauen kann aber nur dann wachsen, wenn sich Wissenschaft und Wissenschaftler noch stärker der Gesellschaft zuwenden. Es war am Anfang nicht leicht, diesen Zusammenhang allen Beteiligten so deutlich zu machen. Und natürlich: Nicht jedes wissenschaftliche Thema begeistert per se ein breites Publikum. Dann kam Corona. Und mit der Pandemie kam Christian Drosten, um es einmal sehr vereinfacht auszudrücken. Er und viele seiner Kolleginnen und Kollegen haben wirklich Aufklärungsarbeit geleistet – über diese Pandemie selbst, aber auch wie Wissenschaft funktioniert. Sie haben uns allen Wissenschaft und ihre Methoden nähergebracht. Neue Umfragen zeigen uns, dass das Vertrauen in die Wissenschaft in den vergangenen Monaten stark gewachsen ist. Das hat mit der Kommunikation zu tun, die den Glauben an die Kraft der Wissenschaft gefördert hat. Viele Wissenschaftler sind für die Menschen zu einem Anker der Sicherheit in einer unsicheren Zeit geworden.

          Sie glauben also, wir haben das Problem überwunden?

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