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Faktencheck: Praenatest (1) : Welche Regeln für nicht-invasive vorgeburtliche Gentests?

  • -Aktualisiert am

Blutproben von Schwangeren genügen für den Praenatest. Bild: dapd

Der Ethikrat hat sich zur Zukunft von Gentests geäußert ? Was ist die Faktenbasis der unterschiedlichen Punkte? Wie geht die Debatte weiter? Recherchieren Sie mit im Faktencheck.

          5 Min.

          Seit vergangenem August ist der „PraenaTest“ in Deutschland auf dem Markt: Ein Blut-Gentest, mit dem sich mit hoher Wahrscheinlichkeit diagnostizieren lässt, ob bei einem Fetus die Chromosomen-Anomalie Trisomie 21 vorliegt. Kritiker wie Befürworter des Tests sprachen bereits im vergangenen Jahr von einer „neuen Ära der Pränatalmedizin“. Nun zeichnet sich ab, dass mit Hilfe des gleichen Testverfahrens zunehmend auch andere Chromosomen-Abweichungen sowie Krankheiten erkennen lassen. Viele der bisherigen Vereinbarungen und gesetzlichen Regelungen zum Thema vorgeburtliche Untersuchung und Gendiagnostik stehen damit zur Disposition. Am vergangenen Dienstag hat der Deutsche Ethikrat seine lange angekündigte Stellungnahme „Die Zukunft der genetischen Diagnostik“ vorgestellt. Wir nehmen mit diesem Faktencheck die Stellungnahme des Ethikrates unter die Lupe und gehen den Vorschlägen nach, die in Hinblick auf den weiteren Umgang mit nicht-invasiven vorgeburtlichen Genscreenings im Raum stehen.


          Ein paar Tropfen Blut


          Keine Fruchtwasseruntersuchung. Ein paar Tropfen Blut reichen aus, um via Gen-Screening schon vor der zwölften Schwangerschaftswoche, (wo eine Abtreibung noch geltendem Recht noch sehr leicht möglich ist)  mit hoher Wahrscheinlichkeit bestimmen zu können, ob bei einem Fötus die Trisomie 21 vorliegt – ein Down-Syndrom also, mehr oder weniger stark ausgeprägt. Neu an dem Verfahren: Man machte es sich zunutze, dass der Fötus sozusagen seine genetischen Spuren im Blut der Mutter hinterlässt. Fragmente fetaler DNA werden aus dem mütterlichen Blut herausgefiltert.


          Bislang steht der Praena-Test ausschließlich so genannten Risiko-Schwangeren zur Verfügung. Das sind in Deutschland per Definition mittlerweile mehr als zwei Drittel aller Schwangeren. Die Kosten für das Screening um die 1.300 Euro (Test + ärztliche Beratung) müssen Eltern bislang aus eigener Tasche bezahlen. Damit erkaufen sie sich, im Vergleich zu einer Fruchtwasseruntersuchung, nicht nur eine frühere Diagnose sondern auch weniger Nebenwirkungen:  Bei Fruchtwasseruntersuchungen kommt es in ungefähr 0,5 bis 1  Prozent aller Fälle zu Fehlgeburten. So oder so ist davon auszugehen, dass etwa 90 Prozent aller Schwangeren, die eine Diagnose auf Trisomie 21 erhalten, sich für eine Abtreibung entscheiden.

          • Detail: Die Zahl 90 Prozent bezieht sich auf Frauen, die bereits von einem hohen Risiko für Trisomie 21 wissen und dann tatsächlich eine entsprechende Diagnose mitgeteilt bekommen. Unter werdende Eltern insgesamt geben bei Befragjungen nur 20 bis 30 Prozent an, im Fall einer Trisomie 21 die Schwangerschaft beenden zu wollen. Unter Frauen mit einem hohen Risiko für Trisomie 21, aber ohne Diagnose, geben 45 bis 85 Prozent an, die Schwangerschaft im Fall des Falles beenden zu wollen (Choi et al. 2012).

          Dieser erste Teil des Faktencheck Praena-Test befasst sich nun allem mit der Frage, ob das neue Diagnoseverfahren künftig von den Krankenkassen finanziert werden sollte. Die weiteren Folgen werden sich damit auseinandersetzen, ob die Einführung und weitere Verbreitung des Praena-Tests es erforderlich machen, dass über den jetzigen Paragraphen 218 hinaus Maßnahmen zum Schutz des ungeborenen Lebens getroffen werden. Und es wird um die Frage gehen, welche Entwicklungen in naher Zukunft auf dem Gebiet der vorgeburtlichen Gendiagnostik zu erwarten sind.

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