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Seismologie : Lauschangriff in der Tiefe

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Solchen Kabeln, die am Meeresgrund von einem Kontinent zum anderen verlaufen, verdanken wir das Internet. Bild: Mauritius

Durch Zufall entdeckt ein Physiker, wie man Erdbeben am Meeresboden mit Glasfaserkabeln aufspüren kann. Das könnte helfen, Menschen frühzeitig vor Tsunamis zu warnen.

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          Dass der Müll des einen ein Schatz für den anderen ist, gilt auch für die Forschung, wie Giuseppe Marra bestätigen kann. Auch wenn er, Wissenschaftler am britischen National Physical Laboratory, es in elegantere Worte kleidet. Eigentlich sind optische Atomuhren seine Spezialität, doch um diese dreht es sich bei seiner Entdeckung nicht, die er in der Zeitschrift „Science“ beschreibt. Ursprünglich wollte er die britischen Zeitmesser mit denen in Deutschland, Frankreich und Italien vergleichen. Dafür vernetzte er sie mit Glasfaserkabeln, durch die er Laserlicht schickte. Dieses Licht sollte mit einer festen, „ultrastabilen“ Wellenlänge durch die Glasfasern wandern. Doch Marra musste feststellen, dass schon geringste Erschütterungen der Kabel es aus dem Takt brachten.

          Das war ein Problem für sein eigentliches Ziel, aber gleichzeitig erkannte er eine Chance: Die Störungen im Laserlicht enthielten Informationen darüber, wie stark das Kabel wackelte. „Das Rauschen einer Anwendung ist das Signal für eine andere“, fasst er es im Jargon seiner Zunft zusammen. Diese andere Anwendung könnten Sensoren sein, die Erdbeben erkennen und messen,wie er in „Science“ schreibt. Solche gibt es nämlich am Meeresboden kaum. Dafür verlaufen dort zahlreiche Glasfaserkabel. Sie bilden das Rückgrat des modernen Internets und ermöglichen, dass riesige Datenmengen zwischen Kontinenten hin und her strömen können. Knapp 440 dieser Unterseekabel gibt es gemäß des Marktforschungsunternehmens Telegeography. Das kürzeste verbindet das Vereinigte Königreich mit Irland. Das längste erstreckt sich über rund 20.000 Kilometer zwischen Singapur und den Vereinigten Staaten. Insgesamt, so schätzen die Marktforscher, sind 1,3 Millionen Kilometer Kabel unter dem Meer verlegt.

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