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Falling-Walls-Konferenz : Rettung der Welt in maximal zehn Minuten

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Verpackungsmüll, der sich selbst kompostiert

Wäre es nicht wunderbar, wenn wir Menschen all unsere Produkte ähnlich smart verpacken könnten, wie es die Kastanienbäume mit ihren Früchten tun? Diese Frage stellte die gelernte Verfahrenstechnikerin Anne Lamp zu Beginn ihres Pitches, um darauf hinzuweisen, dass die Fruchtschalen der Kastanien nach dem Einsatz verrotten, während 40 Prozent unseres Plastikmülls schließlich die Umwelt verschmutzen. Lamp will mit ihrem Start-Up „Traceless“ natürliche Verpackungen imitieren. Dafür nutzt sie Abfälle aus der Agrarindustrie, filtert aus ihnen Polymere heraus und separiert sie, um daraus dann das pulverförmige Grundmaterial für ihre kompostierbaren Verpackungen zu gewinnen. Das Verfahren hat sie selbst während ihrer Promotion entwickelt, heute ist sie CEO und Mitgründerin von Traceless.

Die Kastanie als Verpackungskünstler: Die Fruchtschalen der Kastanien verrotten nach ihrem Einsatz, während unsere Plastikverpackungen die Umwelt verschmutzen.
Die Kastanie als Verpackungskünstler: Die Fruchtschalen der Kastanien verrotten nach ihrem Einsatz, während unsere Plastikverpackungen die Umwelt verschmutzen. : Bild: dpa

Das Potential ihres Biomaterials geht über das herkömmlicher Biokunststoffe hinaus: Es zersetzt sich selbst, wenn es in Kontakt mit Wasser und entsprechenden natürlichen Mikroben kommt. Seine Eigenschaften seien damit ähnlich wie die von Papier: Während der Nutzung sei es stabil, der Abbau setze erst unter den entsprechenden Umgebungsbedingungen ein. Geeignet ist es damit insbesondere für kurzlebige Produkte wie Verpackungen. Gleichzeitig sei die Herstellung nachhaltig, ohne schädliches Abwasser oder Chemikalien zu produzieren. Das erste Pilotwerk zur Herstellung des Materials sei bereits gebaut, in den kommendem Jahren solle die Produktion nun immer weiter vergrößert werden, bis die Firma nach 2030 der führende Hersteller von Biomaterialien werden könnte. Eine Welt ganz ohne Verpackungsmüll — das wäre tatsächlich eine gar traumhafte Entwicklung. Die Jury sah das ähnlich. (sian.)

Gehirn im Pausenmodus

Über die Lautsprecher ertönt ein Räuspern. Das ist das offizielle Zeichen für die Sprecher: Noch zehn Sekunden bleiben bis zum Ende. Wer 25 Vorträge in anderthalb Stunden durchpeitschen will, darf bei der Zeiteinteilung nicht nachsichtig sein. Jede Forscherin, jeder Forscher bekommt bei den Lab Pitches drei Minuten, um sein Projekt vorzustellen. Nach dem zehnten Vortrag fühlt man sich als Zuschauer wie in einem Kino, in dem nur Trailer laufen, aber der Film nie anfängt. Die „Brain Break“ kommt da wie gerufen. Die Pause fürs Gehirn. Oder die Gehirnpause. Erst fragt die Moderatorin die Stimmung in der Jury ab. „Inspirierend.“ „Fantastische Leute.“ „Gibt mir eine Menge Hoffnung.“ Dann folgt, oh Schreck, wieder ein Drei-Minuten-Programm: Diesmal ist das Publikum dran.

Drei Minuten Meditation. „Platziert eure Füße auf den Boden“, sagt die Moderatorin, die sogleich auf der Bühne vormacht, wie man ruhig, entspannt, symmetrisch existiert und dazu kurz einmal die Schultern kreisen lässt. „Wenn du dich traust, schließ deine Augen.“ Wer sich nicht traut, sieht schätzungsweise 120 Forscher und Gäste, angereist aus aller Welt. Sie sitzen still in den Stuhlreihen des großen Saales, während im Hintergrund die Lüftung dröhnt, während ein Spotlight-Scheinwerfer – warum auch immer – über die Köpfe hinweg wandert, während der Timer vorne unerbittlich herunterzählt, in den letzten dreißig Sekunden rot unterlegt wird, denn bald ist sie vorbei, die kleine Pause, angekündigt durch die großen Lettern auf der strahlend weißen Leinwand: YOUR SHORT BRAIN BREAK. Deine kurze Hirnpause, die Pause für dein kurzes Hirn. Dann kommt auch schon wieder das altbekannte Räuspern, „drei Minuten sind ein Universum“, sagt die Moderatorin, und weiter geht’s. (habö.)

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