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Europas genetische Wurzeln : Volk der Inselhüpfer

Rhodos: Wichtige Zwischenstation in der Jungsteinzeit Bild: picture alliance / zb

Unsere jungsteinzeitlichen Vorfahren eroberten Europa offenbar nicht über den Landweg, sie wählten den Weg über die Mittelmeerinseln. Das verraten die Gene. Das Insel-Hopping brachte den Auswanderern einige Vorteile.

          Kreta, Rhodos, Kos – unsere Wurzeln als Europäer dürften mit den griechischen Inseln stärker verbunden sein als bislang vermutet. Genau genommen könnten die östlichen Mittelmeerinseln sogar das Sprungbrett für die schnelle Besiedlung des Kontinents durch jene jungsteinzeitlichen Siedler gewesen sein, die uns die modernen Methoden der Landwirtschaft und die Sprache gebracht haben.  Eine neue genetische Untersuchung und die Netzwerkanalyse der genetischen Daten von 32 europäischen Subpopulationen von Nordafrika bis nach Skandinavien legen jedenfalls nahe: Europa wurde in einer der letzten großen prähistorischen Kolonisierungswellen aus dem Nahe Osten vor rund 9000 Jahren nicht über eine der möglichen Landrouten via Anatolien und den Balkan, sondern quasi durch Insel-Hopping entlang der südeuropäischen Küsten in der Ägäis erobert.  Von da aus ging es via Seeroute anschließend direkt weiter nach Sizilien und Süditalien.

          Kos und die Nachbarn: das Sprungbrett für Europas Urvölker
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.


          In Europa angekommen, vermischten sich die Jungsteinzeitbauern mit den seit Jahrtausenden in Europa heimischen altsteinzeitlichen Populationen. Wie groß der genetische Anteil der moderneren Siedler am europäischen Genpool ist, bleibt umstritten. Das griechisch-amerikanische Forscherteam um Peristera Paschou aus Alexandroupolis berichtet in den „Proceedings“ der amerikansichen Nationalen Akademie der Wissenschaften von 20 bis 70 Prozent – je näher an der Mittelmeerküste, desto größer der Anteil der jüngeren Population. Einigermaßen sicher scheint durch die neuen Analysen, dass die Ausbreitung der Kultur und Gene durch die Steinzeitfarmer deutlich schneller vor sich ging als die früher veranschlagten 0,6 bis 1 Kilometer jährlich. Auch das dürfte ein Ergebnis des Insel-Hoppings in der Ägäis gewesen sein. „Die südöstlichen Mittelmeerinseln waren eine Art Brücke zwischen Anatolien und Südeuropa“, schreiben die Autoren, allerdings war das Mittelmeer gleichzeitig auch eine Barriere nach Süden: Eine genetische Nähe zu den nordafrikanischen Völkern ist heute jedenfalls nicht mehr zu erkennen.

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