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Faktencheck zu Organspende: das Ergebnis : Von Toten und Sterbenden

  • -Aktualisiert am

Hier ist nicht umstritten, dass eine Diagnose auf Hirntot gestellt wurde, und auch nicht, dass die besagten Patienten tatsächlich wieder aus ihrem Zustand erwacht sind. Es stellen sich aber Fragen hinsichtlich von Diagnose-Kriterien und Diagnose-Verfahren.
Ferner geht es um die Frage, ob vermeintlich Hirntote nicht doch Reste von Bewusstsein haben können. Hier wurde im Forum ein als Beleg eingebrachter Hinweis auf eine Veröffentlichung im New England Journal zurückgewiesen, weil die betreffende Untersuchung nicht Hirntote zum Gegenstand hatte, sondern Koma-Patienten. Zu Stützung der Vermutung, dass Bewussstein möglicherweise nicht nur an das Gehirn gekoppelt ist, konnten keine schlussendlich überzeugenden Beweise erbracht werden.
Weitgehend unbeantwortet blieb die Frage, ob eine Ausweitung des Kriterien-Kataloges helfen könnte, die Hirntod-Diagnose verlässlicher zu machen. Einzig der in die Diskussion eingbrachte Vorschlag der Durchführung eines EEG wurde aufgegriffen und als ungeeignet zurückgewiesen:
Selbst mit einem – nicht vorgeschriebenen – EEG werden nur Teilbereiche des Gehirns erfasst. Auch bei den anderen Untersuchungen konnte ich in der Fachliteratur keine 100%ige Sicherheit finden. Heike Braun (Honigfl…), faz.net., 16.01.2013 09:43 Uhr)
So ist z.B. ein EEG bei uns nicht vorgeschrieben, aber es würde die Diagnostik auch nur unwesentlich erweitern, da es nur bis zu 3mm unter die Schädeldecke reicht, also tiefere Regionen des Gehirns gar nicht erreicht. (Renate Simon (-simon-) , faz.net., 17.01.2013 17:06 Uhr
Zwischenfazit: Offenbar handelt es sich bei Hirntoten tatsächlich nicht um das, was man umgangssprachlich als “Leichen” bezeichnet. Leichen haben kein Fieber und können keine Kinder austragen.  Welche Schlüsse man aus dieser Beobachtung zieht, ist jedoch keine wissenschaftliche, sondern eine ethische Frage. Entsprechend groß ist hier der Raum für Kontroversen. Gleiches gilt für Dispute zum Thema “Bewusstsein”: Auch dieses Phänomen entzieht sich dem direkten naturwissenschaftlichen Zugriff. Die Skepsis, ob Hirntote nicht doch über Bewusstsein verfügen, wird sich nicht letztendlich klären lassen. Selbst aber, wenn sich diese Frage klären ließe, würde dies kaum einen Unterschied machen: In diesem Fall würde der Disput sich lediglich verlagern auf die ethische Frage, ob Patienten, die über ein wie auch immer zu charakterisierbares (Rest)Bewusstsein verfügen, zur Organspende vorgesehen werden dürfen.




Diagnose-Fehler

Etwas bodenständiger als die Hirntod-Debatte ist eine andere Art von Skepsis: Gegeben, dass die Hirntod-Kriterien als solche akzeptabel sind: Werden diese Kriterien in der Praxis dann auch sachgerecht diagnostiziert?

(Zur Grafik hier klicken)

Basis für diesen Diskussionblock ist vor allem eine TV-Reportage der Journalistin Silvia Matthies, die Ende November 2012 im Rahmen der Sendung Report München ausgestrahlt wurde. Die Reportage schildert sowohl Einzelfälle wie auch systematische Schwachpunkte in der Diagnosepraxis. In der Forendiskussion spielt vor allem die Befürchtung eine wichtige Rolle, dass Ärzte aus Eigeninteresse oder aus professionellem Interesse dazu neigen könnten, Patienten vorschnell als “hirntot” zu erklären und somit die Organentnahme einzuleiten. Als Gründe für diesen Generalverdacht wird auf die jüngsten Korruptionsskandale verwiesen sowie auf die Tatsache, dass der Medizinbetrieb insgesamt ‘kommerzialisiert’ ist:

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