https://www.faz.net/-gwz-6jz2q

Weltmeere : Weniger Wasser in den Ozeanen

  • -Aktualisiert am

Einsam im großen Meer: Das Atoll Maupiti von Bora Bora im Südpazifik Bild: Nasa

Dank der Aufnahmen von Radarsatelliten haben Forscher herausgefunden: Die Weltmeere sind wesentlich flacher, als bisher angenommen. Und auch das Volumen der Ozeane ist dadurch um gut ein Prozent geringer, als zuvor berechnet.

          3 Min.

          Wer wissen will, wie groß das Volumen der Weltmeere ist, das in Klimamodelle oder in Berechnungen des geochemischen Mineralhaushaltes der Erde eingeht, erhält eine Fülle von Werten. Allein die Angaben auf ernstzunehmenden Seiten im Internet schwanken zwischen 1,26 und 1,4 Milliarden Kubikkilometern, also immerhin um etwa zehn Prozent. Und auch wissenschaftliche Lehrbücher helfen nicht viel weiter, denn oft werden dort Schätzungen widergegeben, die zum Teil Jahrzehnte alt sind. Zwei Mitarbeiter des Meeresforschungsinstituts in Woods Hole im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts haben nun die mittlere Tiefe der Weltmeere und damit das gesamte Volumen an Meerwasser neu berechnet. Danach sind die Ozeane flacher als bisher angenommen, und ihr Volumen ist deutlich kleiner.

          Spätestens seit der Erfindung des Echolotes vor fast hundert Jahren konnte der Boden der Weltmeere schneller und mit höherer Genauigkeit kartiert werden, als es mit den klassischen Loten aus Leine und Bleigewichten möglich war. Dennoch sind bis heute erst weniger als zehn Prozent des Meeresbodens kartiert worden. Das liegt hauptsächlich daran, dass der weitaus größte Teil der Ozeane überhaupt nicht oder nur ganz selten von Schiffen befahren wird. Meist sind es Forschungs- oder Marineschiffe, die in „abgelegenen“ Gegenden unterwegs sind. Obwohl auf diesen Schiffen die Echolotgeräte nahezu ununterbrochen registrieren, ist der größte Teil der Ozeane immer noch weitgehend Terra incognita.

          Beulen und Dellen führen zum Volumen

          Dass es dennoch umfassende bathymetrische Karten der Ozeane gibt, ist den Messungen von Radarsatelliten zu verdanken, deren erster im Jahre 1985 gestartet wurde. Diese Satelliten senden regelmäßig Radarimpulse mit einer Frequenz von 13 Gigahertz aus, die von der Wasseroberfläche gut reflektiert werden. Aus der Laufzeit der Strahlen lässt sich der Abstand des Satelliten von der Wasseroberfläche genau messen. Wie die Registrierungen ergaben, hat die Meeresoberfläche, selbst wenn man die von Winden und Strömungen angeregten Wellen und die Dünung außer acht lässt, keineswegs die Form eines Ellipsoiden. Diese Form wäre theoretisch aufgrund des Wechselspiels zwischen Erdanziehung und Fliehkraft zu erwarten gewesen. Vielmehr weist der Wasserspiegel der Ozeane zahlreiche Beulen und Dellen auf, die zum Teil um hundert Meter vom idealen Ellipsoiden abweichen, und das führt die Wissenschaftler letztlich zum Volumen der Meere.

          Die Beulen und Dellen sind eine Folge der Unterschiede in der Gravitationskraft. Dort, wo untermeerische Gebirge bis nahe an die Wasseroberfläche reichen, ist die Anziehungskraft auf Grund der Massenkonzentration stärker. Es sammelt sich also Wasser an, und der Meeresspiegel beult aus. Oberhalb von Tiefseegräben ist dagegen die Anziehungskraft ein wenig geringer, und das Wasser kann zu Gebieten mit höherer Anziehungskraft hin fließen. Als Folge entsteht eine Delle im Meerespsiegel. Die Höhenvariationen der Meeresoberfläche sind somit ein Abbild der Topographie des Meeresbodens.

          Ungenauer als die Karten von Mars und Mond

          Die Radarsatelliten geben zwar ein umfassendes Bild des Meeresbodens, dieses enthält aber nur wenige Details. Der Grund dafür ist, dass die Erdschwere nur recht grob gemessen werden kann. Die aus Radarregistrierungen berechneten bathymetrischen Karten sind daher wesentlich ungenauer als die Karten der Oberflächen von Mars und Mond. Auf denen sind wesentlich mehr Details zu erkennen, denn ihre Auflösung ist bis zu fünfzehnmal so hoch wie die der Karten des Meeresbodens.

          Die Meeresforscher Matthew Charrette und Walter Smith haben nun alle vorhandenen Registrierungen der Radarsatelliten einer neuen Analyse unterzogen und die Ergebnisse, wo immer es möglich war, mit vorhandenen Echolotmessungen geeicht. Auf diese Weise entstand eine neue Karte der Topographie des gesamten Meeresbodens mit bisher nicht erreichter Auflösung. Daraus wiederum berechneten die beiden Forscher die mittlere Tiefe der Weltmeere und erhielten einen Wert von 3682 Metern. Wie die beiden im „Journal of Oceanography“ (Bd. 23, S. 112) schreiben, ist dieser Wert um etwa 50 Meter geringer als die bisher verlässlichsten Annahmen. Dadurch verringert sich auch das Volumen des Meerwassers. Die beiden Forscher berechneten einen Wert von 1,332 Milliarden Kubikkilometern. Er ist etwa ein Prozent kleiner als die bisherigen Werte, was etwa dem fünffachen Volumen des Golfes von Mexiko entspricht.

          Weitere Themen

          Die Mutter der Katastrophen

          Ausrottung der Dinosaurier : Die Mutter der Katastrophen

          Das Massensterben der Dinosaurier und vieler anderer Arten vor 66 Millionen Jahren war sehr wahrscheinlich nicht hausgemacht. Neue Spuren führen weg von den großen Vulkanen – und hin zu einem einzelnen Ereignis.

          So funktioniert die Organspende Video-Seite öffnen

          Videografik : So funktioniert die Organspende

          Schwerkranke Patienten, die auf ein Spenderorgan angewiesen sind, müssen darauf oft lange warten. Eine Organtransplantation ist eine heikle Operation. Die Videografik gibt einen Überblick über den Prozess.

          Topmeldungen

          Meghan und Harry : Weiß, englisch, konservativ

          Im Drama um Meghan und Harry steckt auch ein eigener politischer Kern: Die Menschen spüren, wie wichtig das Königshaus in bewegten Zeiten ist. Harrys Abschied hat eine andere Frage aufgeworfen.
          Ein begehrtes Gut: Kakaoschoten

          Angst um Kakaoernte : Schokolade wird teurer

          Sorgen um eine schlechte Ernte treiben den Kakaopreis an den Märkten. Zudem soll ein Preisaufschlag armen Kakao-Bauern helfen. Verbraucher müssen daher wohl mehr für die tägliche Tafel zahlen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.