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Faktencheck zu Organspende: das Ergebnis : Von Toten und Sterbenden

  • -Aktualisiert am
  • (…) dass der Hirntod-Begriff 1968 kurz nach der ersten Herztransplantation (1967) vorgeschlagen wurde und dass zur Begründung dieser neuen Todes-Definition von der Harvard-Kommission an zweiter Stelle genannt wurde: “Überholte Kriterien für die Definition des Todes können zu Kontroversen bei der Beschaffung von Organen zur Transplantation führen”. Dieses Interesse von Transplantationsmedizinern an der Einführung eines neuen Todes-Begriffs empfand der Philosoph Hans Jonas schon damals als eine “Kontaminierung” eines scheinbar naturwissenschaftlich begründeten neuen Begriffs.” (Barbara Koch-Mäckler (Herbstf…), faz.net, 16.01.2013 10:50 Uhr)
  • Hirntod-Definition – ein Grund, die Spende zu verweigern? Ja. Denn nicht nur die damalige Definition hat ein Geschmäckle. Das Geschmäckle wird unschöner, wenn man sich die vielen unterschiedlichen Todesdefinitionen anschaut wie die Non heart-beating Donors, bei denen es mittlerweile darum geht, wieviele Minuten nach einem Herzstillstand explantiert werden kann: Wenn Sie im Internet recherchieren, werden Sie auch auf Angaben in Sekunden stoßen. Das bedeutet, die neueren Definitionen des Todes sind willkürlich und Interessenlagen geschuldet, nicht selten ökonomischen Interessen. Transplantationen sind für Kliniken ein einträgliches Geschäft, und für die Pharmaindustrie ebenfalls, muss der Organempfänger doch lebenslang Medikamente zu sich nehmen, die eine Abstoßung des verpflanzten Organs verhindern sollen (diese Abwehrreaktion des Körpers gibt zumindest mir zu denken). Ich bin mir sehr sicher, dass in absehbarer Zeit die Definition des Todes wieder verändert wird. (Rita Krüger (RitaKru…), faz.net., 16.01.2013 12:12 Uhr)

Allerdings ist die Diskussion mit dem Verweis auf die Einbettung der Hirntod-Definition in pragmatische Interessenskonstellationen nicht an einem Endpunkt angelangt. Einseits ist es nämlich immer noch möglich – Interessen hin oder her – dass letztendlich gute Argumente dafür sprechen, den Hirntod als Tod anzuerkennen:

  • Ich finde die Definition sinnvoll, weil unser Verstand, unser Character, alles was das “Ich” ausmacht, ganz offensichtlich im Gehirn sitzt. Der Rest hat nur mehr oder weniger mechanische Aufgaben. Herz: Pumpe, Niere: Filter, Leber: Chemielabor usw. (Lochkarte auf TP).


Zum anderen: Möglicherweise braucht es den Hirntod gar nicht, um die Organentnahme ethisch zu rechtfertigen. In der bioethischen Diskussion gibt es auch die Position, dass es besser ist, einzugestehen, dass es sich bei den Organspenden um Sterbende handelt – und dass diese, kurz vor ihrem natürlichen Ableben, zum Zwecke der Organentnahme ethisch legitim getötet werden dürfen. (Interessanter Weise wurde dieser Vorschlag im Forum jedoch nicht als Option diskutiert. Vielmehr wurde der Vorschlag zitiert, um darauf hinzuweisen, zu welchen moralisch skandalösen Schritten Organspende-Befürworter bereit sind.)

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