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Waldelefanten : Die klimafreundlichen Kleinkolosse

  • -Aktualisiert am

Waldelefant im Nationalpark Odzala-Kokoua. Bild: © Roger de la Harpe

Waldelefanten sind die kleinen Kolosse am Kongo. Sie werden immer seltener, dabei werden sie für die nachhaltige Bewirtschaftung des Kohlenstoffhaushalts im Urwald dringend gebraucht.

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          Waldelefanten sind die kleineren Verwandten der Savannenelefanten und werden auch „die Gärtner des Regenwaldes“ genannt. Bei ihrer Futtersuche in den zentralafrikanischen Regenwäldern legen sie etliche Kilometer am Tag zurück. Dabei zertrampeln sie Sträucher, verteilen Pflanzensamen und entrinden Bäume. Waldelefanten nehmen dadurch eine Schlüsselrolle im Ökosystem ein. Denn das Gedeihen vieler Arten hängt von der Ausübung ihrer ökologischen Funktion ab. Da sie zudem zum Erhalt von Lichtungen beitragen, ermöglichen sie anderen Pflanzenfressern wie Gorillas den Zugang zu wichtigen Mineralien in der Erde.

          Brasilianische Wissenschaftler haben nun festgestellt, dass Waldelefanten mit ihrem Verhalten auch die Kohlenstoffspeicherfähigkeit der Regenwälder erheblich beeinflussen. Denn durch das Ausdünnen von kleineren Baum- und Pflanzenarten können vor allem größere Baumarten mit einer höheren Holzdichte besser wachsen – Arten, die deswegen auch mehr Kohlenstoffmoleküle speichern können. „Wir haben herausgefunden, dass eine typische Dichte von 0.5 bis ein Tier pro Quadratkilometer die übererdige Biomasse um 26 bis 60 Tonnen pro Hektar erhöht“, sagt Simone Vieira, Mitautorin der Studie, die von der São Paolo Research Foundation unterstützt und in „Nature Geoscience“ veröffentlicht wurde.

          Das Verschwinden der bedrohten Waldelefanten könnte nach ihrem Dafürhalten erhebliche Folgen für den rund 2,2 Millionen Quadratkilometer großen Regenwald Zentralafrikas haben. Ohne Waldelefanten wäre dauerhaft mit einem Verlust von sieben Prozent der Pflanzenmasse zu rechnen, wodurch etwa drei Milliarden Tonnen weniger Kohlenstoff gespeichert würde. Christopher Doughty, einer der Studienautoren, hält es deshalb für denkbar, dass sich das Verschwinden von Elefanten indirekt auch wieder auf den Klimawandel auswirkt. Die Computersimulationen legten den Schluss nahe, dass die Wälder Zentralafrikas bei einem anhaltenden Elefantenverlust zu Kohlendioxid-Emissionen führen, die die Gesamtemissionen vieler anderer Länder übertreffen: „Dies könnte den Klimawandel möglicherweise also weiter beschleunigen.“

          Der Waldelefant zeigt anschaulich, dass die Klimaforschung und die Klimapolitik das Wirkungsgefüge großer Tierarten wie Waldelefanten berücksichtigen müssten. Zwar weist die brasilianische Studie nicht aus, wie viel Kohlenstoff durch den Rückgang der Art bisher schon freigesetzt wurde. Für die Zukunft aber könnte sich der Schutz der Elefanten klimapolitisch – und über den Verkauf von Klimazertifikaten auch finanziell – bezahlt machen.

          Der Regenwald sähe ohne sie anders aus

          Die Autoren vermuten, dass der Einfluss von Waldelefanten auch ein Grund ist, weshalb sich die Regenwälder Zentralafrikas von denen im Amazonas unterscheiden. „Die tropischen Wälder Zentralafrikas speichern größere Mengen Kohlenstoff als die Regenwälder des Amazonas trotz ähnlichem Klima und Boden“, sagt Vieira. „Die Ergebnisse unterstützen demnach die schon ältere Hypothese, dass Elefanten möglicherweise generell die Struktur von afrikanischen Regenwäldern historisch geprägt haben.“ Im Amazonas-Gebiet Südamerikas sind große Pflanzenfresser bereits vor gut 12 000 Jahren ausgestorben.

          Als Grundlage für die neue Untersuchung dienten Flächen in zwei weitgehend unberührten Regionen: eine in der Demokratischen Republik Kongo (Salonga-Nationalpark) und eine im äußersten Norden der kleineren Republik Kongo (Nouabalé-Ndoki-Nationalpark). In der Demokratischen Republik Kongo gibt es aufgrund von Wilderei seit gut dreißig Jahren keine Elefanten mehr. In der Republik Kongo leben hingegen noch Waldelefanten, auch wenn ihr Bestand stark zurückgegangen ist.

          Um die kurzfristigen Auswirkungen zu analysieren, haben die Wissenschaftler die Stammumfänge und Größe der Bäume gemessen und die Baumarten notiert. Für die langfristigen Auswirkungen wurden anhand eines Computermodells die horizontale und vertikale Vegetation simuliert. Zudem wurden ökologische Funktionen des Regenwaldes einbezogen, so etwa Wachstums- und Sterbezyklen der Bäume, zwischenartliche Konkurrenz, Photosynthese-Leistung und Vermehrung. In den Modellen wurden Waldelefanten-Populationen entweder ein- oder ausgeschlossen. Die Wissenschaftler konnten daraus zumindest grob die Folgen für die Waldstruktur ermitteln, sie mit den Verhältnissen und der Geschichte in den Untersuchungsgebieten vergleichen sowie experimentelle Voraussagen für 50 bis 150 Jahre treffen.

          Der Bestand von Waldelefanten war bis zu Beginn der Kolonialzeit wohl sehr hoch. Auf etwa zwei Millionen Tiere wurde der damalige Bestand in den Regenwäldern Zentralafrikas geschätzt. Zwischen 2002 und 2011 ist ihre Zahl allerdings rapide um etwa zwei Drittel geschrumpft. Hauptgründe sind die großflächigen Abholzungen der Wälder durch Konzerne und die Wilderei. Aktuell liegt die Zahl der Waldelefanten schätzungsweise bei 60 000 bis 100 000 Tieren, manche Beobachter rechnen noch mit 150 000 Tieren. In der Roten Liste der Weltnaturschutzunion werden afrikanische Elefanten als gefährdet eingestuft, das betrifft die Waldelefanten genauso wie die größeren Savannenelefanten.

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