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Globale Erwärmung : Bloß keine Panik – auch nicht beim Klima

  • -Aktualisiert am

Buschfeuer in Australien: Die Menschheit wird sich mit solchen Ereignissen zunehmend arrangieren müssen. Bild: AFP

Wenn die Corona-Pandemie irgendwann überstanden ist, wird ein anderes großes Problem noch immer da sein: Wie gefährlich ist die globale Erwärmung der Erde inzwischen, gerade angesichts drohender „Kipppunkte“? Ein Gespräch mit dem Klimaforscher Jochem Marotzke.

          12 Min.

          Herr Marotzke, ich habe zwei kleine Kinder. Können Sie mir sagen, in welcher Welt die beiden im Jahr 2100 leben werden?

          Die Welt wird global gesehen wärmer sein als heute. Um wie viel wärmer, können wir noch nicht sagen. Das hängt ganz entscheidend davon ab, wie sich die Kohlendioxidemissionen entwickeln werden. Und ob die Anstrengungen, die Emissionen zu reduzieren, wirklich umgesetzt werden.

          Steht Hamburg noch?

          Ja. Der Meeresspiegel wird weiter steigen, aber die norddeutschen Küsten haben sich sehr gut vorbereitet. Die Deiche werden erhöht, und sie werden mit viel Augenmaß erhöht. Sie lassen sich aufstocken, wenn es sich als notwendig erweist. Hamburg wird nicht bedroht sein, das ist völlig klar. Auch Deutschland wird nicht direkt durch den Klimawandel bedroht sein. Wie sehr sich die Gesellschaft jedoch ändern wird oder muss, das kann keiner sagen. Das hängt von vielen Dingen ab, unter anderem davon, wie warm es global wird und ob es Verwerfungen im internationalen Beziehungsgeflecht der Staaten gibt. Im welchem Maße das Leben angenehm oder komfortabel sein wird, weiß keiner.

          Viele junge Menschen haben Angst, dass sie keine Zukunft haben, dass der Klimawandel ihre Existenz bedroht. Ist ihre Angst begründet?

          Nein, da bin ich ganz sicher. Natürlich werden einige klimabedingte Risiken steigen. Ich erwarte, dass Extremwetterereignisse mehr Schäden verursachen und mehr Menschenleben fordern. Aber es ist nicht so, als ob jetzt ganze Landstriche vom Aussterben bedroht wären. Das können wir ausschließen, das wird nicht passieren.

          Australien wird also bewohnbar sein?

          Ich schätze, ja. Aber das war schon apokalyptisch, was dort passiert ist. Eine australische Mitarbeiterin von mir ist zurückgeflogen, was sie erzählte, war ziemlich furchteinflößend.

          Gibt es Regionen, die unbewohnbar werden?

          Es ist möglich, dass der Meeresspiegel um einen Meter steigt. Das heißt für flachliegende Gegenden wie Bangladesch, dass Landesteile unbewohnt sein werden, weil sie überflutet sein werden. Es gibt zudem Diskussionen darüber, ob es in einigen Landstrichen wie der Arabischen Halbinsel, die jetzt schon sehr heiß sind, an zu heißen Tagen die Grenze der physiologischen Widerstandsfähigkeit des menschlichen Körpers erreicht wird. Zur Mittagszeit wird man in solchen Regionen nicht mehr draußen sein können. Wie groß die Gefahr ist, hängt am Ende von der Temperaturentwicklung ab, aber dass die Möglichkeit besteht, ist klar. Es ist jedenfalls keine gute Idee, dass wir die Erde in einem Jahrhundert um weitere drei oder vier Grad erwärmen. Die Risiken, die kommen, sind enorm. Es wird nicht zu unserem Aussterben führen, aber die Belastung wird durch den schnellen Wandel steigen. Deswegen ist es wichtig, die Emissionen zu reduzieren.

          Dieses Ziel ist bis heute aber nicht in Reichweite. Im Gegenteil, die Emissionen steigen weiter an. Darauf weisen viele junge Menschen mittlerweile sehr deutlich hin.

          Ich habe eine große Sympathie für „Fridays for Future“, weil ich hoffe, dass dadurch eine größere Bereitschaft in der Bevölkerung erwächst, ernsthaft etwas für den Klimaschutz zu tun. Lange Zeit hat sich das Klimathema nicht verfangen, es fehlte am politischen Willen. Jetzt habe ich Hoffnung, dass etwas passiert. Ich wünsche mir, dass die Maßnahmen effektiver werden.

          Greta Thunberg sagt: „Ich möchte, dass ihr in Panik geratet“, allerdings sagt sie auch: „Hört auf die Wissenschaft“. Widerspricht sich das nicht?

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