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Tierwelt unter Hitzestress : Der Klimawandel unterm Apfelbaum

  • -Aktualisiert am

Die kühle Morgensonne sorgt auch bei den Blattbewohnern dieser Apfelbäume für ein angenehmes Klima. Bild: Getty

Hitzewellen machen auch Insekten und Amphibien immer mehr zu schaffen. Anders als wir Menschen haben sie Strategien entwickelt, um sich an die extremen Bedingungen anzupassen.

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          Auf maximal zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter soll die Erderwärmung laut Pariser Klimaabkommen begrenzt werden. Um durchschnittlich ein Grad ist die Temperatur bereits angestiegen. Entscheidender für das Leben und Überleben auf unserem Planeten sind allerdings die Rekorde bei Hitzewellen. Diese Extreme können regional und auch kleinräumig sehr verschieden ausfallen. Mitunter haben sogar benachbarte Blätter an einem Zweig unterschiedliche Temperaturen. Wie viel Hitze die Blattläuse und andere Blattbewohner aushalten müssen, hängt offenbar aber nicht zuletzt von ihrem eigenen Einfluss auf das Mikroklima ab. Das haben kürzlich Sylvain Pincebourdea und Jérôme Casas von der Université de Tours beobachtet.

          Wie einschlägige Tests ergaben, kommt die Mehlige Apfelblattlaus (Dysaphis plantaginea) schon bei 37 Grad an ihr Limit, die Gemeine Spinnmilbe (Tetranychus urticae) dagegen erst bei 46 Grad. Die unterschiedliche Hitzetoleranz hängt mit der Ernährungsweise zusammen: Wer wie die Blattläuse pflanzliche Leitungsbahnen anzapft, um sich an Produkten der Photosynthese gütlich zu tun, reagiert recht sensibel auf steigende Temperaturen. Milben und andere Tiere, die einzelne Pflanzenzellen aussaugen, entpuppen sich dagegen härter im Nehmen. Dieser Unterschied lässt sich nach Ansicht der beiden französischen Forscher als Ergebnis der Evolution verstehen, als Anpassung an ein selbstgeschaffenes Mikroklima: An warmen Sommertagen werden zum Beispiel die Blätter eines Apfelbaums durch die Strahlungsenergie der Sonne aufgeheizt.

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