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Seit Beginn der Messungen : Meereis in der Arktis auf negativem Rekordstand

  • Aktualisiert am

Eisbären laufen über arktisches Meereis: Ihr Habitat schrumpft. Bild: dpa

Das Meereis in der Arktis ist in diesem Monat auf einen historischem Tiefstand geschrumpft: Seine Ausdehnung liegt 16 Prozent unter dem Mittelwert der vergangenen Jahre – so wenig wie noch nie im Juli seit Beginn der Satellitenmessungen.

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          Die Ausdehnung des arktischen Meereises ist auf den niedrigsten Juli-Wert seit Beginn der Satellitenmessungen Ende der 1970er Jahre gesunken. In der russischen Arktis sind rund eine Million Quadratkilometer weniger von Meereis bedeckt als im Vergleich zum Mittelwert der vorherigen sieben Jahre, wie das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (Awi) am Montag mitteilte.

          In der gesamten Arktis liegt die Meereisausdehnung zurzeit mit sechs Millionen Quadratkilometern 16 Prozent unter dem Mittelwert der Jahre 2013 bis 2019. Schon im Winter waren im Rahmen der „Mosaic“-Expedition bei der Eisdicke besonders niedrige Werte festgestellt worden. „Wir sehen in den letzten 15 Jahren eine geringere Dicke und Ausdehnung als in allen Jahren zuvor. Das ist die Konsequenz aus der Klimaerwärmung“, sagte der Awi-Meereisphysiker Marcel Nicolaus.

          Atlantik-Pazifik-Seeweg eisfrei

          An der ostsibirischen Küste war es im Mai und Juni dieses Jahres mehr als 6 Grad Celsius wärmer als im langjährigen Mittel. „So früh im Jahr so viel Wärme in das System zu bringen, beschleunigt und verfrüht das Schmelzen des Eises“, sagt Nicolaus. Eine Warmluftzelle über dieser Region beherrschte die Wetterlage in der Arktis und sorgte für Temperaturen weit über dem langjährigen Durchschnittswert. In der Folge schmolz der Schnee bereits früh im Jahr und die sibirischen Permafrostböden begannen zu tauen.

          Diese Grafik zeigt die Ausdehnung des Meereises in der Arktis am 26. Juli 2020 im Vergleich zum Median der Jahre 1981 bis 2010.

          Die Warmluftzelle mit ihren extrem hohen Temperaturen in Sibirien ließ aber nicht bloß den Permafrostboden tauen, sondern auch die Ausdehnung des Meereises zurückgehen. Ob der Trend bis zum jährlichen Minimum im September so weitergeht, lasse sich noch nicht vorhersagen – die Entwicklung hänge vor allem von den Wetterbedingungen ab.

          Nach Angaben des Awi habe sich das Eis besonders weit von der sibirischen Küste zurückgezogen, so dass die Nordostpassage bereits Mitte Juli eisfrei war. Der 6.500 Kilometer lange Seeweg im Nordpolarmeer verbindet den Atlantik und Pazifik. Als eisfrei betrachten die Wissenschaftler solche Bereiche, in denen weniger als 15 Prozent des Ozeans von Meereis bedeckt sind.

          Die Grafik zeigt die Abweichung der Temperatur in der Arktis im Mai 2020 im Vergleich zum Langzeitmittel von 1971-2000.

          „In diesem Sektor der Arktis haben wir jetzt mit rund 1,7 Quadratkilometern Meereisausdehnung schon 1 Million Quadratkilometer weniger Eis im Vergleich zum Mittelwert der vorherigen sieben Jahre, das entspricht etwa 40 Prozent mehr eisfreiem Ozean“, erklärt Dr. Gunnar Spreen vom Institut für Umweltphysik der Universität Bremen.

          Die Eisschmelze verstärke sich zudem dadurch, dass die dunkle Oberfläche der eisfreien See deutlich weniger Sonne zurückspiegelt als das reflektierende, weiße Eis. Diese Reflexion der Sonneneinstrahlung nennt sich Albedo und ist derzeit durch den starken Rückgang des Eises besonders niedrig. Während des Polartages, an dem die Sonne durchgehend hoch am Himmel steht, kommt es somit zu einer Rückkopplung, welche die Erwärmung verstärkt.

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