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Ab in die Botanik : Fit durchs Blumenbeet

Bild: Illustration Charlotte Wagner

Gärtnern ist harte körperliche Arbeit - darunter leiden die Gelenke und der Rücken, besonders das Knie. Eine neue TV-Show zeigt Fitness-Übungen, mit denen man sich davor wappnen kann. Nebenbei kriegt man noch einen Einblick in die Gärten der Reichen und Schönen. Oder eher: deren private Parkanlagen.

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          An dieser Stelle muss ich bekennen: Ich besitze gar keinen Garten. Freilich hätte ich gerne einen. Ich stelle mir vor, wie ich an einem Sommermorgen über den taufeuchten Rasen schlendere, vorbei an Wildblumen, Lavendel und einem Apfelbaum auf die Rosen zu und mich mit sanftem Lächeln an ihrem Duft erfreue. Allerdings birgt die Gartenlosigkeit auch Vorteile, zumindest für meinen Meniskus und das Schultergelenk, wie ich in der Sendung „GardenFit“ lernte. Ohne Garten bleibt eben Zeit für amerikanische Realityshows über Leute, die einen haben. Wer bei Reality-TV gleich an Sex, Drugs und die Kardashians denkt, liegt falsch. „GardenFit“ läuft beim öffentlichen Sender PBS, der augenscheinlich vom Glamour-Faktor her das Äquivalent zu 3Sat ist, und vermutlich kann man die Sendung auch deswegen online kostenlos aus Deutschland schauen.

          Ein Eiffelturm nur für mich

          Johanna Kuroczik
          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Show zielt darauf, Hobbygärtner mit Fitnessübungen vor gezerrten Muskeln, Rückenschmerzen und überdehnten Bändern zu schützen. Wer häufig Büsche beschneidet, Rasen mäht oder Unkraut jätet, der kennt diese Beschwerden. Besonders leidet das Kniegelenk während der Gartenarbeit. In der Hocke gerät es enorm unter Druck, der Meniskus wird gequetscht. Die Muskeln im Oberschenkel überdehnen, was sich auf das Gleitlager der Kniescheibe auswirkt. Solche Probleme plagten auch Madeline Hooper, eine PR-Dame im Ruhestand, und Hilfe fand sie beim Fitnesstrainer und ehemaligen Soap-Star Jeff. Die fünfzig hat auch der überschritten, doch seine Muskelberge können fraglos mit denen des jungen Schwarzenegger mithalten. Gemeinsam reisen sie quer durch Amerika, um Gärten zu bestaunen und deren Besitzer „GardenFit“ zu machen. Natürlich sind dies keine gewöhnlichen Gärten, wo der Rasen gelb anläuft und der Gartenzaun einen neuen Anstrich vertragen könnte. Eher private Parkanlagen, kreiert von Gartendesignern. Jeff und Madeline spazieren durch Wüstengärten, japanische Botanikkunstwerke und auch eine Art Farm, auf der alle Gewächse akkurat zu geometrischen Formen gestutzt sind.

          In der ersten Episode begegnen wir dem ehemaligen Partyplaner Renny Reynolds (ich sage nur: Studio 54), dessen Stolz ein französisch inspirierter Garten ist. Eigentlich sind es 24 Gärten auf der Fläche von 42 Fußballfeldern, in einem steht ein haushoher Eiffelturm. Diese Dekadenz an perfekt gestylten Gemüsebeeten (oder wie Renny sie in breitem Amerikanisch nennt: „Potager“), Rosenbüschen und Springbrunnen stimmt einen als Zuschauerin zunehmend neidisch, bis dann ein Begonientopf beweist, dass Renny auch nur ein Mensch ist. Zufällig, wie das im Reality-Fernsehen üblich ist, steht der mitten im Weg, und Renny bückt sich, um ihn zur Seite zu räumen. Das ist der Einsatz für Fitnesstrainer Jeff – er zeigt Renny und den Zuschauern, wie man einen schweren Blumentopf richtig hochhebt: Man rückt nah an den Topf, stellt die Beine möglichst breit auf, geht tief in die Hocke und zieht beim Aufstehen den Topf zur Hüfte heran. Renny hat zudem Schmerzen beim Heckenschneiden. Nicht verwunderlich, da er nicht der Jüngste ist und in seinem „Garten“ augenscheinlich rund 15 Kilometer Hecke wuchern. Er hält seinen Arm beim Arbeiten schief, der Schleimbeutel im Schultergelenk wird gereizt. Davor bewahrt eine Streckübung. Jeff turnt vor: Arme hoch in die Luft, dann zur Seite.

          Ich will an dieser Stelle nicht alle von Jeffs Fitness-Geheimnissen verraten, nur noch eins: Zupft man Unkraut, sollte man sich tief hinhocken und auf einem Bein aufstützen. Diese Übung stammt schon aus der zweiten Episode, es gibt 13 Folgen. Wenn ich die alle durchgeschaut habe, bin ich zweifelsohne gewappnet, falls es dann mal was wird, mit dem eigenen Eiffelturm.

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