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CO2-Fussabrdruck : Der Bürger als Klimaschädling

  • -Aktualisiert am

Daraus machen Kühe dann unsere Steaks: Sojabohnen auf einem Feld in Brasilien. Bild: dpa

Im Prinzip weiß man ja, was einem die CO2-Bilanz ruiniert. Doch wer handeln will, braucht Zahlen. Eine Selbstanalyse

          Ohne Kohlendioxid (CO2) in der Luft wüchse keine Pflanze und die Erde wäre ein Schneeball. Doch wenn morgen im polnischen Katowice die nächste Klimakonferenz beginnt, dann weil unsere globale industrielle Zivilisation schon längst zu viel davon in die Atmosphäre pustet. Also wird in Katowice weiter darüber beraten, wie das 2015 in Paris vereinbarte Klimaziel für das Jahr 2050 – eine Kappung der globalen Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad gegenüber den vorindustriellen Werten – noch zu erreichen sei.

          Die Aussichten dafür sind schlecht, zumal in Zeiten, in denen die Vereinigten Staaten und Brasilien von Leuten regiert werden, die glauben, die globale Klimaerwärmung, so es sie überhaupt gebe, habe nichts mit den Aktivitäten der Menschheit zu tun. Hat sie aber. Statistisch verursacht jeder Bundesbürger pro Jahr das klimawirksame Äquivalent von zwölf Tonnen CO2 – erheblich mehr als den dauerhaft gerade noch klimaverträglichen Ausstoß von zwei Tonnen. In diesem sogenannten Kohlenstoff-Fußabdruck enthalten ist nicht nur CO2 selbst, sondern auch andere Gase, deren Treibhauseffekte auf die entsprechende Menge CO2 umgerechnet wird. Rund 85 Prozent der weltweiten Emissionen stammen aus der Verbrennung von Öl und Gas, den Rest teilen sich Industrie und Landwirtschaft.

          Vor der Buße kommt die Beichte

          Aber was kann ich als Einzelner schon tun? Das Internet weiß schnell eine Antwort: „Freiwillige Kompensation des individuellen CO2-Fußabdrucks“ lautet die Formel. Die Idee: Indem ich durch einen finanziellen Obolus Projekte zur Erzeugung erneuerbarer Energie oder die Aufforstung von Wäldern unterstütze, soll eben jenes CO2, das ich durch klimaschädliche Aktivitäten verursacht habe, andernorts eingespart werden. Anbieter, die Geld von Privatpersonen oder Firmen einsammeln und in hoffentlich sinnvolle Projekte für den Klimaschutz stecken, gibt es zuhauf.

          Doch vor der Buße kommt die Beichte. Um mir einen Überblick über meine Klimasünden zu verschaffen, suche ich mir erst einmal einen CO2-Rechner. Davon gibt es einige, die mal etwas oberflächlich, mal arg detailliert nach meinen Lebensgewohnheiten fragen. Ich entscheide mich für den des Umweltbundesamtes (www.uba.co2-rechner.de).

          Der Rechner fragt eine ganze Reihe von Kennzahlen ab, wenn man die nicht weiß, hilft er mit Schätzwerten: Wie heize ich mein Haus, woher kommt der Strom? Welche Autos hat die Familie, und wie viele Kilometer fahren wir damit pro Jahr? Wie oft steige ich auf Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel um, und wie viele Flugreisen unternehme ich? Wie ernähre ich mich, und wie sieht mein übriges Konsumverhalten aus? Nach zehn Minuten und dem Herauskramen alter Energierechnungen sind alle Fragen beantwortet, und der Rechner spuckt meinen individuellen CO2-Fußabdruck aus. Der fällt, wie auch meine reale Schuhgröße, in die Kategorie XL: Rund 16 Tonnen Kohlendioxid gehen demnach pro Jahr auf meine Kappe, deutlich mehr als der deutsche Durchschnitt.

          Täglich Steak ist schlimmer als täglich lange duschen

          Woran das liegt, zeigt meine aufgeschlüsselte CO2-Bilanz: Heizung und Strom schlagen dank eines effizienten Gasbrenners und eines Ökostrom-Anbieters mit weniger als einer Tonne vergleichsweise gering zu Buche. Auch der Anteil aus meiner Ernährung liegt mit 2,3 Tonnen CO2 nur leicht über dem Durchschnitt. Er wird mit Fragen nach Alter, Gewicht und Essgewohnheiten relativ grob abgefragt. Wie viel Einfluss die verschiedenen Optionen auf den Fußabdruck haben, lässt sich durch ein bisschen Ausprobieren schnell herausfinden. Mit Abstand am einflussreichsten erweist sich der Faktor Fleisch. Dessen Erzeugung generiert erheblich mehr CO2-Äquivalente als die pflanzlicher Nahrungsmittel. Einen wichtigen Anteil daran hat Kraftfutter aus Soja, das unter gewaltigem Flächenbedarf meist in Südamerika produziert wird. Besonders klimaschädlich ist Rindfleisch, was mit dem hohen Flächenbedarf der Rindermast, vor allem aber mit den methanhaltigen Ausgasungen der Wiederkäuer zu tun hat. Als Veganer könnte ich jährlich fast eine Tonne CO2 einsparen, bei fleischbetonter Kost wäre es fast eine Tonne mehr. Ich schätze mich vorsichtig optimistisch als „fleischreduziert“ ein, bin mir dabei aber ebenso unsicher, wie über den Stellenwert regionaler, saisonaler und dem von Bioprodukten auf meiner Einkaufsliste.

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