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Studentenbewegung : Achtundsechzig – die Kehrseite der Medaille

Marx statt Goethe: Die Frankfurter Johann-Wolfgang-von-Goethe-Universität wird von der Studentenbewegung umgetauft Bild: Lutz Kleinhans

Was als demokratischer Aufbruch begann, endete in Gewalt und Denunziation: Ein Germanist erinnert sich an die dunklen Seiten der 68er-Revolte in Göttingen.

          12 Min.

          Die Studentenunruhen der sechziger Jahren haben bekanntlich weltweit ausgegriffen. Freilich hatten sie in West und Ost sehr unterschiedliche Beweggründe. Auch die 1966 von Mao Tse-tung ausgelöste, zunächst vor allem von seinen studentischen Roten Garden betriebene mörderische ,Proletarische Kulturrevolution‘ gehört ja in diesen Zusammenhang – ebenso der geradewegs in eine Gegenrichtung zielende ,Prager Frühling‘, der im August 1968 vom Militär des Warschauer Paktes niedergeschlagen wurde. An den nordamerikanischen Universitäten formierte sich diese Protestbewegung vornehmlich gegen den 1965 von den Vereinigten Staaten eröffneten Vietnamkrieg. In anderen westlichen Ländern schloss man sich dem an. Aber hier wie dort kamen politische Intentionen hinzu, die sich alsbald auch auf die Hochschulen selber bezogen.

          In der westdeutschen Bundesrepublik, besonders in Berlin und Frankfurt, richteten sich Plakatanschläge, Flugblattaktionen, Unterrichtsstörungen und gewaltsame Blockaden der Studenten auch gegen die verkrusteten Universitätsstrukturen und deren hergebrachte Ordinarienherrlichkeit. Durchaus nicht grundlos lautete die bekannte plakative Parole(die anspielt auf Hitlers vermeintlich ,Tausendjähriges Reich‘ und die nationalsozialistische Dienstbarkeit weiterhin amtierender älterer Professoren) : „Unter den Talaren / Muff von 1000 Jahren!“

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