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Offshore-Parks : Öko-Forschung in den Wind geschrieben?

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Die weitere Entwicklung an den neuen, künstlichen „Lebensräumen“ können der Wissenschaftler und seine Kollegenvorerst nicht mehr verfolgen, ihr Projekt wurde gestoppt. Gutow ist enttäuscht, vor allem wissenschaftlich. „Jetzt bleiben angefangene Studien unvollendet. Wie der Link zwischen dem Nahrungsnetz im Mikrobereich und den großen Tieren unter dem Einfluss von Windkraftanlagen auf längere Sicht reagiert, bleibt ununtersucht.“ Da die Prozesse im Bodenleben sehr langsam ablaufen, zeigen sich deren volles Ausmaß und mögliche Folgen frühestens nach drei bis vier Jahren. Doch Alpha Ventus ist erst seit 2010 am Netz. „Die Gelder für das Projekt fehlen also genau in der biologisch entscheidenden Zeit.“

Auch ein Wissenschaftler aus einem anderen Fachbereich äußert Bedenken: „Die Biologie zum Bodenleben kann damit erst einmal keine aktuellen Daten mehr zuliefern“, fasst Kay Emeis zusammen, der die Küstenforschung am Helmholtz-Forschungszentrum Geesthacht leitet. Zusammen mit seinem Team untersucht Emeis geophysikalische und chemische Prozesse rund um die Windparks. Seine Arbeit ist zwar bisher nicht von Kürzungen, aber indirekt doch betroffen. „Mir fällt nur ein einziger rationaler Grund für den Stopp ein: Das Ökologie-Teilprojekt von „Rave“ war von Anfang an darauf ausgelegt, das Standarduntersuchungskonzept, das Windparkbetreiber für die Genehmigung vorlegen müssen, zu evaluieren und zu verbessern. Das ist von dauerhaft angelegten Beobachtungsstudien zu trennen.“

Die Homepage des Bundesamtes in Hamburg informiert hierzu, dass im Rahmen der Umweltforschung „neue Methoden (z. B. Erfassungsgeräte)“, aber auch „großräumigere Untersuchungen“ und „umfangreichere Untersuchungen“ erfolgen. Wie umfangreich, steht dort nicht. „In meinen Augen reicht es nicht, Methoden zu verbessern. Um erste Pilotergebnisse zu verifizieren, muss man diese Verfahren dann auch anwenden“, meint Emeis.

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Für ein langfristiges Monitoring reicht das Budget jedoch nicht. Christian Dahlke vom BSH, der alle Rave-Umweltstudien koordiniert, bestätigt das. „Es wetteifern immer verschiedene Interessen miteinander. Grundsätzlich verstehe ich, dass die Wissenschaft Daten immer wieder neu prüfen und bestätigen will. Ich bin dagegen dafür verantwortlich, dass Forschungsgelder so verteilt werden, dass vor allem praxisrelevante Ergebnisse herauskommen“, so der Jurist. Mit den vorliegenden Schätzungen „hat die kleinräumige Benthosforschung bereits erreicht, was sie sollte. Weiteres Monitoring mag Nuancen mehr Erkenntnis liefern. Aber was jetzt nach zwei Jahren ist, wird sich auch ein Jahre später nicht grundlegend verändert haben.Nur um das noch einmal zu bestätigen, kann ich keine Gelder bewilligen. Dafür sind fünf Millionen Euro für alle Studien zusammen zu knapp.“

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