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Faktencheck zu Textilboybott: Auswertung : Alternativen zu T-Shirts für 4,99

  • -Aktualisiert am

Nähen für den Sport: Fabrikarbeiterinnen in Südostasien arbeiten auch für Trikothersteller Bild: dpa

Im jüngsten „Faktencheck“ untersuchten wir mit Lesern und Experten, ob Zertifikate helfen könnten, die Situation von Textilarbeiterinnen in armen Ländern zu verbessern. Hier das Ergebnis der Live-Recherche.

          14 Min.

          Vom 29. bis zum 31. Januar haben wir auf Telepolis, FAZ.net und Freitag.de einen Faktencheck mit dem Titel „Textilboykott“ durchgeführt. Thema war vor allem, ob Zertifikate (wie FairTrade oder FairWear) helfen könnten, die Situation von Textilarbeiterinnen in Bangladesch und anderswo zu verbessern. Leser haben sich mit über 150 Kommentaren beteiligt. Zusätzlich haben drei eingeladene Experten zu der Debatte und der Recherche beigetragen. Die Kommentare wurden fortlaufend in eine Argumentkarte übertragen. Die Karte zeigt auf, wo die Meinungsfronten verlaufen, wie Ablehnung und Zustimmung den diskutierten Thesen und Vorschlägen rechtfertigt werden und wo Lücken in der Begründungskette bestehen. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen. Vorab: Thema der Debatte ist nicht ein Total-Boykott. Vielmehr geht es ein moralisches Anliegen, wie es in Fragen wie dieser zum Ausdruck kommt:
          Wie kann ich als Verbraucher verhindern, dass Teile aus Fabriken, in denen unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wird, in meinem Kleiderschrank landen?


          Wir wollten wissen: Kann man, zum Beispiel durch den Kauf von fair erzeugter Kleidung, wirklich etwas bewirken? Sind Konsumenten und Unternehmen in Deutschland moralisch in der Pflicht, „fair“ zu handeln? Wie kaum bei anderen Thema, prallen in dieser Frage die Meinungen von Experten (hier: Wirtschaftsforschern) und Laien aufeinander. Wirtschaftsforscher behaupten: „faire“ Produktion führt leicht zu kontraproduktiven Ergebnissen - so dass Arbeiterinnen in Bangladesch und anderswo in Folge des moralischen Engagements von Konsumenten hierzulande am Ende nicht besser dastehen, sondern schlechter. Ist das wirklich plausibel?


          An der Debatte beteiligt hat sich auch ein Experteam, bestehend aus:

          Dr. Gisela Burckhardt, Vorstandsvorsitzende von FemNet e.V. FemNet ist Mitglied im Trägerkreis der Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign). Das Ziel der Kampagne ist eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der weltweiten Bekleidungs- und Sportartikelindustrie. Hierzu werden Endverbraucher informiert, wird mit Unternehmen verhandelt, werden Organisationen der ArbeiterInnen unterstützt und öffentliche Kampagnen durchgeführt. 

          Dr. Ulrich Thielemann. Privatdozent an der Universität St. Gallen, Stellvertretender Beiratsvorsitzender des Ökosozialen Forums Deutschland und Direktor der Denkfabrik für Wirtschaftsethik Me’M. Das Me’M bearbeitet ökonomische Fragen unserer Zeit aus einer paradigmatisch neuartigen, ethisch-integrierten Sicht auf das Wirtschaften. Es möchte praktische Orientierungen bieten und Perspektiven eröffnen für eine Menschliche Marktwirtschaft.

          Prof. Dr. Matthias Lücke. Honorarprofessor an der Christian-Albrechts-Universität Kiel; wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich „Armutsminderung und Entwicklung“ am Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Er meint: „Die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass absolute Armut vor allem dort zurückgegangen ist, wo es Wirtschaftswachstum gab – typischerweise verbunden mit wachsenden Industriegüterexporten. Gerade neue, im internationalen Geschäft unerfahrene Firmen können sich zunächst nur durch günstige Preise den Zugang zum Exportmarkt verschaffen. Vor diesem Hintergrund wären sehr hohe soziale und ökologische Standards für die gesamte Bekleidungs-Wertschöpfungskette entweder nicht durchzusetzen oder kontraproduktiv.

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