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Algen-Kultur: Video einer Begegnung : Die Zeit der Eiche ist vorbei

Algen-Gipfel in Potsdam: Forscher Otto Pulz (links) zeigt Künstler Friedrich Liechtenstein die Bioreaktoren am Institut für Getreideverarbeitung, IGV. Bild: Pein, Andreas

Algenkulturen erleben eine Blüte. Und auch ästhetisch locken sie. In Potsdam begegnen sich Kunst und Wissenschaft. Zwei Männer, eine Leidenschaft. Das Video.

          Friedrich Liechtenstein redet gerne über Algen. Egal mit welchem Gesprächsthema man ursprünglich gestartet ist, irgendwann landet man immer bei einer Algengeschichte. Dabei ist Liechtenstein weder Mikrobiologe noch Gartenteichbesitzer. Friedrich Liechtenstein ist Künstler. Genauer: Entertainer, Sänger, Schauspieler, Performer. Wieso beschäftigt sich ein Künstler mit Algen?

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          “Das ist mein Lieblingsthema, schon sehr, sehr lange ... schwierig ... Wo fängt man an?“, seufzt Liechtenstein. ,Wo fängt man an’ gibt tatsächlich eine gute Charakterisierung dessen ab, was Liechtenstein an den Algen fasziniert.

          Es ist die thematische Vielseitigkeit, die Allgegenwart der Algen in verschiedensten Lebensräumen und Kulturthemen, durch die sich nach Liechtenstein die Alge besonders auszeichnet: „Die Alge ist so groß und so mannigfaltig, sie ist in den Anfängen der Welt verwurzelt, tritt auf an den kältesten, heißesten, tiefsten und salzigsten Orten der Welt, fliegt in Winden mit und ist an Bäumen zu finden. Sie ist überall und mischt sich auch in alle Probleme unserer Zeit ein: Hunger, Energie, CO2, Klima, aber auch Wellness, Gesundheit, Trinkwasser, Werkstoffe, Nachhaltigkeit. Ich persönlich glaube, dass man dem gar nicht richtig Herr werden kann. Dass man sich einfach geschlagen geben muss. Würde ich als Künstler sagen.“

          Von Algen geschlagen? Das Problem, wenn man sich mit Liechtenstein über Algen unterhält, ist, dass man schnell zu einer Perspektiventscheidung gezwungen wird. Wenn man sich Liechtensteins Ausführungen aus unserem heutigen naturwissenschaftlich dominierten Weltbild heraus anhört, dann erscheinen Algen als ein Thema, dem man sehr wohl Herr werden kann innerhalb unserer etablierten wissenschaftlichen Disziplinen. Dann erscheint vieles von dem, was Liechtenstein erzählt, relativ unverständlich. Wenn man Liechtenstein verstehen will, dann muss man sich gedanklich darauf einlassen, Algen als ein Thema von Kunst zu sehen.

          Aber was heißt das? Was ist Kunst? Liechtenstein schaut nachdenklich: „Da gehen ja die Meinungen auseinander. Bei mir hat das mit einer Art von Transzendenz zu tun. Mit einer Erfahrung, die über dem Stoff schwebt, den man ausgewählt oder gestaltet hat, die aber von dort ausgelöst wird. Eine Erfahrung im besten Fall von Schönheit und Wahrheit, jenseits von Wissenschaft.“ Schönheit und Wahrheit, das erinnert stark an die klassischen Positionen der philosophischen Ästhetik. Und wenn man erst in diese Richtung denkt, findet man das Motiv der überwältigenden Vielfalt der Algen, die „Wo-fängt-man-jetzt-an“-Sprachlosigkeit, tatsächlich wieder in der Haupteigenschaft, die sinnlich-ästhetische Erkenntnis nach Ansicht einiger Philosophen von rational-begrifflicher abgrenzt.

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