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Plastikmüll im Meer : Die chinesische Flaschenflut

Plastikmüll wie diese Flaschen am Strand von Ko Sih Chang in Tailand könnten von Handelsschiffen achtlos ins Meer geworfen worden sein. Bild: dpa

Die Plastikabfälle im Meer haben weiter drastisch zugenommen, und für südafrikanische Forscher stehen die Schuldigen fest. Einfacher wird es damit nicht, das Plastikproblem loszuwerden.

          3 Min.

          Der Plastikmüll in den Meeren nimmt weiter drastisch zu und er stammt, was die großen Kunststoffabfälle angeht, zu großen Teilen womöglich gar nicht von Abfällen, die an Land erzeugt und achtlos entsorgt wurden. Wie Peter G. Ryan von der University of Cape Town in Südafrika in den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften berichtet, hat sein Team Hinweise gesammelt, dass der Müll von Handelsschiffen kommt.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          In den Jahren 2009 und 2018 zählten die Forscher die Menge an angeschwemmtem Plastik auf der einsamen und abgelegenen Insel Inaccessible Island im zentralen Südatlantik und verglichen sie mit Zählungen aus den achtziger Jahren.

          Das Ergebnis: Seitdem stieg der Hauptanteil des Plastikmülls, Flaschen aus Polyethylen (PET), um jährlich 15 Prozent. Außerdem stammten 2018 zwei Drittel dieser Plastikflaschen aus China und waren nicht älter als zwei Jahre. Die Herstellerkennzeichnungen deuten darauf hin, dass sie von Schiffen aus ins Meer geworfen wurden.

          Meeresökologe Lars Gutow vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven sagt dazu: „Ich halte diese Studie für extrem wichtig, weil sie wie bisher nur wenige Studien zeigt, dass die Menge des Kunststoffabfalls in den Ozeanen über die vergangenen Jahrzehnte deutlich angestiegen ist. Zwar betrachtet diese Studie nur den Südatlantik. Mit weiteren Untersuchungen nach diesem Vorbild aus anderen Regionen kann jedoch ein globales Bild erstellt werden.“ Zahlreiche Funde ausgedienten Fischereigeräts in den Meeren hätten zudem bereits in früheren Studien darauf hingedeutet, dass die kommerzielle Fischerei, die ja eine Form der Berufsschifffahrt ist, eine bedeutende Quelle für den Müll in den Meeren darstellt.

          Wir alle sind an dem Problem beteiligt

          Für Jörg-Olaf Wolff, Koordinator des Forschungsprojekts Makroplastik Nordsee an der Universität Oldenburg, deutet die Studie darauf hin, „dass hier das MARPOL-Abkommen, das eine Entsorgung von jedwedem Plastikmüll auf offener See verbietet, von der Handelsschifffahrt oder den asiatischen Fischfangflotten in diesem Gebiet nicht eingehalten wird. Ein Transport dieser PET-Flaschen durch ozeanische Strömungen und durch windgetriebene Effekte aus asiatischen Gewässern ist für solch kurze Zeiträume nicht vorstellbar.“

          Meeresbiologe Martin Thiel von der 
Katholischen Universität Nordchile in Coquimbo ist freilich skeptisch, was die These zur Herkunft des Mülls betrifft: „Ich sehe es nicht als gegeben an, dass der Müll von Handelsschiffen stammen muss, für mich können es ebenfalls große industrielle Fischereischiffe sein. Dabei stellt sich auch die Frage, ob so viele Handelsschiffe, die aus China kommen, durch den Südatlantik fahren. Daher ist die Frage nach der Herkunft des Mülls für mich nicht ganz so klar wie in der Studie dargestellt.“ Alle seien an dem Problem beteiligt, egal aus welchem Land: „Recycling von Plastikprodukten funktioniert nicht wirklich gut, auch in Europa nicht, und sollte daher eine der letzten Option sein. Wir sollten wieder verstärkt Mehrwegprodukte nutzen.“

          Für die Juristin Nele Matz-Lück vom Walther-Schücking-Institut für Internationales Recht der Universität zu Kiel ist ein internationales Eingreifen schwierig: „Die Entsorgung von Plastikflaschen und anderen Plastikabfällen in die Meere von Schiffen aus unterfällt einem international bindenden Verbot. Das sogenannte MARPOL-Übereinkommen regelt in verschiedenen Annexen zum Beispiel die Ölverschmutzung, die Verschmutzung mit Chemikalien, aber in Annex V auch die Meeresverschmutzung durch Schiffsabfälle. Die Annexe sind jeweils für sich bindende Verträge. Nach Annex V ist prinzipiell jegliche Abfallentsorgung von Schiffen aus verboten. Ausnahmen gelten zum Beispiel für Essensreste und Reinigungsmittelrückstände, nicht aber für Plastikflaschen und andere Plastikbehälter, die beim laufenden Schiffsbetrieb als Abfälle anfallen. Als eigenständiger Vertrag gilt Annex V nur für die MARPOL-Vertragsstaaten, die diesem auch zugestimmt haben. Weltweit sind über 150 Staaten Vertragspartei zu Annex V geworden. Diese Mitgliedstaaten sind rechtlich verantwortlich dafür, dass Schiffe, die unter ihrer Flagge fahren, Plastikabfälle nicht entgegen der rechtlichen Regelung im Meer entsorgen.“ Problematisch an dieser Regelung seien allerdings sowohl die Kontrolle der Abfallentsorgung als auch eine Sanktionierung seitens der Flaggenstaaten.

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