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Seltene Erden : Alle wollen Neodym

Ohne dieses Zeug wäre die Energiewende nur noch durch weitgehende Deindustrialisierung zu schaffen. Bild: Science Photo Library

Einige Elemente aus der Gruppe der Seltenen Erden werden immer begehrter. China dominiert heute die Produktion dieser Metalle. Wenn das so bleibt, ist der geopolitische Aspekt daran noch das kleinste Problem.

          Niemand setzt mehr auf Europium. Als hätte Europa nicht schon genug Imageprobleme, ist nun auch das nach unserem Heimatkontinent benannte chemische Element in der Krise. Dabei war es einmal der Superstar unter den Lanthanoiden – jenen 15 Elementen im Souterrain der Periodentafel, deren Oxide zusammen mit denen zweier darüber positionierten (Scandium und Yttrium) als „Seltene Erden“ bezeichnet werden. Denn es war das Europium, das von 1964 an in Mountain Pass im Süden Kaliforniens die erste Mine für Seltene Erden profitabel machte. Damals begann gerade der Siegeszug des Farbfernsehens, und in den roten Leuchtstoffen der Röhrenbildschirme war Europium unentbehrlich.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Zeitalter ist vorbei, und auch aus anderen Bereichen wurde das Element verdrängt. „Europium hat seit der Substitution durch LEDs in den meisten Anwendungen stark an Bedeutung verloren“, sagt Andreas Beuge von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover. Der Preisverfall ist entsprechend. Laut dem aktuellen Bericht des U.S. Geological Survey über mineralische Rohstoffe kostete ein Kilogramm Europiumoxid 2014 noch 822 Dollar, 2018 waren es nur noch 56.

          Die Seele der Supermagnete

          Nun ist in dem Mineral Bastnäsit, das in Mountain Pass gefördert wird, Europium nur in kleinen Mengen enthalten. Seltene Erden kommen zumeist gemeinsam vor. Bastnäsit etwa ist ein Fluorcarbonat der Elemente Cer, Lanthan, Yttrium und Neodym, und Letzteres legte einen kometenhaften Aufstieg hin. Denn Neodym ist ein Schlüsselmaterial gleich zweier technologischer Großtrends: der Digitalisierung und des Bemühens, Transportwesen und Energieversorgung einer industriellen Zivilisation ohne Rückgriff auf fossile Energieträger zu organisieren. Hier ist Neodym wichtiger als selbst Lithium. Denn es ist Bestandteil von Neodym-Eisen-Bor (NdFeB). Erst seit 1982 gibt es diesen Werkstoff, der starke permanente Magnetfelder in extrem kleinen Volumen erzeugt. Heute geht ohne NdFeB-Magnete gar nichts mehr: Sie erst ermöglichen moderne Datenspeicher, Elektromotoren oder Windgeneratoren.

          Die Mountain-Pass-Mine musste 2002 trotzdem erst einmal schließen. Der Grund dafür war Bayan Obo. Der Distrikt in der chinesischen Provinz der Innere Mongolei beherbergt das weltweit größte bekannte Vorkommen an Seltenen Erden. Hier lagern mindestens 100 Millionen Tonnen Bastnäsit und Monazit, ein Phosphat, das ebenfalls vor allem Cer, Lanthan und Neodym enthält. Fast 60 000 Tonnen Seltener Erden wurden dort 2017 gefördert, das sind fast die Hälfte der offiziellen chinesischen Förderquoten jenes Jahres, und die stellen immerhin 84 Prozent der Weltproduktion dar.

          „Opec on Steroids“

          Das nährt Befürchtungen, etwa im Hinblick auf den aktuellen Handelskonflikt der Chinesen mit der Trump-Administration. Vergangene Woche beschäftigte ein Kommentar in der Pekinger Zeitung Global Times die Weltpresse, dessen Autor behauptete, China kontrolliere mit den Seltenen Erden die Grundlage der modernen und insbesondere der militärischen Hochtechnologie. Damit hätte China am Ende auch den Finger auf unseren Smartphones. Doch diese Befürchtung war etwas übertrieben. In Smartphones enthalten allenfalls die Lautsprecher Neodym. Das für die heutige Telekommunikation wirklich essentielle Element Indium – ohne das es weder Flachbildschirme noch Touchscreens gäbe – ist kein Element der Seltenen Erden und auch kein Produkt der Bayan-Obo-Mine.

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