https://www.faz.net/-gwz-9ncgb

Seltene Erden : Alle wollen Neodym

Auch die Ähnlichkeit der Seltenen-Erden-Elemente untereinander macht ihre Nutzung zu einer Herausforderung. Als Chemiker sie zwischen 1787 und 1907 entdeckten – erst 1947 kam dann das instabile Promethium dazu –, hatten sie lange ihre liebe Mühe damit, sie voneinander zu trennen. Neodym und Praseodym etwa galten mehr als vierzig Jahre lang als ein einziges Element, das man „Didym“ nannte. Der enorme Aufwand, die Seltenen Erden chemisch zu trennen und ihre Verbindungen in ausreichender Reinheit zu gewinnen, behinderte bis in die Nachkriegszeit ihre Erforschung und damit auch die ihrer möglichen Anwendungen. Insbesondere die weniger häufigen schwereren Lanthanoide schlummerten als chemische Kuriositäten in einem Dornröschenschlaf, aus dem sie erst moderne Verfahren mit speziell entwickelten komplexen Reagenzien weckten. Doch ihre großtechnische Trennung ist auch heute noch eine im Vergleich zur Verhüttung anderer Metalle aufwendige Angelegenheit. In mehrstufigen Verfahren werden dafür organische und wässerige Extraktionsmittel benutzt, von denen Letztere in der Regel Ammoniak enthalten. Chemiker der University of Pennsylvania schrieben im vergangenen Februar in einem Übersichtsartikel in Science, dass die Abwässer aus diesen Prozessen erhebliche Gefahrenpotentiale bergen, etwa die der Grundwasserkontamination oder Überdüngung. Immerhin sei es gelungen, den Verbrauch an solchen Chemikalien von sieben auf eine Tonne pro Tonne verarbeiteter Seltener Erden zu reduzieren.

Auch kalifornisches Erz wird heute in China verarbeitet

Neben Chinas Glück mit der Geologie und seinen geringeren Lohnkosten sind nun die dortigen lausigen Umweltstandards ein weiterer Wettbewerbsvorteil des Landes bei der Erzeugung von Neodym & Co. Auch wenn man sich im Reich der Mitte neuerdings um eine sauberere Seltene-Erden-Industrie bemüht: In dem autoritär geführten Land dürfte es für geschädigte Arbeiter oder Anwohner vergleichsweise schwierig bleiben, die Produzenten erfolgreich auf substantiellen Schadensersatz zu verklagen. In Mountain Pass war genau das nach Leckagen von Abwasserleitungen in den 1990er Jahren geschehen. Anschließend war die Erzverarbeitung dort eingestellt worden. Heute wird das Bastnäsit-Konzentrat aus der Mountain-Pass-Mine, die inzwischen teilweise in chinesischer Hand ist, in China weiterverarbeitet.

Probleme mit dem Umwelt- wie mit dem Arbeitsschutz sind aber vielleicht noch ärger bei den schweren Seltenen Erden, deren Boom erst anrollt. Das betrifft insbesondere das Dysprosium. Dieses Element muss man dem NdFeB zusetzen, damit die Magnete nicht bereits bei Temperaturen von 80 Grad ihre Funktion verlieren. Das heißt: ohne Dysprosium keine Elektroautos. So dürfte sich der Bedarf an Neodym im Jahr 2035 um 76 Prozent gegenüber der 2013 produzierten Menge steigern. Vom Dysprosium aber wird dann mehr als dreimal so viel gebraucht werden, schätzt eine im Auftrag der Deutschen Rohstoffagentur erstellte Studie aus dem Jahr 2016. Wie andere schwere Seltene Erden wird auch Dysprosiumoxid heute überwiegend in China geschürft, und zwar im Süden des Landes und zum Teil in illegalen Gruben, wo die Einhaltung selbst der laschen chinesischen Arbeits- und Umweltstandards alles andere als garantiert ist. Einer 2016 in Resources Policy erschienenen Untersuchung zufolge kommen 40 Prozent der chinesischen Produktion an Seltenen Erden aus illegalen Bergbauaktivitäten. Wenn dieser Zustand andauert, dann schöpft die grüne klimafreundliche Zukunft, die der Westen sich erträumt, aus einer ziemlich dreckigen Quelle.

Weitere Themen

Der lange Weg ins Weiße Haus Video-Seite öffnen

Videografik : Der lange Weg ins Weiße Haus

Etappensieg für Bernie Sanders auf dem langen Weg ins Weiße Haus: Der linksgerichtete Senator hat die wichtige Präsidentschaftsvorwahl der Demokraten im Bundesstaat New Hampshire für sich entschieden. In Vorwahlen bestimmt jeder Bundesstaat die Kandidaten von Demokraten und Republikanern, die später auf Wahlparteitagen auf den Schild gehoben werden.

Topmeldungen

CDU-Vorsitz : Wer steht hinter den Kandidaten?

Eine Kandidatur für den CDU-Vorsitz ist kein leichtes Unterfangen. Wer unterstützt und berät Merz, Spahn, Laschet und Röttgen im Hintergrund?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.