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Faktencheck zu Organspende: das Ergebnis : Von Toten und Sterbenden

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Zwischenfazit: Es gibt gute und in der Diskussion bislang nicht entkräftete Gründe, der Hirntod-Definition ihren Status als wissenschaftlich-objektive Gegegenheit abzusprechen. Folgt man diesen Gründen, ist in der Sache immer noch alles offen. Es verschiebt sich jedoch die Beweislage. Wenn man davon ausgeht, dass die Frage, wann ein Mensch tot ist, nicht wissenschaftlich beantwortet werden kann, dann verfügen Wissenschaftler (also Experten) auch nicht über einen privilegierten Standpunkt, um zu beurteilen, welcher Zustand als “tot” gelten soll und zu welchem Zeitpunkt es legitim ist, bei Sterbenden Organe zu entnehmen. Somit verändert sich auch die zentrale Frage. Statt um die (mit wissenschaftlicher Expertise) zu beantwortenden Frage, wie tot Hirntote sind, geht es nunmehr um die Frage, ob es ethisch verantwortbar ist, Sterbende (deren Zustand sich nicht eindeutig charakterisieren lässt) zum Zwecke der Organentnahme zu töten.

Hirntote sind keine Leichen!

Der Strang “Hirntote sind keine Leichen” geht noch einmal einen Schritt zurück und greift die Frage, wie tot Hirntote sind (also: in welchem Zustand sich die zur Organspende vorgesehenen Sterbenden befinden), im Detail auf:


In der Grafik hier geht es einmal um die Interpretation von Tatsachen, die als solche nicht umstritten sind. “Hirntote” zum Beispiel können Fieber haben, ihre Haare und Nägel wachsen noch, und es hat sogar Fälle gegeben, wo hirntote Frauen ein Kind ausgetragen haben (Details: siehe interaktive Argumentkarte mit den zusammengeführten Kommentare). Umstritten ist lediglich, ob die genannten Tatsachen ein Grund sind, Hirntote nicht als “tot” zu bezeichnen.

  • Ein weiteres Element: Fallgeschichten von Patienten, die als “hirntod” diagnostiziert wurden, aber wieder ins Leben zurückgekehrt sind.
  • Ich möchte auf eine Stellungnahme zum Thema Hirntod von Jan Kerkhoffs aufmerksam machen. Er wurde nach eigenen Angaben am 18. August 1992 für hirntot erklärt, hat jedoch überlebt.Quelle:Deutscher Bundestag–Ausschuß für Gesundheit. Bonn, 05. Juli 1995. Drucksache 13 /152,Seite 4. Oder unter: http://… (Roberto Rotondo, TP)

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