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Geologie im Meer : Das Pompeji der Tiefsee

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Der Tiefseevulkan Havre nördlich vor Neuseeland in 650 Metern Wassertiefe. Bild: University of Tasmania, Australia. Woods Hole Oceanographic Institute

In fast 1000 Metern Tiefe brach 2012 nördlich vor Neuseeland im Pazifik der Tiefseevulkan Havre aus. Jetzt haben Tauchroboter den Koloss erstmals vor Ort erforscht.

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          Mehr als 70 Prozent der vulkanischen Aktivität auf der Erde findet auf dem Meeresboden tief unter Wasser statt. Doch im Gegensatz zu Vulkanausbrüchen an Land ereignen sich die meisten dieser submarinen Eruptionen völlig unbemerkt. Nur selten erreicht nämlich die von untermeerischen Vulkanen gespeiste Lava die Ozeanoberfläche und lässt neue Inseln entstehen, wie beispielsweise im Jahre 1963 das Eiland Surtsey südlich von Island.

          Umso wertvoller sind die Ergebnisse, die eine internationale Forschergruppe nun von mehrerer Expeditionen mit Forschungsschiffen in die Südsee mitbrachte. Diese Wissenschaftler haben dort den größten bekannten Vulkanausbruch auf dem Meeresboden untersucht, nämlich die Eruption des Havre-Vulkans nahe dem Kermadec-Tiefseegraben nördlich von Neuseeland im Juli 2012.

          Dieser riesige Ausbruch wurde damals nur durch Zufall entdeckt, als nämlich eine Passagierin auf einem Linienflug zwischen Tonga und der Nordinsel Neuseelands beim Blick aus dem Kabinenfenster einen eigenartigen, riesigen Schaumteppich auf dem Meer bemerkte. Wie sich später herausstellte handelte es sich bei dem angeblichen Schaum um Bimsstein, der bei einem untermeerischen Vulkanausbruch entstanden war.

          Illustration der mächtigen Caldera des Havre-Tiefseevulkans nördlich vor Neuseeland Bilderstrecke
          Illustration der mächtigen Caldera des Havre-Tiefseevulkans nördlich vor Neuseeland :

          Wie die Forschergruppe jetzt in der Zeitschrift „Science Advances“ schreiben, war dieser fast 400 Quadratkilometer große Bimsteppich später auch auf Satellitenaufnahmen zu sehen. Nach dem Ausbruch fuhren mehrere Forschungsschiffe in das Seegebiet und setzten dabei autonom arbeitende Forschungstauchboote ab. Sie entnahmen Lavaproben und vermaßen den Krater detailliert mit verschiedenen Echolotverfahren.

          Verräterischer Schaumteppich aus Bimsstein

          Die von diesen U-Booten gesammelten Messergebnisse zeichnen nun ein faszinierende Bild des submarinen Vulkans. Es muss sich um einen explosiven Ausbruch gehandelt haben, denn der Bimsstein entsteht nur wenn das ursprünglich Magma viel Gas enthält. Am Kraterrand des Havre waren dabei in etwa 1000 Meter Wassertiefe insgesamt 14 neue,  bis zu 250 Meter hohe Vulkankegel entstanden. Außerdem war der Boden des Einbruchsbeckens im Zentrum des Vulkans im Vergleich zu früheren Messungen um mehr als 50 Meter abgesackt. Die Hänge des Vulkans waren außerdem großflächig mit frischer siliziumreicher Lava bedeckt.

          Die bei dem Ausbruch entstandene große Menge von Bimsstein war wegen ihrer geringen Dichte zur Meeresoberfläche aufgetrieben und hatte dort den „Schaumteppich“ gebildet. Insgesamt, so berechneten die Forscher, spie der untermeerische Vulkan bei dem nur wenige Tage dauernden Ausbruch mehr als 1,5 Kubikkilometer Lava aus. Das ist etwa zwanzig Mal so viel wie der isländische Vulkan Eyjafjallajökull bei jenem Ausbruch im Jahre 2010 ausstieß, der den Flugverkehr in Europa für mehrere Tage lahmlegte. Mit diesem Ausbruchsvolumen hält Havre nun den Rekord für untermeerische Eruptionen siliziumreicher Lava.

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