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Frühjahrstrockenheit : Droht uns schon wieder eine Dürre?

Das trockene Frühjahr macht den Landwirten wie hier in Niederbayern schon zu schaffen. Bild: dpa

Sonnig und warm ist es in Deutschland und schon wieder viel zu trocken. Regen ist nicht in Sicht. Und die Meteorologen machen sich Sorgen, dass es wieder so schlimm kommen könnte wie vor zwei Jahren.

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          Noch sind die Meteorologen vorsichtig mit Vergleichen, für eine seriöse Vorhersage sei es viel zu früh, außerdem wisse man ja um die Schwächen langfristiger Prognosen. Es sind die üblichen Beschwichtigungen, dann kommt das Aber: Die derzeitige Wetterlage erinnere fatalerweise an den Beginn der verheerenden Dürre im Jahr 2018, heißt es. Seit Wochen hat es kaum geregnet, mitten im April bricht der Frühsommer aus, die Böden sind staubtrocken, zudem ist die Waldbrandgefahr verbreitet hoch, und die Aussichten verheißen wenig Hoffnung auf Regen. Ein Glück, dass die Osterfeuer wegen der Corona-Krise ohnehin abgesagt sind.

          „Die Lage ist ähnlich wie vor zwei Jahren“, sagt Tobias Fuchs, der Leiter der Klimaabteilung beim Deutschen Wetterdienst. Die Luft sei ähnlich trocken, ähnlich warm, die Einstrahlung ähnlich stark, die Böden ähnlich trocken. Und auch damals löste ein Hoch über Mitteleuropa das nächste ab und lenkte Tiefs am Kontinent vorbei, die Zeit der Dürre begann. Die Indizien seien da, aber noch könne niemand abschätzen, ob das auch so bleibe. Ob sich die Dürre also wiederholt, lässt sich nicht verlässlich vorhersagen.

          In Ostdeutschland allerdings bangen die Menschen schon jetzt um Ernte und Wälder. In manchen Regionen hat die Wetterbehörde gerade die höchste Waldbrandwarnstufe ausgerufen. Die oberen zehn Zentimeter Boden sind bereits trockengefallen, und bis in eine Tiefe von 1,80 Metern ist kaum Wasser vorhanden. Auf der Deutschland-Karte des Dürremonitors vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig sind viele Regionen nach wie vor dunkelrot eingefärbt, es herrscht weiterhin die höchste aller fünf Trockenstufen: Hier herrscht seit 2018 Dürre, und ein Ende ist nicht abzusehen. Das dritte extreme Trockenjahr in Folge würde die Natur kaum verkraften. Die Frage, die Klimaforscher umtreibt, lautet: Legt der Klimawandel das Frühjahr öfter trocken? Darauf weist jedenfalls so einiges hin, seit zwanzig Jahren regnet es in den Frühlingsmonaten deutlich weniger, dafür scheint häufiger die Sonne, außerdem sind die Temperaturen gestiegen, um 1,3 Grad im Vergleich zum langjährigen Mittel von 1961 bis 1990.

          Der April macht, was er will, so hieß es früher

          Noch deutlicher wird es, wenn man den April analysiert. Ehemals launisch, bringt der Frühlingsmonat mittlerweile fast beständiges und stabiles Wetter. Der letzte zu nasse April liegt zwölf Jahre zurück, jedes Jahr fehlt im bundesweiten Schnitt mehr als ein Drittel des erwartbaren Monatsniederschlags. Am härtesten trifft es Sachsen, dort fiel nur in einem der vergangenen 23 Jahre mehr Regen als üblich, und 2007 fiel der April besonders trocken aus. Da außerdem die Temperaturen stiegen und die Sonne inzwischen länger vom Himmel brennt, verdunstet überproportional viel Wasser, das die Pflanzen jedoch zu Beginn der Vegetationsperiode benötigen.

          Mitten in der Coronakrise könnte sich also ein weiteres Problem anbahnen. Eines, auf das sowohl Forscher als auch Aktivisten derzeit aufmerksam machen – mit zunehmender Lautstärke: Der Klimawandel macht wegen Corona keine Pause. Ein staubtrockener Frühling könnte da manchem als Erinnerungsstütze dienen.

          Ob die seit zwanzig Jahren zunehmende Frühjahrstrockenheit einen Klimatrend widerspiegelt, bleibt abzuwarten. Aktuell schauen Forscher aber gebannt auf die Prognosen der kommenden Tage und Wochen. Kurzfristig kühlt es zwar etwas ab, ein paar Schauer ziehen durchs Land, an der Großwetterlage wird sich trotzdem nichts ändern. Nach Ostern baut sich ein neues Hoch auf. Diese Aussichten beunruhigen Meteorologen jedoch weniger als die Langfrist-Vorhersage des Europäischen Wetterdiensts in Reading bei London. Dessen eher experimentell arbeitendes Modell prophezeit für die kommenden sieben Monate zu wenig Regen in Mitteleuropa, die Trockenheit würde sich verstärken.

          Solche Modelle seien mit großen Unsicherheiten behaftet, ihre Aussagekraft für Europa gering, beschwichtigt der dafür in Reading verantwortliche Florian Pappenberger. Aber als ein letztes Indiz für eine drohende Dürre kann die Erfahrung der Meteorologen herangezogen werden: Blockierende Hochdruckwetterlagen gelten als sehr stabil, sie können Wochen, manchmal sogar Monate anhalten. Hoffentlich liegen die Wetterexperten dieses Mal daneben.

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