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Schwierige Umweltbilanz : Plastik reduzieren – Klima schützen?

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Der Großteil des produzierten Plastiks basiert auf fossilen Rohstoffen. Und natürlich entstehen bei deren Exploration, der Förderung, beim Transport und der Raffinierung von Öl, Gas und Kohle jede Menge Treibhausgase. Abhilfe kann auch die vermehrte Verwendung von Bioplastik, das aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Zuckerrohr hergestellt wird, nicht schaffen. Das liegt daran, dass sich dadurch die Landnutzung ändern würde. Waldflächen würden vermehrt zu Ackerland umgewandelt werden. Landwirtschaftlich genutzte Felder binden aber erheblich weniger Kohlendioxid als Wälder.

Weitere Forschung notwendig

Daneben können sich Mikroplastikteilchen in den Ozeanen negativ auf das Klima auswirken. Denn die winzigen Partikel stören biologische Prozesse, mit deren Hilfe Plankton an der Meeresoberfläche Kohlendioxid bindet und anschließend in der Tiefsee ablagert. Fachleute sprechen von der sogenannten biologischen Kohlenstoffpumpe. Sie trägt wesentlich zur Regulation des Klimas bei, da sie die Kohlendioxidaufnahme der Ozeane aus der Atmosphäre antreibt. Wie genau Mikroplastik diesen Prozess stört, ist allerdings noch nicht ausreichend verstanden und Gegenstand der Forschung, unter anderem am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.  

Wissenschaftler der Universität Hawaii fanden bei Untersuchungen der Methanemission von Meerwasser eher zufällig, dass auch aus Plastik selbst Treibhausgase entweichen. Als besonders emissionsfreudig erwies sich Polyethylen. Feines Plastikpulver produziert dabei deutlich mehr Methan als größere Plastikteilchen derselben Menge. Die Forscher resümieren, dass offenbar beim Zerfall von Plastikmüll nicht unerhebliche Mengen an Treibhausgasen entstehen. Gleichwohl ist noch unklar, welchen Beitrag diese zur Erderwärmung leisten.

Offenkundig ist aus der Zusammensetzung der Kunststoffe hingegen, dass bei der Entsorgung von Plastik große Mengen an CO2 und anderen Treibhausgasen entstehen. Der Plastikatlas nennt für die Kunststoffverbrennung eine globale Ausstoßmenge von fast 100 Millionen Tonnen jährlich. Allerdings betont das Umweltbundesamt, dass die Müllverbrennung eigentlich einen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Es werde damit Strom produziert, woraus eine Nettoentlastung resultiere. Diese Rechnung geht allerdings nur auf, wenn man davon ausgeht, dass sich dadurch Kohle, Gas oder Erdöl als Quelle für die Verstromung ersetzen lassen. Für die Erzeugung der gleichen Strommenge würde nämlich im Schnitt fast doppelt so viel CO2 frei, würde man statt Müll fossile Energieträger verwenden.

Dass Plastik dem Klimaschutz insgesamt sogar zuträglich sein kann, machen weitere Beispiele deutlich: Ingenieure setzen etwa häufig innovative Kunststoffe ein, um Gewicht zu reduzieren. Bei Fortbewegungsmitteln spart das Treibstoff, Windräder macht es effizienter. Das reduziert wiederum CO2 -Emissionen. Gleiches gilt auch für Kunststoffverpackungen, in denen Lebensmittel länger haltbar bleiben, was Energie einspart.

Gleichwohl bestehen sowohl für die Industrie als auch für Privatpersonen gewiss zahlreiche Möglichkeiten und Anreize (Ressourcenschonung, Umweltverschmutzung), den Kunststoffverbrauch einzuschränken. Mehr als ein Drittel der global produzierten Kunststoffe werden als Verpackungen eingesetzt. Auf die Plastiktüte zu verzichten, sollte daher nur der Anfang sein. Und ob das nun dem Klima oder eher den Ökosystemen nutzt, ist letztlich völlig egal. Beide hängen ohnehin maßgeblich voneinander ab.

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