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Sanddorn in Not : Die Vitamin-Bombe des Ostens

  • -Aktualisiert am

Auf einem Hektar Plantagenfläche stehen stehen etwa 1500 Pflanzen. Sanddorn gehört zu den Ölweidengewächsen; Pflege der Sträucher und auch die Ernte gelingen vor allem in Handarbeit. Bild: dpa

Eine rätselhafte Krankheit setzt dem Sanddorn zu. Die Sträucher sterben – auch in den deutschen Anbaugebieten.

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          Benedikt Schneebecke stapft an diesem grauen Morgen kurz nach neun Uhr über seine Felder, vorbei an kahlen, abgeernteten Sträuchern. Er schlägt links in eine Reihe ein, bleibt vor seinen Mitarbeitern stehen. Die Männer halten Akkuscheren, die nach den Zweigen schnappen. Schneebecke selbst zwackt mit zwei Fingern ein paar Beeren ab, stopft sie sich in den Mund. „Hier habe ich zwei, drei Pflanzen, die sehen super aus“, sagt er. Aber da hinten, da seien ein paar Sträucher schon tot.

          Schneebecke ist Ende 30 und eigentlich Anwalt. Nach dem Abitur studiert er Jura in Münster, Freiburg und in Lausanne. Dann stirbt sein Vater nach einem Arbeitsunfall auf dem Hof in Marlow, Sohn Benedikt muss plötzlich den Familienbetrieb in Vorpommern übernehmen, damals ist er 31 Jahre alt. „Ich hatte keine Wahl, aber das war für mich auch klar, das zu übernehmen.“ Heute, acht Jahre später, gehören ihm 600 Hektar Land, auf 60 Hektar baut er Sanddorn an und steht vor einem Rätsel. „Uns sterben die Sträucher ab, 15 Prozent meiner Fläche ist befallen, aber das ist ein Problem in ganz Mecklenburg-Vorpommern.“ Und nicht nur dort.

          Ein bisher unbekannter Erreger

          Landwirte und Wissenschaftler beobachten seit mehr als vier Jahren, dass es dem Sanddorn (Hippophae rhamnoides) nicht besonders gut geht. Sowohl den Sträuchern in Plantagen wie denen von Schneebecke als auch den Wildsorten an der Küste. Regionen in Brandenburg, Bayern und Sachsen-Anhalt sind ebenfalls betroffen. Es gebe auch Pflanzen in Niederösterreich, in China, und überall zeige der Sanddorn die gleichen Symptome, berichtet Joachim Vietinghoff.

          Er ist stellvertretender Direktor des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei in Rostock und zuständig für das Sanddornsterben in Mecklenburg-Vorpommern. Das Amt untersucht Proben im Labor und forscht nach Pilzen, Viren, Bakterien, die dem Sanddorn zu schaffen machen könnten. „Wir beschäftigen uns eigentlich jeden Tag mit Schadorganismen, an den unterschiedlichsten Kulturpflanzen. Mir ist das in meinem Berufsleben noch nie passiert, dass wir einen Erreger haben, der völlig unbekannt ist“, sagt Vietinghoff.

          Der Phytopathologe hat auf dem kranken Sanddorn zwar einen Pilz der Gattung Verticillium gefunden und erklärt, dass dieser Gefäße hinaufwandere und verstopfe, so dass die Pflanze keine Nährstoffe und kein Wasser mehr aufnehmen könne. Die Sträucher verdorren, aber: „Das sind in der Regel Schwächeparasiten, die sich auf geschwächte Pflanzen aufsatteln. Dass die jetzt die Ursache für das Sanddornsterben sind, können wir uns nicht vorstellen.“

          Das Sterben auf den Plantagen geht schnell. Schneebecke muss hilflos zuschauen, wie die Blätter welken, abfallen, wie die Zweige aufhellen und austrocknen. Manchmal dauere das nur zwei, drei Wochen. Aber der Landwirt will seine Sträucher retten. Er steigt in seinen Geländewagen, steuert ihn zwischen zwei Sanddornreihen hindurch, die Einparkhilfe fiept, und zeigt auf seine Sträucher. Links wächst die Sorte Habego, rechts Leikora, tropfenförmig und prall orange.

          Sanddorn ist ein Ölweidengewächs, das vier bis sechs Meter hochragen kann und die Geschlechter trennt, also tragen die Sträucher weibliche oder männliche Blüten. Er gedeiht vorwiegend in den kühleren Gebieten Asiens und Europas, die sogenannten Scheinsteinfrüchte sind reich an Vitamin C und anderen nützlichen Inhaltsstoffen. Das macht das Wildobst nicht nur als Lebensmittel interessant – für Tee, Saft, Fruchtaufstrich, sondern ebenso als Heilpflanze und für die Kosmetikindustrie, die das Öl zum Beispiel in Cremes rührt.

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