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„Escape“-Tourismus : Eine Insel – ganz für mich allein!

  • -Aktualisiert am

Rhodos könnte so schön sein ohne Touristen: Man könnte in einer einsamen Bucht vor Anker gehen oder die Akropolis von Lindos ganz alleine besichtigen. Bild: Picture Alliance

Im Urlaub will man nicht nur dem Alltag entkommen – sondern möglichst auch allen anderen Touristen. Nur: Wie ist dieser Wunsch zu erfüllen? Eine soziologische Betrachtung.

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          Mit jedem Ferienbeginn wiederholen sich – in diesem Jahr noch einmal verschärft – an Flughäfen, Bahnhöfen und auf den Autobahnen Szenen, die an die Berichterstattung aus Krisenregionen erinnern: Zu viele versuchen gleichzeitig, auf dementsprechend verstopften Wegen aus dem Land zu gelangen. Obwohl die Urlauber ihr Zuhause nur temporär und freiwillig verlassen möchten, hat es oft den Anschein, sie wären auf der Flucht. Im Gegensatz zu tatsächlich Flüchtenden ist die Dringlichkeit ihres Aufbruchs nicht den Zuständen am Herkunftsort geschuldet, sondern den Verheißungen am Reiseziel und der knappen Zeit. Im Urlaub entkommt man keiner Bedrohung, sondern bestenfalls der Alltagsroutine.

          Die räumliche Distanz zur Heimat ist der Hebel, um sich von sozialen Rollenpflichten und damit von einem als fremdbestimmt empfundenen Teil der eigenen Identität zeitweise zu befreien. Diese Idee ist ein Erbe der Romantik: Sie hatte die individuelle Freiheit, die in der entstehenden Arbeitswelt der Industriegesellschaft nicht mehr realisierbar schien, entrückt in die „Fernen der Imagination“ (Hans Magnus Enzensberger). Der Tourismus versprach, diese Vorstellung in die Wirklichkeit zurückzuholen, indem er den Genuss einer zivilisationsfernen Natur und die Begegnung mit authentischer Geschichte in Aussicht stellte. Die „Entfremdung“ des modernen Berufslebens lieferte die Folie, von der sich der Urlaub abheben konnte.

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