https://www.faz.net/-gwz-9az1u

Müllrekord auf hoher See : Ertrinkt das Mittelmeer in Plastik?

  • Aktualisiert am

Plastik verschmutzt die Weltmeere. Im Mittelmeer hat die Verschmutzung nun neue Rekordwerte erreicht. Bild: dpa

Ob Antarktis oder Mittelmeer: Kein Fleck auf der Erde scheint mehr sicher vor Plastik zu sein. Proben einer Greenpeace-Expedition zeigen nun erschreckende Ergebnisse.

          2 Min.

          Plastikmüll breitet sich immer mehr in alle Winkel der Welt und auch bis in letzte unberührte Regionen aus. Selbst die Lebensräume der Antarktis sind bereits mit kleinsten Plastikteilchen und umweltschädlichen Chemikalien belastet, wie Untersuchungen der Umweltorganisation Greenpeace ergaben.

          Im Mittelmeer wiederum schwimmen laut WWF bereits Rekordmengen an Plastikmüll - und die Scharen von Touristen, die im Sommer die Strände bevölkern, verschärften die Lage noch, schreibt der WWF einem Report zum Tag der Meere am Freitag. „Auf das Plastikmüllproblem müssen wir eine globale Antwort finden. Wir brauchen ein „Paris-Abkommen für den Ozean“, das die Verschmutzung der Weltmeere stoppt“, sagte Heike Vesper, Leiterin Meeresschutz beim WWF Deutschland, unter Anspielung auf das internationale Klimaschutzabkommen.

          Giftige Chemikalien in Schnee und Wasser

          Greenpeace hatte in der Antarktis bei einer dreimonatigen Expedition Anfang des Jahres Wasser und Schnee untersucht. In sieben von acht Wasserproben fanden sich Spuren von Mikroplastik, die zum Beispiel aus Kleidung oder von Fischernetzen stammen. Zudem waren in sieben von neun Schneeproben giftige Chemikalien zu finden, die unter dem Kürzel PFAS oder PFC bekannt sind. Sie werden beispielsweise verwendet, um Outdoor-Bekleidung zu beschichten und bleiben über Jahre in der Umwelt, wie Greenpeace am Donnerstag in Hamburg mitteilte.  „Die Antarktis mag uns als unberührte Wildnis erscheinen, doch auch dieses Ende der Welt ist schon verschmutzt durch Umweltgifte der Textilindustrie und die Rückstände des Plastikwahnsinns“, sagt Thilo Maack, Meeresexperte bei Greenpeace.

          Verschmutzte Meere, verschmutzte Strände. Durch den Tourismus wird dieses Phänomen immer extremer.

          Die Ergebnisse fügten sich in einige ähnliche Untersuchungen ein, die aber in anderen Regionen der Antarktis erhoben wurden. Die Arktis sei besser untersucht.  Mikroplastik und chemische Schadstoffe werden durch Wind und Meeresströmungen sowie über die Atmosphäre in entlegene Regionen getragen und bleiben teils Jahrzehnte in der Umwelt. Über die Nahrung können sie sich in Organismen wie Pinguinen, Robben und Walen anreichern. Neben den Mikroplastikproben fanden die Umweltschützer zwischen den Eisbergen auch Plastikmüll der Fischerei wie Bojen, Netze und Planen.

          700 bedrohte Meerestierarten

          „Überall in unseren Ozeanen findet sich Plastik, von der Antarktis über die tiefsten Meeresgräben bis zur Arktis“, sagte Maack. „Die Regierungen müssen Maßnahmen initiieren und durchsetzen, die bei der Produktion ansetzen, damit diese Schadstoffe gar nicht erst in die Meere gelangen.“ Das vorgeschlagene EU-Verbot von Einmalplastik könne dabei nur der Anfang sein.

          Ein Foto, das um die Welt ging: Das Seepferdchen griff sich ein Ohrstäbchen im Meer vor Indonesien. Auch Tiere im Mittelmeer sind immer gefährdeter.

          Laut WWF bedroht Plastik weltweit etwa 700 Meerestierarten. Betroffen seien allein im Mittelmeer Dutzende Fischarten sowie alle drei heimischen Meeresschildkrötenarten, Seevögel sowie Wale und Delfine. 18 Prozent der Thunfische und Schwertfische hätten Plastik im Magen. Gerade das Mittelmeer, das fast vollständig von besiedelten Küsten umgeben sei, drohe zu einer „Plastikfalle“ zu werden. Obwohl es nur rund ein Prozent des Wassers auf der Erde enthalte, fänden sich Hochrechnungen zufolge darin sieben Prozent des weltweiten Mikroplastiks.

          Vierfache Kunststoffkonzentration im Mittelmeer

          Die Konzentration dieser Kunststoffpartikel sei im Mittelmeer fast viermal so hoch wie die des „Plastikwirbels“ im nördlichen Pazifik. Sie liege bei bis zu 1,25 Millionen Fragmenten pro Quadratkilometer. Der Abfall stamme vor allem aus der Türkei und Spanien, gefolgt von Italien, Ägypten und Frankreich. Zu 95 Prozent bestehe der im Wasser und an Stränden gefundene Müll aus Kunststoff. Hauptursache sei das lückenhafte Abfallmanagement vieler Anrainer. Es gebe ungesicherte Mülldeponien und Abfall werde illegal in Flüssen entsorgt.

          Der Tourismus treibe die Belastung weiter hoch. Im Mittelmeerraum lebten 150 Millionen Menschen, alljährlich reisen zudem 320 Millionen Urlauber an. Nach vom WWF zitierten Studie erhöhen die Touristen die Plastikmüll-Menge um 40 Prozent. Eine andere Untersuchung kam für die Insel Kos zu dem Schluss, dass 70 Prozent der jährlichen Abfälle während der Reisemonate von April bis Oktober anfallen. „Hotels und Schiffe müssen wirksame interne Abfallsammelsysteme einrichten und den Müll vollständig trennen. Wir können nicht zulassen, dass das Mittelmeer in Plastik ertrinkt“, forderte Vesper

          Weitere Themen

          19 Stunden dauert die Aufholjagd

          SpaceX : 19 Stunden dauert die Aufholjagd

          Der Start der Dragon-Kapsel mit den beiden amerikanischen Astronauten Robert Behnken und Douglas Hurley an Bord ist im zweiten Anlauf geglückt. Die Falcon9-Trägerrakete hebt pünktlich um 21.22 Uhr deutscher Zeit ab. 19 Stunden später wird die Crew die Internationale Raumstation ISS erreichen.

          Erste bemannte SpaceX-Rakete erfolgreich gestartet

          Cape Canaveral : Erste bemannte SpaceX-Rakete erfolgreich gestartet

          Es ist der erste bemannte Weltraumflug Amerikas seit neun Jahren – die Privatfirma SpaceX hat ihre Crew-Dragon-Kapsel ins All geschickt. Der erfolgreiche Start der zweistufigen Rakete bedeutet eine grundsätzliche Abkehr von der Art und Weise, mit der Astronauten bisher in den Orbit befördert werden.

          Topmeldungen

          Der Start am Weltraumbahnhof in Florida

          Cape Canaveral : Erste bemannte SpaceX-Rakete erfolgreich gestartet

          Es ist der erste bemannte Weltraumflug Amerikas seit neun Jahren – die Privatfirma SpaceX hat ihre Crew-Dragon-Kapsel ins All geschickt. Der erfolgreiche Start der zweistufigen Rakete bedeutet eine grundsätzliche Abkehr von der Art und Weise, mit der Astronauten bisher in den Orbit befördert werden.
          Nicht nur am Mainufer, sondern auch an der Frankfurter Börse herrscht frühlingshafter Optimismus.

          Steigende Kurse trotz Krise : Das Börsenvirus

          Die Wirtschaft liegt noch am Boden, doch die Kurse an der Börse steigen und steigen. Kann die Wette auf die bessere Zukunft aufgehen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.