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Faktencheck zu Organspende: das Ergebnis : Von Toten und Sterbenden

  • -Aktualisiert am

Erst der Regensburger Organskandal hat mich da nachdenken lassen. Es geht ja nicht nur darum, das einige mitleidsvolle Ärzte ihre Patienten in der Warteliste nach oben geschummelt haben. Hier wurden ja Organe regelrecht ins Ausland verschoben und dann von dem Skandalarzt Dr. Aiman O. in Amman/Jordanien in Mitglieder der saudischen Königsfamilie verpflanzt. (Christian Heine (Sertori…) , faz.net, 16.01.2013 15:28 Uhr)
Nachweise, dass ein relevanter Teil der Organspenden tatsächlich an den Listen vorbei vergeben wird, konnten keine erbracht werden. Statistiken, nach denen beispielsweise Privatpatienten als Organempfänger bevorzugt werden, erwiesen sich als wenig stichhaltig.
Die Skandale in Leipzig wurden auf der anderen Seite aber auch als Argument zu Gunsten der Organspende interpretiert:

  • Wenn genügend Spenderorgane verfügbar sind, entfällt jegliche Motivation für die Missbräuche (Organhandel, Manipulation von Empfängerlisten, Entnahme ohne sichere Todesfeststellung etc.). Die ganzen Skandale der letzten Zeit sind also keine Argumente gegen, sondern vielmehr für Organspende. Machen genügend Leute mit, trocknet man den Sumpf aus. (cooregan, TP)

Wenn es genügend Spender gibt, entfallen jegliche Reize irgendwas zu manipulieren. Der Kosten/Nutzen-Faktor ist dann einfach zu schlecht. Die Manipulationen(egal welcher Art) sind ja nur in dem Mangel begründet. (Azure_Kite, TP)
Die Antwort darauf:
leider nein. Denn dann wird um die besseren Organe (von gesunden, sporttreibenden, nichtrauchenden Menschen) geschachert. Organhandel und Listenmanipulationen werden auch weiterhin stattfinden, nur eben um höherwertige Organe. (SW, TP)
Zwischenfazit: Die Manipulation von Patientendaten nährt vor allem den Verdacht, dass Organe in großem Stil an den Wartelisten vorbei vergeben werden. Erhärten ließ sich dieser Verdacht nicht.


Die Würde des Sterbenden wird verletzt

Der letzter Block von Einwänden betrifft die Behauptung, dass die Würde von Sterbenden durch die Organentnahme verletzt wird.

(Zur Grafik hier klicken)

Ganz allgemein wird hier befürchtet, dass Angehörige sich nicht von dem Sterbenden verabschieden können, wenn Organe entnommen werden:

  • Mein Mann hatte ein Adenokarzinom der Lunge mit Metastasen im Gehirn (wo noch, ist unbekannt). Sein Herz hätte aber, wäre er jünger gewesen, verwendet werden können. Hätte ich seinen Sterbeprozess so begleiten können, wie ich es tat? Hätte ich mich so intensiv von ihm verabschieden können? Wohl kaum. Man hätte spätestens nach Einsetzen der “Kussmaul-Atmung” meinen Mann in den OP geschoben, explantiert und ich hätte da gestanden und nicht gewusst, wohin mit meinem Entsetzen. ((imon (-simon-) , faz.net, 16.01.2013 15:02 Uhr)
  • Im März 2012 meldete die WAZ, dass einem Patienten „[...] neben der Haut fast alle Knochen vom Unter- bis zum Oberkiefer, mimische Muskeln, Gesichtsgewebe sowie Blutgefäße und Nerven ersetzt [wurden]; dazu Nase, Lippen, Zähne und ein Teil der Zunge.“ (Roberto Rotondo (Rotondo), faz.net,  18.01.2013 14:49 Uhr

Darüber hinaus wird der Einwand der verletzten Würde gestützt durch die Behauptung, dass dass Sterbende, die als Organspender vorgesehen sind, eine schlechtere medizinische Versorgung erhalten als Nicht-Spender. So erhalten sie beispielsweise keine adequate Schmerzbehandlung:

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