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Krankheiten breiten sich aus : Europas Akademien warnen vor Klimaveränderungen

Trockenheit und Dürren bedrohen immer öfter die Nahrungsversorgung. Bild: dpa

Klimawandel macht uns kränker. Das stellen Europas Akademien in einem neuen Bericht fest, und rufen insbesondere Brüssel auf, im Verkehr, der Industrie und Konsum gegen zu steuern.

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          Das Erreichen der Klimaziele als „neuen Imperativ“ für die Sicherheits- und Außenpolitik: Mit diesen Worten hat am heutigen Dienstag Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) die Berliner Klima- und Sicherheitskonferenz  im Beisein des früheren amerikanischen Außenministers John Kerry eröffnet, und das sind, fast gleichlautend, auch die Worte der europäischen Wissenschaftsakademien. In einem mehr als fünfzigseitigen Bericht haben die 27 nationalen Gelehrtenakademien zu den Gesundheitsfolgen des globalen Klimawandels Stellung bezogen. Ihr Papier ist eine Warnung an Politik und Unternehmer: „Die vorliegenden Belege zeigen, dass der Klimawandel die Gesundheit vieler Menschen schon heute beeinträchtigt, und diese Risiken werden mit dem Klimawandel noch weiter zunehmen.“

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Derzeit steuere die Welt auf eine mittlere Erwärmung von mehr als drei Grad Celsius zu, wobei das Leben auf den Kontinenten unmittelbar noch stärker beeinträchtigt werde als in den Ozeanen, die sich etwas langsamer aufheizen. Die größten Gesundheitsrisiken gingen aus von einem Anstieg der Extremwettereignisse – Überflutungen, Dürren – sowie der Luftverschmutzung und der Ausbreitung von Allergenen. Außerdem sei die Nahrungsmittelproduktion bedroht, Krankheitserreger breiteten sich aus und so wachse auch der Druck für viele Menschen, aus ihrer Heimat zu flüchten.

          Außenminister Heiko Maas (SPD) spricht auf der Berliner Klima- und Sicherheitskonferenz.

          Indem sich die Gesellschaften zum Aufbau einer „Null-Emissions-Ökonomie“ entschlössen, könnten allein in Europa „mehrere hunderttausend vorzeitige Todesfälle verhindert werden“, weil die Luft sehr viel sauberer würde. Derzeit würden 350.000 Menschen jährlich vorzeitig an den Folgen chronischer Luftverschmutzung durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe sterben, sieben Millionen Babys in der Union leben in Gegenden, die mit Luftschadstoffmengen oberhalb der Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation belastet seien. 

          Die 27 im Akademieverbund EASAC zusammengeschlossenen nationalen Akademien halten auch die Ernährung für eine wichtige Stellschraube der europäischen Politik. Ein Wandel des Lebensstils – weniger Fleischkonsum, mehr Obst und nachhaltig produzierte gesunde Lebensmittel – könnten die europäischen Treibhausgasemissionen um bis zu 40 Prozent senken. Dabei sei man allerdings darauf angewiesen, dass die gesamten Liefer- und Handelsketten mit anderen Ländern nachhaltig gestaltet werden müssten: eine „klima-smarte Nahrungsmittelversorgung“ ist die Vision der Akademien.

          Was die Ausbreitung von Krankheitserregern betrifft, sei mit neuen Gefahren in Europa zu rechnen. Die berüchtigte Blauzungenkrankheit bei Rindern wird als Menetekel aufgeführt. Stechmücken, die auch für den Menschen gefährliche Krankheitserreger wie das Dengue-Virus übertragen, seien auf dem Kontinent praktisch schon auf dem Vormarsch. Auch Durchfallerkrankungen, Noroviren und die Verunreinigung von Lebensmitteln mit Salmollenerregern werden als konkrete Gesundheitsrisiken genannt. Europa müsse sich dafür mit dem Aus- und Aufbau von Monitoringsystemen  wappnen. Die Eindämmung des Klimawandels habe „top Priorität“, doch es gehe angesichts der bereits sichtbaren Veränderungen um mehr: „Die EU muss mehr tun, damit die Folgen des Klimawandels für die Gesundheit der Bürger mehr beachtet wird, und die Gesundheitspolitik mit anderen politischen Prioritäten verknüpft wird.“

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