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Verheerende Erdrutsche : Wenn der Berghang festen Halt verliert

  • -Aktualisiert am

7. Juli., Japan, Kure. In der Stadt Kure beschädigt eine Schlammlawine mehrere Häuser. Bild: AP

Erdrutsche werden nur bedingt durch Naturkatastrophen verursacht. Viele sind auch die Folge von Bauarbeiten und illegales Schürfen nach Bodenschätzen, wie die Auswertung einer neuen Datenbank zeigt.

          Erd- und Bergrutsche sind eine weitgehend unterschätzte Naturgefahr. Obwohl solche Erdbewegungen selbst in flacheren Mittelgebirgen immer wieder große Sachschäden oder gar Menschenleben fordern, gab es bislang keine umfassende weltweite statistische Untersuchung der Erdrutsche. Zwei englische Forscher haben nun erstmals eine Datenbank aller Hangrutschungen auf der Erde zusammengestellt, bei denen Menschen ums Leben kamen. Danach starben in den Jahren zwischen 2004 und 2016 bei mehr als 4600 solcher Ereignisse weltweit fast 56.000 Menschen. Die meisten tödlichen Erdrutsche gab es dabei in den Hochgebirgsregionen Asiens.

          Zu Erdrutschen kommt es, wenn instabile Hänge lawinenartig zu Tal rutschen. Häufig werden diese raschen Erdbewegungen durch andere Naturereignisse ausgelöst, wie beispielsweise jetzt auf Hawaii beim Durchzug von Hurrikan Lane durch die äußerst ergiebigen Niederschläge. In der Regel gilt, dass mit Wasser gesättigte Böden weniger stabil als trockener Untergrund sind. Auch die von Erdbeben und ihren seismischen Wellen ausgelösten Erschütterungen können zu Hangrutschungen führen.

          Asiens Hochgebirge - das Hochrisikogebiet

          Einer der Gründe, warum man Erdrutsche bisher als eigenständige Naturgefahr unterschätzt hat, ist der Umstand, dass die fatalen Folgen dieser Rutschungen häufig als Sekundärrisiken der auslösenden Naturereignisse eingestuft werden. Die Geographen Melanie Froude und David Petley von der University of Sheffield haben nun alle seit 2004 bekannten tödlichen Erdrutsche auf der Welt in einer Datenbank zusammengefasst.

          23. August, Hawaii: Schwere Regenfälle auf Hawaii,  ausgelöst von Hurrikan Lane. Die Folgen sind  Überschwemmungen und Erdrutsche. Bilderstrecke

          Danach treten in den gebirgigen Regionen von Indien die meisten Hangrutschungen mit Todesfolge auf. Knapp 20 Prozent der 4600 bekannten Fälle wurden aus diesem Land gemeldet. Auch der Süden und Westen Chinas gehören zu den am meisten durch Erdrutsche gefährdeten Gebieten, gefolgt von Pakistan, Burma, Indonesien und den Philippinen.

          Wie Froude und David Petley jetzt in der Zeitschrift „Natural Hazards and Earth System Sciences“ schreiben, hat sich bei der Zusammenstellung der Datenbank herausgestellt, dass etwa 700 der untersuchten Erdrutsche zumindestens indirekt auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen waren. Die wichtigste Ursache war dabei der Straßenbau, bei dem Hänge während oder nach Abschluss der Bauarbeiten nur unzureichend stabilisiert wurden. Auch der Aushub von Baugruben zum Hausbau und illegales Schürfen nach mineralischen Rohstoffen haben zu zahlreichen tödlichen Hangrutschungen geführt.

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