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Ulf von Rauchhaupt (UvR)

Schäden durch Klimawandel : Das Pfeifen im Walde

Waldbiomasse-Trend 2016-2020, hier für den Harz. Orange Farben zeigen Waldflächen mit Verschlechterungen wie Absterben oder Entnahme einzelner Bäume. Rote Farben weisen Kahlflächen oder Flächen komplett abgestorbener Bestände aus. Bild: Naturwald Akademie

Der Klimawandel nagt beschleunigt am deutschen Wald. Mit etlichen vertrauten heimischen Baumarten könnte mittelfristig kein Wald mehr zu machen sein. Aber lieber ein fremder Wald als gar keiner.

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          In Mitteleuropa spüren wir den Klimawandel weniger als etwa der Mittelmeerraum, Australien oder der Südwesten Nordamerikas. Aber wir spüren ihn – schon jetzt und nicht nur durch Fluten wie denen an Ahr und Erft. Auch wenn wir es in diesem feuchten Sommer schon vergessen haben: 2018, 2019 und 2020 waren in Deutschland ausgesprochene Dürrejahre. Was sie mit unserem Wald gemacht haben, offenbart eine interaktive Karte mit einem Waldmonitor auf der Basis von Daten des europäischen Erderkundungssatelliten Sentinel-2, welche die Naturwald Akademie in Zusammenarbeit mit der Firma Remote Sensing Solutions  gerade ins Netz gestellt hat.

          Was man da sieht, ist nicht schön. Gerade in prominenten Waldregionen wie etwa dem Harz springen einem die orangen und roten Farben ins Auge, die Vitalitätsverschlechterung oder Waldverlust anzeigen. Nadelwald ist dabei besonders betroffen. Hier gibt es die größten Verluste in Nordrhein-Westfalen mit 10,3 Prozent, Sachsen-Anhalt mit 8,2 Prozent und Hessen mit 8,1 Prozent. Bei den Laubwäldern sieht es etwas besser aus. Hier ist Sachsen-Anhalt der Spitzenreiter mit minus 1,9 Prozent. Bedenklicher aber ist, warum Satellitenüberwachung der Wälder inzwischen unabdingbar ist: „Die mit dem Klimawandel verbundenen Prozesse verändern den Wald so schnell, dass eine Stichprobe von etwa 10.000 Bäumen der jährlichen Waldzustandserhebung nicht ausreicht, um den Vitalitätszustand des Waldes flächendeckend zu beschreiben.“ erklärt der Leiter Wissenschaft und Forschung der Naturwald Akademie, Torsten Welle.

          Die Veränderungen haben sich offenbar beschleunigt. Und sie treffen mit den Wäldern den Teil unseres Ökosystems, der uns seit der Romantik immer besonders unverwüstlich erschien. Mit etlichen vertrauten heimischen Baumarten könnte aber mittelfristig kein Wald mehr zu machen sein. Dann müssten hitzeresistentere Arten aus anderen Weltgegenden angesiedelt werden. Aber lieber ein fremder Wald als gar keiner.

          Ulf von Rauchhaupt
          Redakteur im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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