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Teures Grünzeug : Die Lehren aus der Gemüsekrise

  • -Aktualisiert am

Von wegen sonniger Süden: frierender Brokkoli in der spanischen Provinz Murcia am 19. Januar 2017 Bild: Getty

Ein harter Winter im Mittelmeerraum lässt Gurken und Tomaten knapp werden. Ökologisch ist das zu begrüßen.

          In Großbritannien herrscht Krisenstimmung. Als hätte das Land nicht genug verkraften müssen in letzter Zeit, wird jetzt auch noch das Gemüse knapp. Mit Auberginen und Zucchini fing es an, dann klafften erste Lücken zwischen Paprika, Brokkoli und Kohlköpfen. Inzwischen dürfen Kunden in manchen Märkten nicht mehr als drei Köpfe Eisbergsalat kaufen. Auch in Deutschland ist Gemüse derzeit auffällig teuer: Schlangengurken aus Griechenland kosten bis zu dreimal so viel wie vergangenes Jahr um diese Zeit. Der Preis für spanische Gurken hat sich fast verdoppelt. Auberginen, Paprika, Tomaten und Zucchini sind ebenfalls deutlich teurer geworden. Aus Eisbergsalat ist wie in England beinahe ein Luxusartikel geworden: Er kostet fast viereinhalbmal so viel wie sonst.

          Grund für die Gemüsekrise ist eine Kältewelle in Südeuropa. „Während in Deutschland in den vergangenen Monaten häufig Hochdruckwetter dominierte, strömte an der Ostflanke des Hochs sehr kalte Luft nach Süd- und Südwesteuropa“, sagt Jens Fildebrandt vom Zentrum für Agrarmeteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes. Über dem warmen Mittelmeer tankte die kalte Luft dann Feuchtigkeit auf, die dann kräftige Regen- und Schneefälle speiste. In Spanien, Italien und Griechenland regneten im Dezember mancherorts bis zu 200 Liter auf einem Quadratmeter ab - mehr als ein Viertel des durchschnittlichen Jahresniederschlags in Köln. Anfang Januar rollte dann eine Kältewelle durch Italien und Griechenland, sagt Fildebrandt. In den Anbaugebieten brachen unter der Schneelast sogar die Planen mancher Gewächshäuser zusammen.

          Vitamine aus dem Plastikmeer

          Da Deutschland vor allem in den Wintermonaten einen Großteil seines Gemüses aus Südeuropa bezieht, wird das Angebot langsam knapp, was nur dort überraschen kann, wo Verbraucher allzeit prall gefüllte Gemüseregale gewohnt sind. Während an frische Tomaten und Gurken aus deutscher Produktion noch lange nicht zu denken ist, gedeiht das Gemüse in Spanien, Italien und Griechenland sonst auch im Winter. Engpässe sind normalerweise selten zu befürchten. „Der Anbau von Gemüse für den Frischverzehr findet in Südeuropa vor allem geschützt unter Folie statt“, sagt Dietmar Schwarz vom Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ). Die Plastikplanen, unter denen zum Beispiel in der andalusischen Provinz Almería Gemüse und Obst heranreifen, sieht man sogar vom Weltall aus. „Mar del plástico“ wird die Gegend deshalb auch genannt, Plastikmeer. „Nur ganz im Süden Spaniens und Italiens gibt es Freilandflächen, auf denen das ganze Jahr über Fruchtgemüse produziert wird.“

          Gegen eine eisig-nasse Witterung wie zuletzt richten aber auch Plastikfolien nicht mehr viel aus. Den Pflanzen wird es einfach zu kalt. „Menschen und Tiere regulieren ihre Körpertemperatur selbst, bei Pflanzen ist das nicht möglich“, sagt Eckhard George vom IGZ. „Bei Kälte laufen alle Lebensvorgänge der Pflanze langsamer ab. Das ist direkt von der Temperatur abhängig. Pflanzen können schließlich nicht heizen.“

          Durchaus beheizen könnte man die Zelte, in denen die Pflanzen wachsen. Dadurch würden allerdings die Produktionskosten steigen, weshalb man sich meistens auf die kostenlose Wärme des regionalen Klimas verlässt. Bleibt die natürliche Sonneneinstrahlung aus, werden die Pflanzen einem Stresstest unterzogen. „Viele Leute probieren das unfreiwillig aus, wenn sie im Winter ihre Pflanzen aus dem warmen Wohnzimmer mal eben auf den Balkon stellen oder im Auto transportieren“, sagt George. „Wenn Sie eine an Wärme gewohnte Zimmerpflanze bei den momentanen Temperaturen auch nur wenige Minuten nach draußen stellen, reicht das aus, um sie schwer zu schädigen oder gar absterben zu lassen.“

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