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Faktencheck Praena-Test: Auswertung(2) : Mehr Schutz für ungeborenes Leben?

  • -Aktualisiert am

Blutproben von Schwangeren genügen für den Praenatest. Bild: dapd

Die Diskussion um den „schonenden“ Blutschwangerschaftstest geht weiter. Sollte die Verwendung via Gesetz eingeschränkt werden, um allzu leichtfertige Abbrüche zu verhindern?

          8 Min.

          Der im vergangenen Jahr in Deutschland eingeführte „Praena-Test“ ermöglicht es, bereits in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft via Blut-Gentest das Risiko einer Trisomie 21 und anderer Chromosomen-Defekte zu bestimmen. Sollte die Verwendung des Tests via Gesetz eingeschränkt werden, um allzu leichtfertige Schwangerschaftsabbrüche zu verhindern? Wir führen, begleitend zur Stellungnahme des Ethikrates, eine Open Expertise zum Thema durch. Was sind die Argumente? Was ist Meinung von Selbsthilfeorganisationen und Nicht-Experten?


          Im ersten Teil  des Faktencheck Praena-Test ging es um die Frage, ob moralische Bedenken insbesondere hinsichtlich der Diskriminierung Behinderter die Forderung untermauern können, dass die Finanzierung des Praena-Tests nicht durch die öffentliche Hand (konkret: die gesetzlichen Krankenkassen) erfolgen soll. Hier Mitglieder des Ethikrates hatten diese Forderung in einem Sondervotum zu der vor kurzem veröffentlichten Stellungnahme „Die Zukunft der genetischen Diagnostik“ vorgebracht. Hier der Link zu den Ergebnissen des Faktenchecks – einmal in zusammengefasster Form, dann als Rohdaten.


          Dieser zweite Teil befasst sich mit der Frage, ob es angesichts der Möglichkeiten, die sich mit dem Praena-Test eröffnen, nötig sein wird, neue Maßnahmen zum Schutz des ungeborenen Lebens zu treffen. Diese Forderung (nach einem „über die Pflichtberatung nach §218a Abs. 1“ hinausgehenden „Schutzkonzept“) wird dem Gesetzgeber vom Ethikrat in seiner jüngsten Stellungnahme ausdrücklich nahe gelegt.
          Wir nehmen im Folgenden die Argumente für und gegen die Forderung nach einem solchen „Schutzkonzept“ auseinander. In der Diskussion geht es vor allem darum,

           

          • ob eine „informierte Entscheidung“ in Kenntnis der eigenen Risiko-Situation wirklich hilfreich ist
          • ob die bisherige Praxis im Umgang mit vorgeburtlicher Diagnostik als Messlatte zur Beurteilung möglicher Schieflagen taugt, die durch den Praena-Test hervorgerufen werden könnten
          • ob die zukünftige Verfahren zur Risiko-Bestimmung gesellschaftliche Fehlentwicklungen befürchten lassen

          Achtzehn dafür, acht dagegen

          Ein neues „Schutzkonzept“: Achtzehn der insgesamt 26 Mitglieder der Ethikrates halten dies für notwendig. Acht Mitglieder, darunter der Hamburger Jurist Reinhard Merkel und der Medizinethiker Jochen Taupitz, sprechen sich dagegen aus.
          Die umstrittene Forderung nimmt ausdrücklich Bezug auf den Paragraphen 218. Hier wird im Strafgesetzbuch der Schwangerschaftsabbruch geregelt. Möglicherweise entsteht durch diese direkte Bezugnahme der Eindruck, es solle mit der Forderung nach einem „Schutzkonzept“ der mühsam erreichte gesellschaftliche Kompromiss aufgekündigt werden, den der § 218 in seiner jetzigen Form darstellt. Zielführender wäre es vielleicht gewesen, wenn die Befürworter eines Schutzkonzeptes nicht den Schwangerschaftsabbruch ins Auge gefasst hätten, sondern die Beratungspflicht vor der Durchführung vorgeburtlicher Untersuchungen. Diese wird jedoch nicht im Strafgesetzbuch geregelt, sondern im Gendiagnostik-Gesetz. Die Konkretisierung der Beratungspflichten erfolgt der Richtlinie der Gendiagnostik-Kommission.
          Wie die weiteren Ausführungen zeigen, hängt von den Details der Beratung vor einer vorgeburtlichen genetischen Untersuchung vieles ab. Indem der Ethikrat das Thema „Schutzkonzept“ auf so blasse Weise wie irgend möglich aufs Tapet bringt und dabei auch noch ausschließlich auf das Thema Schwangerschaftsabbruch fokussiert, werden hier die vielleicht zentralen Fragen so gut wie überhaupt nicht beachtet. Doch der Reihe nach.

          Das Argument der Gegner


          Wir beginnen mit der Position der Gegner eines „Schutzkonzepts“. Hier ist das Argument:

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