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Mosaic-Expedition : Im Eis driften und forschen

  • -Aktualisiert am

Sein Schicksal in die Hand der Natur zu legen, ist keine leichte Entscheidung. Die Mosaic-Expedition konnte dank dieser Entscheidung wertvolle Daten gewinnen. Bild: rbb/AWI/Esther Horvath

Warum lassen sich Wissenschaftler im Eis einfrieren? Um das Klimasystem der Arktis und damit die Erderwärmung besser zu verstehen. Ein Bericht von der Expedition Mosaic.

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          Von der einjährigen Drift des Forschungseisbrechers Polarstern durch das Nordpolarmeer ist selten die Rede ohne den Zusatz, dies sei die größte Arktis-Expedition aller Zeiten gewesen. Was stimmt. Das aber ist es nicht, was Mosaic, so der Name der Expedition, so einzigartig macht. Sondern dass zum ersten Mal Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen über ein ganzes Jahr hinweg alle Daten zusammengetragen haben, die nötig sind, um das Klimasystem der Arktis zu verstehen – was wiederum die Mechanismen bei der Erderwärmung nachvollziehbarer macht. Expeditionsleiter und Atmosphärenphysiker Markus Rex und die Meereisphysikerin Stefanie Arndt waren also – ein gutes Jahr nach dem Ende der Expedition – ziemlich richtig bei den „Breaking the Wall“-Gesprächen. Die Bekämpfung des Klimawandels als zentrale Herausforderung, das nötige Umdenken in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zog sich durch viele Veranstaltungen bei Falling Walls; ein junges Unternehmen, das biologisch abbaubare Verpackungen entwickelt, wurde als „Science Start-up“ des Jahres ausgezeichnet, und es wurde diskutiert, wie eine sozioökonomische Wende, ein „Green New Deal“, gelingen kann. Der Bericht der beiden Wissenschaftler vom Alfred-Wegener-Institut aber richtete die Aufmerksamkeit auf jene Forschung, die erst fassbar macht, welche Konsequenzen das menschliche Tun für den Planeten hat und warum es so unabdinglich ist, jetzt zu handeln.

          Petra Ahne
          Redakteurin im Feuilleton.

          Eine Mauer in der Forschung hat die Expedition insofern niedergerissen, als die Erkenntnisse über das arktische Klimasystem bislang eher Momentaufnahmen glichen. Die Fahrten ins Nordpolarmeer waren viel kürzer, und nie gab es welche im Winter, wenn das Eis undurchdringlich ist – mit einer Ausnahme: Fridtjof Jansen ließ 1893 das Holzschiff Fram im Polareis festfrieren und sich mit dem Eis weiterbewegen, so bewies er, dass es die Transpolardrift gibt. „Wir sind Nansens Idee gefolgt“, sagte Markus Rex, und in seiner Stimme hörte man Bewunderung für den kühnen Pionier der Polarforschung, der nicht wissen konnte, ob er und seine Begleiter das Abenteuer überleben würden.

          Wissen war nie wertvoller

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          Wie Nansens Mannschaft fuhr das Forscherteam der Polarstern los, als das arktische Meereis noch befahrbar war, suchte eine passende Scholle im sibirischen Teil der Arktis, an der das Schiff festfrieren sollte. Anfang Oktober stellte der Kapitän den Motor aus, ein besonderer Moment: „Von da an waren wir in der Hand der Natur“, sagte Markus Rex. „Wir wussten nicht, wo wir am nächsten Tag sein würden.“ Mit der Drift wurde die Polarstern in den folgenden Monaten in die Nähe des Nordpols getragen, eine Region, die im Winter sonst unerreichbar gewesen wäre. Es war ziemlich genau die Route, entlang der auch die Fram gedriftet ist. Sie brauchte allerdings drei Jahre dafür, was auch schon ein Hinweis auf die Klimaveränderungen in der Arktis ist: Das Eis ist jetzt dünner und damit dynamischer, die Transpolardrift hat sich beschleunigt.

          Schnee, Wasser, Eiskerne

          Die Antarktis erwärmt sich so schnell wie keine andere Region der Erde, es sind jetzt schon drei Grad, knapp zwei mehr, als der Klimawandel die Temperaturen im globalen Durchschnitt bislang hat steigen lassen. „Dennoch kann man fragen, warum wir uns für die weit entfernte Arktis interessieren sollten“, sagte Stefanie Arndt und gab auch gleich die Antwort: „Was in der Arktis passiert, bleibt nicht in der Arktis.“ Die Erwärmung in der Region beeinflusst, kurz gesagt, die globale Luftzirkulation und ist damit mitverantwortlich für extreme Wetterlagen, wie es sie in Europa, Asien oder Nordamerika zunehmend gibt.

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