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Faktencheck: Leser recherchieren mit : Bienensterben: Sollten Insektizide verboten werden?

  • -Aktualisiert am

Landwirtschaft geht nicht ohne sie: Eine Honigbiene beim Sammeln von Nektar und Pollen. Bild: dpa

Sind Insektizide - Neonicotinoide -mitverantwortlich fürs Bienensterben? Europas Lebensmittelbehörde meinte: ja. Die EU-Experten wollten dennoch kein Verbot.

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          Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide stehen bereits seit längerem in Verdacht, mit verantwortlich zu sein für das seit einigen Jahren zu beobachtende Bienensterben. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat nun in einem im Januar veröffentlichen Gutachten ausdrücklich vor den Risiken gewarnt, die für Bienen durch den Einsatz von Neonicotinoiden entstehen. Entgegen dieser Warnung haben die Experten der EU sich auf einem Treffen, welches am 15. März in Brüssel stattfand, nicht auf ein Verbot von Neonicotinoiden einigen können. Ist diese Zurückhaltung gerechtfertigt?

          Die Abstimmung in Brüssel

          Insbesondere Deutschland hat sich, neben Österreich und Großbritannien, einer Stimme gegen ein europaweites Verbot von Neonicotinoiden enthalten. Der Kommentar dazu aus dem Ministerium:


          „Der Vorschlag der EU-Kommission hätte zur Folge gehabt, dass in Deutschland bereits bestehende Teil-Verbote von Neonicotinoiden wieder aufgeweicht würden“.
          Nach Ansicht der Imkerverbände ist die Information aus dem Ministerium von Ilse Aigner jedoch irreführend: In Deutschland bereits geltende Anwendungsbeschränkungen könnten auf jeden Fall aufrechterhalten werden. Darüber hinaus stelle der am 15. März in Brüssel diskutierte Vorschlag „einen Meilenstein für den Bienenschutz“ dar - und die Stimmen-Enthaltung der Bundesregierung sei nur zur erklären dadurch, dass das
          Landwirtschaftsministerium „in den Hinterzimmern zusammen mit der Agrarindustrie Mehrheiten gegen der Vorschlag der Kommission“ organisiert hat.


          Auch der Neonicotinoid-Hersteller Syngenta sieht in der geplanten Verordnung keine „Aufweichung“ bestehender Verbote. Im Gegenteil: Der Hersteller betont – im Gegensatz zu Landwirtschaftsministerin Aigner – dass das neue Verbot zu einer stärkeren Nutzungseinschränkung geführt hätte:
          Wir freuen uns, dass die EU-Mitgliedsstaaten den in beschämendem Maß politisch motivierten Vorschlag der Europäischen Kommission nicht unterstützt haben. Eine Nutzungseinschränkung für diese wichtige Pflanzenschutztechnologie würde keinen positiven Beitrag zur Bienengesundheit leisten. (Pressemitteilung Syngenta vom 15.03.2013)


          So oder so: Der politische Prozess ist weiterhin offen. Wichtiger als die juristische Frage nach der Interpretation der in Brüssel gekippten Verordnung ist dabei die sachliche Dimension: Wie gefährlich sind Neonicotinoide wirklich? Neonicotinoid-Hersteller Bayer CropScience erklärt dazu in einer Pressemitteilung  vom 15. März:
          „Das Fehlen einer Mehrheit ist eine klare Bestätigung dafür, dass keine überzeugenden Argumente gegen den weiteren Einsatz von Produkten auf Basis von Neonikotinoiden vorliegen.“
          Hier steigen wir mit unserem Faktencheck ein. Welche Beweise liegen wirklich vor, was die Risiken des Einsatzes von Neo-Nicotinoiden betrifft? Was spricht für, was gegen ein Verbot?


          Wie immer, haben wir die Fakten und Argumenten auf einer Wissenskarte zusammen getragen.



          Hier der Link zur Karte!


          Fazit


          Hutwechsel: Bei der Zusammenstellung der Karte hatten wir den Moderatoren-Hut auf. Wir waren wir bemüht, die in der Diskussion befindlichen Argumente möglichst vollständig darzustellen, ohne dabei zugleich zu bewerten, wie sehr uns die ins Spiel gebrachten Behauptungen überzeugen. Jetzt, wo es ums Fazit geht, agieren wir unter dem Kommentatoren-Hut und legen dar, welches persönliche Fazit wir aus den zusammengestellten Argumenten ziehen.

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