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Software : Eine virtuelle Reise um die Welt

Blick von oben: World Wind holt die Welt - hier Washington - auf den heimischen PC. Bild:

World Wind ist eine kostenlose Software der Nasa. Mit ihr sieht man jeden Fleck der Erde - und die Veränderungen durch Feuer, Flut und Sturm.

          3 Min.

          Jede Straße, jedes Auto ist sichtbar, ebenso das Schwimmbecken im Vorgarten. Wir wandern in Washington vom Jefferson-Denkmal am Fluß entlang zum Lincoln Memorial. Von dort aus sieht man sofort und unverkennbar das Washington Monument, das sich in den Himmel reckt. Der Blick nach Norden führt in Richtung Weißes Haus und nach Osten hin zum Capitol. Wer früher mit dem Finger über die Landkarte reiste, kann nun mit einigen Mausklicks die Erde erkunden und von oben erleben, was sich hier unten abspielt. Dafür braucht man nur Satellitenaufnahmen und die passende Software. Aus einzelnen Fotos entsteht ein detailreiches Modell der Erde: Die Kontinente lassen sich aus der Ferne beobachten, und die eigene Stadt wird aus niedriger Höhe studiert. Wie kommt man aber an solche Satellitenfotos?

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die kostenlose Software Nasa World Wind ist unser Ausgangspunkt. Sie läßt sich von der Seite http://worldwind.arc.nasa.gov laden. Das Programm ist 170 Megabyte groß, aber das ist nicht alles. Im laufenden Betrieb werden ständig Daten nachgeladen. Deshalb ist ein DSL-Anschluß mit Flatrate unabdingbar. Zu World Wind gehört ein Datenvolumen von insgesamt 10 Terabyte: Es ist also auch nicht möglich, das Programm vollständig auf eine Festplatte zu kopieren. Ferner ist ein schneller Rechner angesagt, damit sich die Grafik hinreichend flink aufbaut.

          Mit Zoom ganz nah

          Wer das Laden und die Installation von World Wind erfolgreich bewältigt hat, wird für seine Mühen bestens belohnt. Nach dem Start sieht man die Erde als Weltkugel. Mit dem Mausrädchen läßt sich die Satellitenhöhe und damit der Zoom festlegen. Mit gedrückter linker Maustaste verschiebt man den gezeigten Ausschnitt. Wichtig ist die Wahl des richtigen Anzeigemodus: Die Menüschaltflächen am oberen Bildschirmrand weisen den Weg. Wer einen beliebigen Ausschnitt der Erde sehen will, wählt den Landsat-7-Satelliten im Modus "Visible Color". Die Auflösung beträgt hier maximal 30 Meter pro Pixel. Es sind also Autobahnen, Flughäfen und Stadtzentren sichtbar, nicht aber Häuser oder Autos. Auf diese Weise erkennt man, daß Deutschland ein grünes Land ist. Wälder und Berge bestimmen das Bild und nicht etwa "zersiedelte Landschaften".

          Um sich leichter in der Karte zu orientieren, schaltet man die Grenzen ("Boundaries") und die Ortsbezeichnungen ("Placenames") mit den Menüsymbolen ein. Ist ein Eintrag aktiviert, zeigt er ein kleines schwarzes Dreieck über dem Minibildchen. Sinnvoll ist es, die Positionsanzeige (zweites Symbol von rechts) zu nutzen. Ferner läßt sich nach Städten und Staaten suchen. Das geschieht am einfachsten mit der Tastenkombination "Strg + F". Selbst kleine Gemeinden in Deutschland werden gefunden, und mit "Go" wird man sofort zum Ziel geführt. Umlaute im Ortsnamen ersetzt man durch den zugehörigen Vokal.

          Und wie kommt man zu den detaillierten Stadtansichten? Um die hochauflösenden Fotos zu sehen, muß man auf die Daten der United States Geological Survey (USGS) zurückgreifen. Sie gibt es leider nur für einige amerikanische Regionen. Man klicke auf das Symbol USGS Urban Area und suche anschließend beispielsweise Washington oder Chicago, Los Angeles oder Seattle. Eine Liste der Regionen mit USGS-Daten findet sich unter http://www.terraserver.com/providers/usgs_urban.asp. Bei diesen Luftbildaufnahmen beträgt die maximale Auflösung 25 Zentimeter pro Pixel. So sind selbst Autos gut erkennbar. Bis ein Bild in bester Qualität sichtbar ist, können durchaus einige Minuten vergehen. Wenn die Software Daten aus dem Internet nachlädt, sieht man unten rechts auf dem Display ein entsprechendes Symbol mit Fortschrittsbalken. Indes sind die Aufnahmen nicht aktuell. Sie stammen aus den Jahren von 1999 bis 2004 und wurden anschließend nachbearbeitet. Eine Satellitenkamera, die auf die Welt herunterblickt, hat eine Auflösung von rund 100 Megapixel. Zum Vergleich: Eine Spiegelreflexkamera für ambitionierte Fotografen erreicht derzeit "nur" 8 bis 16 Megapixel. In Echtzeit kann man die Erde also noch nicht sehen.

          Umweltveränderungen erkennen

          Indes kann auch das historische Bildmaterial sehr aufschlußreich sein. Im Menü "Scientific Visualization Studio" (Taste F1) lassen sich zahlreiche Großereignisse aus der Sicht der Satelliten nacherleben. Mit Aufnahmen, die teils im 15-Minuten-Takt geschossen wurden, oder optischen Visualisierungen studiert man die Oberflächentemperatur der Weltmeere oder beobachtet aus der Vogelperspektive das langsame Austrocknen des Aral-Sees mit Satellitenfotos aus den Jahren von 1973 bis 2003. Die Bilder sind ebenso beeindruckend wie die Fotos vor und nach dem Ausbruch des Vulkans St. Helena im Jahr 1980. Die Aufnahmen nach dem Ereignis zeigen den neuen Krater und die mit Asche bedeckten Flüsse und Seen ringsum. Im Jahr 2000 ist dann nach der großflächigen Zerstörung eine neue Vegetation entstanden. Wie der höchste Berg Afrikas, der Kilimandscharo in Tansania, seine Schneehaube verliert, sieht man ebenfalls. Das Eis auf den Gipfeln schmilzt langsam, zeigen eindrucksvolle Animationen. Bei all dem gilt: Es ist Geduld beim Nachladen der Dateien aus dem Internet angesagt. Einige Demonstrationen holen Hunderte von Bilddateien aus dem Netz, und das kann dauern. Alle Animationen werden über die vorhandenen Landkarten gelegt. Mit dem Schieberegler "Opacity" läßt sich die Deckkraft individuell einstellen. Ist das "Scientific Visualization Studio" durchgesehen, finden sich weitere Klima- und Wetterereignisse in dem "Web Mapping Server" der Nasa, der mit einem Menüsymbol aufrufbar ist.

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