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Konflikt um neue Regeln : Eine liberale Ethik der Suizidhilfe

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Eine moralische Messlatte für Ärzte und den eigenen Suizid? Einige Anmerkungen zur jüngsten Stellungnahme des Deutschen Ethikrats zu einem heiklen Thema.

          5 Min.

          Im Februar 2020, man erinnert sich, erklärte das Bundesverfassungsgericht eine freiverantwortliche Selbsttötung – mitsamt der Inanspruchnahme freiwillig geleisteter Durchführungshilfe – für grundrechtlich geschützt. Es geht also nicht um all die Suizide und Suizidversuche, die aufgrund psychischer Störungen geschehen oder in akuter Verzweiflung. Und es geht ausdrücklich nicht darum, dass irgendjemand zur Suizidhilfe verpflichtet sei. Man kann diese Banalitäten der Urteilsauslegung nicht oft genug wiederholen, weil sie in den öffentlichen Debatten immer wieder ignoriert werden.

          Diese Debatten waren anfangs enorm heftig. Suizidhilfe-Kritiker attestierten Karlsruhe Anmaßung und eine groteske Überhöhung des Selbstbestimmungsrechts auf Kosten von Lebensschutz, Fürsorge und Menschlichkeit. Sie beschworen Dammbrüche, Missbrauch und den Ausverkauf des ärztlichen Ethos, falls Mediziner sich zu verlässlicher Suizidassistenz herabließen. Zudem schien vielen die Entkoppelung von Suizidhilfe und schwerster Krankheit im Endstadium dem Fass endgültig den Boden auszuschlagen: Das Bundesverfassungsgerichts-Urteil befand es nämlich als unmaßgeblich, welche Umstände einen freiverantwortlichen Suizidwunsch entstehen lassen. Auch wer dem bevorstehenden Abgleiten in eine schwere Demenz zuvorkommen oder die Phase extrem belastender Hochaltrigkeit beenden möchte, kann sich auf grundrechtlichen Schutz berufen.

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