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Faktencheck zu Organspende: das Ergebnis : Von Toten und Sterbenden

  • -Aktualisiert am
  • Das auch Organe dem kapitalistischem Prinzip unterliegen: Profit um jeden Preis. Um jeden! Wenns um Profit geht, zählt auch solcher Firlefanz wie Moral und Ethik nichts. (…) Wer glaubt eigentlich noch diesen Hirntod-Kriterien, wenn die Mediziner Euros in den Augen haben. Wer Organe nach Brieftasche verteilt, macht auch noch ganz andere Dinge. (klopot, TP)

Obwohl sich Äußerungen dieser Art als Grundstimmung durch eine Vielzahl der Beiträge in den Foren zieht, ist erstaunlich wenig Mühe darauf verwendet worden, den Verdacht auch nur in den Grundzügen im Detail zu erhärten. Die Klärung der Frage, welche der beteiligten Akteuere (Explantateure, Kliniken, die Deutsche Stiftung Organspende, Transplantateure, Krankenkassen) eigentlich welche konkreten Anreize haben und was für Optionen es praktisch gäbe, unbemerkt gegen geltende Regeln zu verstoßen, wird kaum verfolgt. Die Frage wird jedoch zumindest an einer Stelle deutlich formuliert:

  • Erklär mir bitte mal, wie das in Deutschland geht, so Organe nach Brieftasche verteilen? Und wer hat das wo gemacht? (Frührentner a.D., TP)

Teilweise beantwortet wurde hingegen die Frage, ob Diagnose-Fehler häufiger als vermutet verkommen, weil es neben der berichteten Fällen eine erhebliche Dunkelziffer gibt:

  • (…) Im Internet findet man auch nur die Fälle, die trotz festgestellten Hirntodes ÜBERLEBT haben. Wie hoch ist wohl die Dunkelziffer, wenn man bedenkt, dass Menschen entweder als Organspender auf dem OP-Tisch sterben oder die Geräte abgeschaltet werden, ohne dass die Menschen die Chance zum Überleben überhaupt noch bekamen? (Heike Braun (Honigfl…), faz.net, 16.01.2013 09:43 Uhr)

Eine Nachfrage ergab hier, dass zumindest die Praxis der Organentnahme an einer etwaigen “Dunkelziffer” vermutlich unschuldig ist. Denn: die betreffenden Patienten würden, falls sie nicht zur Organentnahme vorgesehen wären, nicht weiter beatmet werden – und wären binnen kürzester Zeit ein Fall für die Leichenhalle. Nicht herangehogen (da hinter der Bezahlschranke befindlich) wurden Untersuchungen zu Todesursachen von Organspendern in Deutschland, die möglicherweise Aufschluss zu den Überlebenschancen der Spender geben könnten.

Die Skandale in Leipzig und anderswo: Ein Argument contra Organspende?

Die Tatsache, dass in Leipzig und anderswo Patientendaten gefälscht und somit den Betroffenen ein besser Platz auf der Warteliste für Organspenden verschafft wurde, nährt den Verdacht, dass Spendenorgane generell nicht gerecht verteilt werden:

  • von der “gerechten” Verteilung der Organe nach tatsächlicher Bedürftigkeit kann die Organmafia denen erzählen, die auch an den Weihnachtsmann am Nordpol glauben. Die glauben dann nämlich auch daran, dass z.B. ein Abramowitsch oder einer der reichsten 1% in Deutschland auf die lange Warteliste käme, wenn er denn eine neue Leber bräuchte. (Christian Hammerl (wrtlx), faz.net., 16.01.2013 11:32 Uhr)

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