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Landwirtschaft : Pflanzen für eine versalzene Welt

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Queller auf der Nordeeeinsel Spiekeroog. Auf ihren Verwandten, den Zwergqueller, richten sich die Hoffnungen von Forschern und Landwirten. Bild: Jürgen Howaldt

Jede Minute gehen drei Hektar Land durch Versalzung des Bodens verloren. Immer mehr Landwirte fühlen sich bedroht. Und die Forschung kommt nur langsam voran. Sie versucht, möglichst ertragreiche Nutzpflanzen zu züchten, die auf salzigen Böden gedeihen.

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          Hunger regiert große Teile der Welt. Hunderte Millionen Menschen haben nicht genug zu essen, und sie bekommen auch kein sauberes Trinkwasser. Längst wird prophezeit, dass man künftig Kriege um Wasser führen wird. Das würden auch Kriege um landwirtschaftliche Flächen sein, denn zwischen dem Mangel an Wasser und dem an Nahrung besteht ein enger Zusammenhang. Einer Schätzung zufolge entfallen weltweit zwei Drittel des Wasserverbrauchs auf die Landwirtschaft, und der Klimawandel könnte die Böden in vielen Regionen noch durstiger machen.

          Ohne Bewässerung gäbe es vielerorts keine Ernten, aber der Preis ist hoch. Auch wenn moderne Techniken einen sparsameren Umgang mit kostbarem Wasser ermöglichen, erfordert die steigende Nahrungsmittelerzeugung immer mehr Süßwasser. Sie sollte bis 2030 um die Hälfte gesteigert werden, hieß es auf dem Ernährungsgipfel der Vereinten Nationen im vergangenen Juni. Zum immensen Wasserverbrauch kommt die Bodenversalzung, die vor allem - aber keineswegs nur - Gebiete mit trocken-heißem Klima heimsucht. Wo sie voranschreitet, werden fruchtbare Felder zu toten Flächen.

          Nutzpflanzen für Salzböden

          Durch Versalzung gehen jede Minute auf der Erde drei Hektar landwirtschaftlich nutzbaren Landes meist unwiderruflich verloren. Sie gilt als der häufigste Grund für die Zerstörung fruchtbaren Bodens. Weil man gegen sie nicht ankommt, will man aus der Not eine Tugend machen und Nutzpflanzen entwickeln, die auch auf salzhaltigen Böden gedeihen und dort reichen Ertrag verheißen. Forscher in aller Welt versuchen, solche Gewächse zu züchten, sei es durch herkömmliche Kreuzungen, sei es auf gentechnische Weise.

          Neue Nutzpflanzen für eine versalzene Welt - das Konzept klingt verlockend, aber der Weg ist mit Hindernissen gepflastert. Zu den Experten, die vor euphorischen Höhenflügen warnen, gehört Timothy Flowers. Der an der University of Sussex und der University of Western Australia tätige Forscher befasst sich seit vielen Jahren mit den Möglichkeiten einer Salz-Landwirtschaft. Zusammen mit Jelte Rozema von der Freien Universität Amsterdam hat er kürzlich eine Bestandsaufnahme vorgelegt, die zwar zum Teil recht ernüchternd ist, aber doch mögliche Wege zur Lösung der Misere aufweist ("Science", Bd. 322, S. 1478).

          Meeresvergangenheit

          Die Ursachen sind zum Teil natürlicher Art, bedingt etwa durch salzhaltiges Grund- oder Regenwasser. Immer bedrohlicher wird aber die vom Menschen verursachte Versalzung. Sie ist häufig auf künstliche Bewässerung zurückzuführen. Auch wenn das hierfür verwendete Grund- oder Flusswasser nur schwach salzhaltig ist, kommt es in trocken-heißen Klimazonen leicht zu einer bedenklichen Anreicherung, weil viel Wasser verdunstet. Bei starker Bewässerung kann zudem der Grundwasserspiegel steigen, wodurch sich Salze aus dem Gestein lösen und nach oben transportiert werden. Aber auch der Verzicht auf künstliche Bewässerung schützt nicht überall vor Versalzung. Das hat sich in Gebieten gezeigt, in denen jährlich nur etwa 200 bis 300 Millimeter Niederschläge fallen. Wandelt man dort Wälder in Agrarland um, drohen Salze mit dem dann hochsteigenden Grundwasser in den Oberboden zu gelangen.

          Die Vision von blühenden Agrarlandschaften auf Salzböden ist kein reines Hirngespinst. Schließlich war Meerwasser vor mehr als drei Milliarden Jahren die Geburtsstätte des Lebens auf der Erde. Auch die Pflanzen sind im Meer entstanden. Nach der Eroberung des Festlandes, die vor etwa 450 Millionen Jahren begonnen hat, haben sie die Anpassungsstrategien für ein Leben unter hohen Salzkonzentrationen größtenteils eingebüßt. Nur noch rund ein Prozent der heutigen Pflanzenarten kann auf stark salzhaltigen Böden wachsen.

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