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Zugvögel und Klimawandel : Riskante Langstreckenflüge

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Angesichts des Klimawandels wird sich die Reisezeit vieler Zugvögel in naher Zukunft zum Teil deutlich verlängern. Etliche Fernreisende werden schon in wenigen Jahrzehnten – so die Prognose einer britischen Forschergruppe – einen zusätzlichen Zwischenstopp auf dem Weg in ihr Brutgebiet einlegen müssen. Christine Howard von der Durham University und ihre Kollegen stützen sich dabei auf das, was derzeit über die Flugrouten und den Energiebedarf verschiedenartiger Zugvögel bekannt ist sowie auf klimatische Rahmenbedingungen in den heutigen Winterquartieren und Brutgebieten. Die verwendeten Klimamodelle stammen aus dem aktuellen Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC.

Viele Zugvögel bleiben auf der Strecke

Wie die Forscher um Howard in den „Proceedings of the Royal Society B“ berichten, werden hauptsächlich Zugvögel, die schon jetzt extrem weite Strecken zurücklegen, noch deutlich länger unterwegs sein. Damit trifft es gerade jene Tiere, die im Sommer wie im Winter von Insekten leben und unter einem spärlich gewordenen Nahrungsangebot leiden. Für den farbenprächtigen Bienenfresser (Merops apiaster), derzeit vor allem südlich der Alpen anzutreffen, sagen die britische Forscher beispielsweise voraus, dass er in fünf Jahrzehnten etwa tausend Kilometer weiter fliegen muss. Wegen einer zusätzlichen Pause wird er mehr als vier Tage länger unterwegs sein. Der stimmgewaltige Sprosser (Luscinia luscinia), ein östlicher Verwandter der Nachtigall, dürfte dann rund achthundert Kilometer mehr zurücklegen und seine Reise um mindesten fünf Tage verlängern.

Howard und ihre Kollegen weisen darauf hin, dass Zugvögel umso gefährlicher leben, je länger sie auf Reisen sind. Auf dem Weg zwischen Winterquartier und Brutgebiet bleiben viele auf der Strecke. Gefahr droht nicht nur von tödlichen Netzen und Gewehren, scharfen Krallen und spitzen Zähnen. Auch Wetterkapriolen können sich in unbekanntem Gelände als fatal erweisen. Zudem fehlt es dort oft gerade dann an passender Verpflegung, wenn der Bedarf hoch ist, weil kräftezehrende Langstreckenflüge zu leisten sind. Darüber hinaus erhöht eine längere Reise das Risiko, zu spät im Brutgebiet anzukommen.

Dass der Frühling aufgrund des Klimawandels im Durchschnitt zunehmend früher beginnt, macht weitgereisten Zugvögeln bereits seit Jahrzehnten zu schaffen. Schon vor dreizehn Jahren berichteten Zoologen um Christiaan Both vom Netherlands Institute of Ecology in Heteren über die Folgen eines schlechten Timings, und zwar am Beispiel des Trauerschnäppers (Ficedula hypoleuca), eines kleinen schwarz-weißen Fliegenschnäppers, der in Baumhöhlen brütet. Wo erst spät im Jahr zahlreiche Raupen herumkrabbelten, schrumpften die Trauerschnäpper-Populationen nur wenig oder gar nicht.

Wo das Nahrungsangebot schon viel früher im Jahr optimal war, hatten sie dagegen binnen zwei Jahrzehnten um rund 90 Prozent abgenommen. Selbst Trauerschnäpper, die zehn Tage früher mit dem Brüten begannen als die meisten ihrer Artgenossen, kamen hier zu spät, um ihren Nachwuchs optimal versorgen zu können. Zugvögel, die ohnehin eher kurze Strecken zurücklegen, zeigen sich mitunter flexibler als Langstreckenflieger. Mönchsgrasmücken zum Beispiel überwintern mittlerweile oft in Dänemark, den Niederlanden oder Großbritannien statt nach Südeuropa oder Afrika zu ziehen. Doch selbst wenn es der Menschheit gelingen sollte, den Klimawandel in nächster Zeit spürbar zu bremsen, wird die Anpassungsfähigkeit von Zugvögeln langfristig auf eine harte Probe gestellt.

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