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Feinstaub im Sommer Heißer Asphalt schwitzt Schadstoffe

Was Asphalt im Hochsommer an organischen Verbindungen freisetzt, übertrifft in Südkalifornien bereits die Emissionen von PkWs. Auch deutsche Chemiker schlagen Alarm – weil die Bedeutung des Asphalt-Feinstaubs in der Schadensbilanz zunimmt.

Von Joachim Müller-Jung

Sonne und Hitze weichen den Asphalt auf und setzen flüchtige Substanzen frei.
© dpa
Sonne und Hitze weichen den Asphalt auf und setzen flüchtige Substanzen frei.

Bei großer Hitze kann es jeder riechen in der Stadt: Der Straßenasphalt setzt Chemikalien frei, die unserer Nase nicht verborgen bleiben. Um welche Mengen und welche Substanzen es dabei geht, war allerdings schon deshalb lange kein großes Thema, weil die Schadstoffemissionen der Fahrzeuge bei zunehmendem Straßenverkehr ohnehin überwiegen. Dieses Verhältnis könnte sich nun allerdings allmählich umkehren: Denn während die Emissionen aus Fahrzeugen und auch das Fahrzeugaufkommen in den Städten länderübergreifend – durch Luftreinhaltegesetze forciert –  langsam zurückgedrängt werden, nehmen die mit Asphalt versiegelten Flächen in den Ballungsräumen und darüber hinaus immer weiter zu. Jährlich werden weltweit mehr als 122 Millionen Tonnen Flüssigasphalt verarbeitet – und was einmal asphaltiert ist, liegt Jahrzehnte lang da und ist der Witterung ausgesetzt.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz haben nun zusammen mit amerikanischen Chemikern der Yale-Universität in New Haven die Ausdünstungen von Asphalt bei unterschiedlichen Umweltbedingungen analysiert. In der Zeitschrift „Science Advances“ haben sie die beklemmenden Ergebnisse veröffentlicht. Fazit: Die im Hochsommer immer öfter und über längere Perioden herrschenden Hitze, aber auch die Sonneneinstrahlung, setzen erheblich mehr Schadstoffe und Vorläufer-Substanzen für Feinstaub frei als gedacht.

Das aus dem erdölbasierten Bitumen-Gesteinsgemisch austretende Gemisch aus flüchtigen organischen Chemikalien, oft sind es aromatische Verbindungen, wandeln sich in der Luft zum großen Teil zu organischem Feinstaub mit Partikelgrößen von weniger als 2,5 tausendstel Millimeter um. Das ist ein für die Gesundheit als besonders problematisch angesehener Feinstaub. Sobald die Sonne direkt auf den Asphalt scheint, verstärkt allein die Strahlung das „Auschwitzen“ der Chemikalien um das Dreifache.

Die Chemiker haben dagegen keine großen Unterschiede festgestellt, wenn es um die Verwendung des Heißasphalts geht: Material das als Belag auf Dächer aufgebracht wird, unterscheidet sich nicht grundlegend von dem im Straßenbau verwendeten Baustoff. Weniger stark als auf die Bildung von Feinstaub wirkt sich das flüchtige Asphaltchemikaliengemisch auf die Bildung des gefürchteten Reizgases Ozon aus. Hier haben die auf den Straßen fahrenden Fahrzeuge die Hauptlast. Hochgerechnet auf die Region der südkalifornischen Metropole Los Angeles kommen die Wissenschaftler auf Feinstaubemissionen durch Asphalt, die bereits heute sämtliche Feinstaubemissionen aus Auto-- und Lastwagenauspuffen übertreffen.

30 bis 50 Prozent der in der Region freigesetzten gesamten Feinstaubemissionen, so die Schätzung der Wissenschaftler, stammen von überhitzten Asphaltflächen – wohlgemerkt, ausschließlich in den Tagen und Wochen mit großer Sommerhitze. Das Ungleichgewicht dürfte sich nach Auffassung der Chemiker weiter verschärfen, wenn die Temperaturen, angefacht durch die Erderwärmung, in den Städten weiter steigt und die Versiegelungsflächen weiter wie bisher zunehmen.